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Zum AbschiedStrolz warnt: "Kurz-Inszenierung macht besoffen"

Der scheidende Neos-Chef teilte zum Abschied gegen Kanzler Kurz aus, dieser habe kein Geschichtsbewusstsein. Eine Rückkehr in die Politik schließt Strolz nicht aus.

MITGLIEDERVERSAMMLUNG NEOS MIT VERABSCHIEDUNG VON MATTHIAS STROLZ
© APA/GEORG HOCHMUTH
 

"Die ganze Republik ist besoffen von dieser Inszenierung. Die Menschen werden da mit einem riesigen Kater aufwachen." Matthias Strolz verabschiedet sich als NEOS-Chef im APA-Interview mit einem Rundumschlag gegen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er warnte davor, dass ÖVP und FPÖ "die Fundamente der parlamentarischen Demokratie aushöhlen".

"Die Art der Ignoranz", die Kurz und sein Vize Heinz-Christian Strache (FPÖ) an den Tag legten, "ist einzigartig". Sie hätten für eine Abkühlung der Zusammenarbeit im Parlament gesorgt, "die besorgniserregend ist", findet Strolz. Sie verstießen gegen alle Usancen und Spielregeln, das gehe an die Fundamente der parlamentarischen Demokratie. "Wenn das weiter so erodiert, steuern wir auf einen gewaltigen Konflikt zwischen Parlament und Regierung zu. Es kann sein, dass sie das tatsächlich wollen, weil sie das System bewusst unterhöhlen wollen. Aber wir werden mit aller Kraft dagegen halten, und es ist nicht so, dass wir nicht gehört werden", sagte Strolz. Kurz' Inszenierung sei so gut, dass sie blende. "Wenn wir nicht aufwachen in genügender Kraft und Zahl, werden wir aufwachen in der illiberalen Demokratie."

Kurz habe kein Geschichtsbewusstsein

"Kurz hat sich handwerklich grandios, aber brutal an die Macht geputscht. Er hat die alte Dame ÖVP frisiert, alle waren froh, weil die vorherige Frisur nicht mehr auszuhalten war." In der Regel sei es aber so, dass wer durch einen Putsch an die Macht komme, auch durch einen Putsch ende. "Das ist die Gesetzlichkeit der Geschichte. Die Revolution frisst ihre Kinder." Das sei Kurz aber nicht bewusst, weil er kein Geschichtsbewusstsein habe, "weil er einzig seinem Gott, der Optimierung huldigt", bemühte Strolz scharfe Worte. Was Kurz mache, sei vom Talent "einzigartig, aber seelenlos". "Es ist mein großer Schmerz, dass dieser Kerl mit seinen Talenten aus der Generation Erasmus, der der europäischen Integration so viel zu verdanken hat, die Idee der fortlaufenden europäischen Einigung so kaltschnäuzig unterhöhlt." Strolz ortet nach einem halben Jahr Kanzlerschaft bereits erste sichtbare Veränderungen bei Kurz: "Er hat in seinem Auftreten seine bisher vorgetragene, leicht gebückte Haltung abgelegt. Damit deutete er Demut an. Er ist jetzt durchgestreckt und in seiner Mimik blitzt gelegentlich eine Arroganz durch, die einem Sorge macht."

Die liberalen Kräfte organisieren sich jetzt auch auf europäischer Ebene gegen die "plumpen Nationalisten und Populisten, die jederzeit bereit sind, das europäische Miteinander zu zerstören, wenn es ihrer Machtlogik dient". Das werde auch immer mehr Menschen klar, "da kriegen immer mehr Menschen Angst". Angst sei aber in diesem Fall ein guter Ratgeber, "weil wir haben hier viel zu verlieren, nämlich unsere Freiheit, unsere liberale Demokratie".

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Wenn er Parteichef geblieben wäre, hätte er sich für weitere sieben Jahre verpflichten müssen, "an vorderster Front weiterzuziehen ohne Pause". "Dann wären meine Kinder komplett in der Phase groß geworden, wo ich Parteichef war. Da ist mir die Vaterrolle zu wichtig", erklärte Strolz weitere Beweggründe für seinen Rückzug. Die NEOS müssen sich jetzt vom Gründer emanzipieren. Das sei ganz wichtig für die Rolle, die die Partei in Österreich und Europa spielen solle. Eine Rückkehr in die Politik sei in einigen Jahren nicht ausgeschlossen. "Ich kann wieder irgendwo dazu stoßen, ohne dass ich hier aktuell einen konkreten Plan verfolge oder ein Kalkül habe. Auch schließe ich in den nächsten Jahren eine exponierte Führungsrolle aus."

Kommentare (31)
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WPHO68D6XTNU3K46
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Wie recht

er hat.

weinsteirer
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strolz...

tritt zurück und keiner weiss warum....
berechenbarkeit sieht auch anders aus!

hakre
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!

das hat strolz notwendig. er soll hingehen, wo der pfeffer wächst.

X22
1
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zu den Blauen, meinst?

