Und das ausgerechnet im Vorfeld von Weihnachten: Die Zeit der Stille gehört nun endgültig der Vergangenheit an – in den Städten und auf den Straßen. Und zwar dann, wenn Elektroautos unterwegs sind. Diese besitzen bekanntlich den sehr angenehmen Nebeneffekt, dass sie völlig geräuschlos durch die Straßenfluchten gleiten. Das erfreut jene, die in den urbanen Räumen die Ruhe vermissen. So mancher Fußgänger, Radfahrer oder Mopedbesitzer dürfte das eine oder andere Zusammentreffen mit den geräuschlosen Fahrzeugen allerdings in traumatischer Erinnerung haben – angesichts der Konditionierung des modernen Städters, der vor dem Überqueren der Straße zunächst die Ohren spitzt und bei sich näherndem Motorgeräusch nach links oder rechts blickt.

Nun zieht die Politik die Notbremse. Ab 1. Juli müssen auch in Österreich E-Autos, wenn sie anfahren, Geräusche von sich geben. Eine entsprechende Verordnung tritt zu Jahresmitte in Kraft. Ob das Fahrzeug bimmelt oder wie bei Baumaschinen oder zurückstoßenden Bussen gleichförmig hupt, lässt der Gesetzgeber offen. Die Intention liegt auf der Hand: „Mit der Einführung akustischer Signale wird ein wichtiger Schritt in der Verkehrssicherheit vor allem für Fußgänger gesetzt“, erklärt Verkehrsminister Norbert Hofer im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Gerade Kinder, ältere oder sehbeeinträchtigte Menschen werden von dieser Maßnahme im Straßenverkehr, die mitunter lebensrettend sein kann, profitieren.“

Konkret sollen bis 25 Stundenkilometer künstlich erzeugte Geräusche andere Verkehrsteilnehmer vor dem Anfahren oder Herannahen des E-Fahrzeugs warnen. Auch wenn sie – etwa vor Fußgängerübergängen – stark abbremsen, sollen sie durch akustische Signale auf sich aufmerksam machen. Der Klang ist nicht vorgeschrieben. Ab Juli müssen Neuzulassungen mit dem neuen System ausgestattet sein, ab 1. Juli 2021 gilt die Regelung flächendeckend für alle E-Autos.

Noch unklar ist, ab wann sich E-Fahrzeuge beim sogenannten Luft-100er nicht mehr an das Tempolimit halten müssen. Ein Problem, das in dem Kontext aufgetaucht ist: In Österreich angemeldete E-Autos sind an der grünen Nummertafel zu erkennen. Wie ausländische E-Fahrzeuge erfasst werden, steht noch in den Sternen. Hier sucht man im Verkehrsministerium noch nach einer Lösung.