FPÖ-HistorikerkommissionWilhelm Brauneder soll SoKo "Parteigeschichte" leiten

Die Entscheidung fiel gestern, heute gab die FPÖ bekannt, dass der Jurist und Ex-Politiker Brauneder eine Kommission zusammensetzen soll.

Strache, Hofer, Vilimsky auf dem Weg zum Parteivorstand
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Am Montag Abend hat der FPÖ-Vorstand entschieden, wer der Historikerkommission angehören soll, die die Geschichte des "Dritten Lagers" in Österreich durchleuchten soll. Heute Vormittag gaben Landesparteiobmann Walter Rosenkranz, FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und FPÖ-Klubchef Johann Gudenus das Ergebnis bekannt.

Unter dem Eindruck des NS-Liederbuchskandals in Burschenschaft Germania hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erst kürzlich auch im Interview mit der Kleinen Zeitung für die Einsetzung einer solchen Historiker-Kommission plädiert. Diese sollte die Geschichte des Dritten Lagers „aufarbeiten“ und sich „schonungslos mit den Fehlern der eigenen Vergangenheit“ auseinandersetzen. Das sei ihm ein „ehrliches und aufrichtiges Anliegen“, versicherte der Vizekanzler im Gespräch.

Schlüsselrolle für Lothar Höbelt?

Wie schonungslos die eigene Vergangenheit aufgerollt wird, bleibt abzuwarten. Dem Vernehmen nach soll der FPÖ-nahe Historiker Lothar Höbelt eine Schlüsselrolle spielen. „Höbelt ist eine ambivalente Figur“, kommentiert der Historiker Dieter Binder, der sich mit der Historie der Korporationen eingehend befasst hat, das Gerücht. „Höbelt kann exquisit wissenschaftlich arbeiten. Wenn er sich von der Partei einspannen lässt, ist es nicht viel mehr als eine Beruhigungspille.“

Weniger drastisch formuliert es ein anderer Zeithistoriker, Stefan Karner. „Die Kommission sollte personell breit aufgestellt sein und wissenschaftlich alle Freiheiten besitzen.“ Karner spricht sich dafür aus, dass „aktuelle Fragestellungen“, wie etwa der Einfluss der Burschenschaften auf die FPÖ, die Netzwerke des Dritten Lagers, das Verhältnis zum Verbotsgesetz, das Bekenntnis zur deutschen Kulturgemeinschaft oder auch das Liedgut „mit historischem Rückbezug bearbeitet“ werden. Binder wirft auch „die Frage des Antisemitismus in Kombination mit der latenten Neigung des Dritten Lagers zu Verschwörungstheorien“ auf.

FPÖ-Historikerkommission

 Ein oder zwei Jahre Arbeit

Für eine seriöse Aufarbeitung der blauen Vergangenheit veranschlagt Karner ein Jahr, Binder zwei Jahre. „Die Kommission sollte eine vernünftige Diskussionsgrundlage vorlegen, wobei entscheidend ist, dass sie personell nicht als Feindbild eingesetzt wird und von der Autorität und den analytischen Fähigkeiten der Forscher getragen wird“, so Binder.

Historikerkommissionen haben in Österreich eine lange Tradition. 1998 setzte die Große Koalition eine Kommission ein, die die Grundlage für die umfassenden Restitutionen lieferte. Die aus internationalen Forschern gebildete Waldheim-Kommisson fand keine Belege für eine Verwicklung des damaligen Präsidenten in NS-Verbrechen, räumte aber ein, dass Waldheim seine eigene Biografie geschönt habe. Michael Jungwirth

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Mein Graz
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Copy & Paste von "Die Presse":

"Wilhelm Brauneder soll die Kommission leiten, kündigte Vilimsky an. Der 75-jährige emeritierte Professor für Rechtswissenschaft saß in den 90ern für die FPÖ im Parlament und war Dritter Nationalratspräsident. Ihm stehe es frei, "in einem Hearing-Prozess" auch andere Experten einzubinden, ergänzte Walter Rosenkranz, Obmann der niederösterreichischen FPÖ. Brauneder stehe es frei, aus einer Liste mit 30 bis 50 nationalen und internationalen Experten auszuwählen. Jedenfalls aber solle das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) "mit seinen Vorbehalten" eingebunden werden.