.

alsoalso
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Kraftmaier

Traurig das ein angeblich Liberaler solche Kraftausdrücke wie "besoffen" verwendet.

Irgendeiner
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Er ist kein Liberaler,er ist Turbokapitalist

aber als Mensch steht er noch;und glaub mir Liberale nehmen sich selbst auch die Freiheit und verwenden noch ganz anderes, ich hätte vom Politdelir gesprochen,man lacht.

lieschenmueller
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Haha, wie hätten es feine Leute wie Sie denn gerne?

Beschwipst, leicht angeheitert?

Lodengrün
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Ja

wie lässt sich das sonst beschreiben. Hat man gestern Kickl gehört, sieht und hört man sich sonst die Truppe an möge man obiges annehmen oder jeden von denen zum Haartest schicken. Das dürfte aber wie bei Strache kein nahe stehender Polizeiarzt vornehmen.

Lodengrün
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Chapeau Herr Strolz, auf den Punkt gebracht

Dreht man den Ton beim Auftritt unseres Kanzlers ab (man versäumt nichts denn er betet jedes Mal das gleiche Thema) so wird bewußt das wir es mit einem Auftritt eines drittklassigen Schauspielers zu tun haben. Jeder halbwegs gute Regisseur würde das Gefuchtel und Gegrinse mit dem Ruf: "Hören Sie doch bitte auf zu outrieren" stoppen. Er ergeht sich dabei derart das er gar nicht Zeit findet über den Unfug der da passiert ernsthaft nachzudenken. Oder hat er gar nicht das Zeug das heraus zu finden.

zyni
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Nur eine kleine

Randgruppe glaubt Strolz. Waren es 5 % bei der letzten Wahl?

HPIK1RXCA6MZ63IL
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Herr Strolz hat recht!

Der urbane jugendliche Teil unserer Bevölkerung wächst faktisch mehrsprachig und weltoffen auf, ist bildungshungrig und setzt Initiativen und Innovationen. Demgegenüber konterkariert ein sich smart gebender junger Mann all diese Bemühungen und bedient Ressentiments bildungsferner, teilweise auch arbeitsscheuer Einheimischer. Dieses Anwanzen der Türkisen an diese Schicht ist für mich das Seltsamste und Schrägste, das ich in meinen vielen Lebensjahrzehnten erleben musste! Kurz und Co. sind unwählbar für jeden, der auch nur ein wenig Rückgrat und politischen Anstand hat.

A6TLUK0I30K939HI
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Vorbehaltlos richtige Interpretierungen und Auffassungen,

jedoch kann anscheinend den Visions- und Meinungslosen unterbemittelten keiner richtig nahebringen welche Lawine sie da losgetreten haben bei den Wahlen.
Das ich seit weit mehr als einem halben Jahrhundert auf dieser Welt so etwas erlebe ist für mich nahezu die Warnstufe rot, ich hoffe nur das die Einsicht und das die Gewissensbildung samt Aufarbeitung der Geschichte einen Fortlauf nimmt, sich diese gewissen Leute mal an kräftigst der Nase packen und einsehen was sie damit angerichtet haben durch die Wahl sowie Unterstützung solcher Personen.

5LIA29P0DGLJS4FT
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@gebur

Hab mich grad verdrück - sorry - natürlich haben Sie absolut recht und ich drücke sinnbildlich 10 x grün

scionescio
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Ich war nicht immer ihrer Meinung, aber in diesen Punkten stimme ich ihnen vorbehaltlos zu ...

... ihr Abgang ist ein Verlust für das Parlament.

voit60
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Herr Strolz

In diesen Zeiten hätten sie die Pflicht weiter im Parlament zu bleiben. Hauptsächlich wegen Ihnen würden die Beiden gewählt. Diese verdammte Regierung braucht eine gute Opposition.

Planck
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Der Strolz kennt den Kurz gut,

die waren lange im selben Stall.
Und was er sagt, ist absolut richtig: Es steht nicht mehr und nicht weniger auf dem Spiel als unsere Freiheit und unsere liberale Demokratie.

Kunierer
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Gekauft von der Industrie

und als Marionette der Freiheitlichen will er Österreich seinen Stempel als großer Veränderer aufdrücken. Geht aber nicht so, er wird eines Tages selber verändert aufwachen.

Apulio
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Hoffentlich

bald

sg70
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Stimmt,

die Opposition ist tot (oder wird von den Medien vielleicht totgeschwiegen, ich weiß es nicht) und der einzige, der noch Klartext redet, privatisiert sich demnächst. Macht alles in allem keinen guten Eindruck.

