Guter und böser FlüchtlingWirbel um Schulttheaterstück im Auftrag von Sobotka

Theaterstück über guten und bösen Flüchtling war von Innenminister Sobotka in Auftrag gegeben worden - Frau des Darstellers wandte sich an Bundespräsident, Theaterschaffende an Minister

Wolfgang Sobotka
Wolfgang Sobotka © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Zu dem vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) initiierten Schultheaterstück, in dem das Thema Asyl beispielhaft an einem "guten" und einem "bösen" Flüchtling dargestellt wird, gibt es nun offene Briefe von Theaterschaffenden sowie von der Ehefrau eines Darstellers. Es geht dabei um den "Verdacht der Indoktrinationsabsicht" sowie um die Bedingungen, unter denen das Stück zustande kam.

Mustergültig und radikalisiert

In aller Kürze erzählt das Stück von zwei Flüchtlingen, einem Syrer und einem "Afrikaner", der eine legal, der andere illegal, der eine mustergültig in den Integrationsbemühungen, der andere radikalisiert, der eine mit positivem Asylbescheid, der andere straffällig. Rundherum würde "kein Klischee, kein Vorurteil, keine Diffamierung ausgelassen", so eine "offene Anfrage" an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP), die von zahlreichen Theaterschaffenden und Kulturwissenschaftern unterzeichnet wurde. Unter anderem will man wissen, wie die "Haltungen in diesem Stück mit den Zielen in den Lehrplänen übereinstimmen", warum es nicht zu einer Ausschreibung bzw zu einer Abstimmung mit den bestehenden Einrichtungen für Jugendtheater gekommen ist und ob weitere derartige Projekte in Planung sind.

Darüber hinaus hat sich auch die Ehefrau des Darstellers des "bösen" Flüchtlings, die Afrikanistin Kerstin Agalassinger-Nyalusi, in einem Brief an Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen gewandt. Sie berichtet darin von dem Casting, bei dem Regisseur Edmund Emge erklärt habe, dass das Stück die Botschaft "Das Boot ist voll" an die Schüler vermitteln solle.

Politisch motiviert?

Sie selbst halte das Stück "für politisch motiviert, voll von stereotypen Bildern und geschichtlichen Unwahrheiten, sowie sexistischen, klischeehaften Rollenbildern und Karikaturen". Wissen möchte sie unter anderem, warum ein Theaterstück an Schulen vom Innenministerium in Auftrag gegeben wird und welche Rolle Bildungs-und Familienministerium dabei spielen, und warum am Institut für Afrikawissenschaften, "nach 'schwarzen' Amateurschauspielern gesucht, nicht jedoch um Expertenmeinung gebeten" worden sei. Zusätzlich stellt sie die Frage nach der Finanzierung und den arbeitsrechtlichen Bedingungen - ihr Mann, der mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen sei, habe jedenfalls nie einen Vertrag unterschrieben.

"Welt in Bewegung" nennt sich das Stück, das die Agentur "Acting Power" auf Auftrag des Innenministeriums verfasst hat, um kostenlos an Schulen gezeigt zu werden. Nach scharfer medialer Kritik, die im Wesentlichen auf Bekanntwerden des Textbuches basierte, war eine öffentliche Aufführung im Weltmuseum Wien im vergangenen März abgesagt worden. Autor und Regisseur Edmund Emge zeigte sich "erschüttert darüber, dass es in Österreich möglich ist, ein Stück zu verurteilen, das man nicht kennt", wie er von der Recherche-Plattform "Addendum" zitiert wird.

 

Kommentare (5)

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selbstdenker70
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Dachte immer Kunst und Kultur darf man nicht antasten und schon gar nicht einschränken....

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Planck
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Die G'schicht' ist uralt.

Nämlich vom März 2018.
Dürfte so eine Sommeerlochsache sein, wie Nessie.

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lieschenmueller
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Ja, das ist jetzt unsere Welt "dank" den Leuten vorne, es gibt nur Gute und Schlechte

Ich weiß nicht, ob es hier auch stand, aber eine Direktorin an einem Gymnasium in Wien bekam Besuch von 3 Personen des Unterrichtsministeriums. Sie meinte, keine Deutschklassen schaffen zu wollen, weil sie es nicht müsse, aufgrund der geringen Schüleranzahl, die das nötig hätten. Früher hätte vielleicht ein Telefonat genügt oder ein Schreiben, im Jahre 2018 marschiert man dort zu Dritt auf und persönlich. Mein sensibles Gemüt denkt schon in Richtung Einschüchterung.

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X22
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Ja, das ist jetzt unsere Welt "dank" den Leuchten vorne,... habe ich beim schnellen drüberlesen gelesen

Und die Aufmaschierenden bei der Direktorin haben es heruntergespielt, wir haben eh nichts gemacht, " "diese sehr deutliche Form der Klarstellung" sei notwendig gewesen – auch um den für Herbst geplanten Start vor Nachahmungstätern zu schützen."
"Nachsatz: "Wenn wir die Frau Direktor hätten einschüchtern wollen, hätten wir ein Disziplinarverfahren eingeleitet." Man werte ihre Aussage nämlich als "Aufforderung zum Gesetzesbruch". Ob Rollett überhaupt über die nötige Zahl an außerordentlichen Schülern verfüge, sei dafür irrelevant. Netzer glaubt, es handle sich bei ihrer Ankündigung um "Beamtenwillkür oder sogar Amtsmissbrauch". Trotzdem werde man kein Verfahren einleiten – "obwohl es möglich oder vielleicht sogar notwendig wäre""
-derstandard.at/2000083215589/Deutschfoerderklassen-Direktorin-will-sich-nicht-einschuechtern-lassen

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Irgendeiner
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Ja Sobotka darf, aber wenn ich einen Text von

den Schmetterlingen reinstelle erregt es Anstoß,wenn wer sein eigenes Traditionsgewand trägt ists ein Aufreger und man darf taulos das Kopftuch in voller kulturhistorischer Dummheit als nicht bodenständig bezeichnen,aber das Boot ist voll darf man propagieren,vor Kindern,es ist sobotkaesk.Ich bin aber ein böser Flüchtling, ich komme aus einer untergegangenen Zivilisation und ich werde mich hier eisern nicht integrieren.

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