lieschenmueller
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sg70

Das kommt wirklich so rüber. Mitgliederbefragungen gut und schön, aber man muss der eigenen Partei abseits von dieser auch oder gerade in der Opposition Profil geben und seinen Wählern das Gefühl, man sei zumindest vorhanden. Bei einem anderen Artikel hier komme ich nicht rein wegen plus, aber die Aussage von dieser Ministerin mit der Freiwilligkeit ist lachhaft. Aber gut, auf was die sagt, ist ohnehin null verlass wegen ihrer dauernden Umfaller. Ich greife mir aber auch auf den Kopf wegen der Slogans und Bilder der Gewerkschaft. Mit "Werkl zudrehen" oder Fotos mit geballter Faust zu Dritt, sagt mal, geht's noch? Ihr werdet gebraucht mehr denn je, und dann solche Auftritte? Man sollte annehmen, das sei alles durchdacht und abgesprochen mit Profis, aber bei mir lösen solche Aussagen und Bilder Kopfschütteln aus und sonst nichts. Und dabei bin ich denen wohlgesinnt.

notnaa
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lieschenmueller

erstens zu Strolz, seine Partei ist weder in ganz Österreich in den Landtagen gewählt und in der Bundesregierung auch nur eine 5% Partei. Also ein kleiner Zahn in der Bundesregierung und kann sich nur Durch Kraftausdrücken bemerkbar machen, Lösungen hat er keine gebracht und hofft nur auf Brüssel das in 3 Jahren nicht mal die Flüchtlingslösung auf die Reihe gebracht hat. 12 Std. war für mich ganz normal im Krankenpflegeberuf als Dipl. Pfleger und da hat sich bis heute kein Mensch auch nicht die Gewerkschaft drum gekümmert. Hat Zeiten gegeben mit 12 Nächte in einem und es hat kein Hahn gekräht außer die Pat.. das aber 365 Tage im Jahr am Tag mit 2 Dipl. und 3 Pflegehelfer in der Nacht zu zweit 1 Dipl. und einem Pflegehelfer mit der gleichen Patientenzahl. Für uns sind Feiertage normal Arbeitszeit ohne Streikrecht, oder können sie sich vorstellen das ein KH für den Streik zusperrt. Also die Gewerkschaft kümmert sich diesen Arbeitsbereich der sowieso durch Betriebsvereinbarungen geregelt sind. Sich wichtig machen um Mitglieder zu sammeln und dann auch noch zwei drei Einkommen haben. der liebe Hr. Katzian kassiert als Nationalratsabgeordneter in der Gewerkschaft und wahrscheinlich auch noch im Beruf und will für kleine Leute reden, ist ja nicht der Einzige. Also weiß nicht warum um das ganze so ein Aufsehen gemacht wird und würde ein anderer den Begriff besoffen verwenden würde, nehmen wir mal an die Freiheitlichen, was würde das für eine Aufregung hervorrufen.

lieschenmueller
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@notnaa

Ungewöhnliche Arbeitszeiten sind in unserer Familie seit Jahren Usus. Aber diese Zeiten sind gut bezahlt, der Ablauf bekannt - also nichts mit heute kann man früher gehen dafür morgen länger - man braucht nicht Springen wie es der Chef will und freiwillig zähneknirschend zustimmen. Dass es in verschiedenen Berufen keinen 8-Stunden-Tag und freie Wochenenden gibt, dazu hätte ich Sie jetzt nicht gebraucht, notnaa. Mit solchem Wissen ist man nämlich schon in den frei gewählten Beruf eingestiegen und nicht zwangsbeglückt von dieser Regierung dorthin gedrängt.

sg70
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Naja,

die Gewerkschaft ist ein Privatverein, da sind alle Parteien vertreten, die wenigstens das tun was sie sollen, nämlich für ihre Mitglieder kämpfen. Aber offenbar hat heut jeder Angst, dass er nur dann mediale Aufmerksamkeit kriegt, wenn er die Dinge möglichst kantig rüberbringt, zuspitzt und übertreibt.
Die glauben wahrscheinlich, dass sie damit auch gut fahren, so wie die Regierung, die machts ja vor in der Asylfrage, aber der Slogan "Taskforce Asyl" kommt halt bei den Leuten an, "Werkl zudrehn" nicht. Übertrieben ist beides, die einen reüssieren und finden damit Anerkennung bei den Leuten, die anderen nicht.

Aber die Opposition tut eben nicht das, wofür sie gewählt wurde, die haben sich offensichtlich ins Nirwana verabschiedet, zumindest hört und sieht man nix. Strache hatte in der Opposition an einem Tag oft mehr Schlagzeilen als die jetzigen 3 Oppositionspartein in einem Monat und wenn dann gehts meist um Interna.
Eine Demokratie degeneriert und impotent. Und ein ganzes Volk schaut Fußball-WM dazu.

lieschenmueller
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@sg70

Genauso sehe ich das auch. Leider.

voit60
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Lieschen

der Artikel mit der peinlichen Frau Klein (den ersten Namen erspar ich ihrem seit längerer Zeit geschiedenen 1. Mann, der ein sehr erfolgreicher Spitalsmanager in Graz ist) kannst dir sparen, zeigt nur einmal mehr, wie herzlos diese Frau ist.

BernddasBrot
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Eine blutleere türkise Marionette

der Industriellen-Vereinigung schlägt alle Türen zu und spaltet bewusst Land und Leute.......( so habe ich den Klartext seiner Aussage verstanden , wenn ich mich nicht irre )...

 
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