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Mein Graz
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FF

Neben der Historikerkommission soll es auch eine blaue Koordinierungsgruppe geben, die den Prozess "begleitet und steuert". Dieser sollen angehören:

der freiheitliche Ehrenobmann Hilmar Kabas,
Volksanwalt Peter Fichtenbauer (Mitglied bei der Ferialverbindung Waldmark),
die ehemalige ÖVP- und nunmehrige FPÖ-Funktionärin Ursula Stenzel,
die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller (Mitglied der Mädelschaft Iduna),
Bundesparteiobmann-Stellvertreter Harald Stefan (Mitglied der Burschenschaft Olympia),
Norbert Nemeth, Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs (und wie Stefan Mitglied der Burschenschaft Olympia),
der Vorarlberger Abgeordnete und Teutonia-Wien-Burschenschafter Rainhard Bösch sowie
der freiheitliche Publizist Andreas Mölzer (selbst kein Burschenschafter, aber Mitglied der Corps Vandalia zu Graz).
Begründet wurde die Wahl der Mitglieder durch Vilimsky damit, dass die Genannten "ein breites Abbild der Partei" darstellen - und "nicht im operativen Tagesgeschäft an der Spitze" stünden. Allerdings: "Sie sind besonders in die Partei eingebettet."

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create
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Wozu??

Rausgeschmissenes Geld! Wieder zu Lasten der Steuerzahler? Vielleicht sollte Hr Strache mal in sich gehen und sich fragen, ob es mit parteiinternen Maßnahmen nicht getan wäre, sprich definitives Lossagen und Loslösen vom braunen Sumpf, ohne Wenn und Aber?
Wie "schonungslos" soll das durch eine FPÖ-nahe Kommission "aufgearbeitet" werden? Der Sinn dahinter erschließt sich mir im Allgemeinen nicht!

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umo10
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FPÖ in der Regierung

Das positive an der Regierungsbeteiligung der FPÖ ist, dass jetzt der rechte Rand aufgearbeitet wird!

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Mein Graz
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@umo10

Es ist jetzt 13:05 Uhr, träumst du noch?
Bitte rasch aufwachen!

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sapientia
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Man kann es nicht oft genug sagen:

Das Einsetzen einer "Historikerkommission" als Antwort auf die letzten Ereignisse in der FPÖ ist reine Augenauswischerei!
Was soll denn da herauskommen?
Die "offizielle" Version der FPÖ, dass sie nur den "braven und fleißigen Österreichern" zugetan ist und war, dass sie immer für die EU und die österreichische Nation ist und war, dass sie mit Antisemitismus niemals etwas zu tun hat und hatte, all das wissen wir seit Jahrzehnten.
Aber wie jede Partei besteht auch die FPÖ aus handelnden Personen, den Politikern in den Gemeinden, in den Bundesländern und auf Bundes-Ebene.
Und wir wissen auch, dass diese immer wieder in zahllosen "Einzelfällen" gegen die veröffentlichte "offizielle" Version verstoßen.
Man muss sich nur an Plakat-Aktionen, Ascher-Mittwoch-Reden, die Kickl-Sager, Burschenschafter-Ausrutscher, Verschwisterungen mit rechtsradikalen EU-Parteien, usw, usf, der letzten Jahrzehnte, von der Haider- bis zur Strache-Ära, erinnern, um zu erkennen, welcher "Denke" und welchen Geistes die "gelebte" Version der FPÖ war, ist, und mit allergrößter Sicherheit auch in Zukunft sein wird.
All das wird man nun in den Ergüssen der "Historikerkommission" vergeblich suchen! Nein, sie wird also die "demokratischste Partei ever" präsentiert werden, weil sie den gravierenden Unterschied zwischen parteipolitischer Theorie und individueller Politiker-Praxis nicht herausarbeiten wird.

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umo10
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Nomen est omen

Hahaha, hihihi
Ich halt’s nicht aus :-)

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gg288ai
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Welch Augenauswischerei ...

... sind doch all die jämmerlichen, sich selbst entlarvenden Versuche der FPÖ, den historischen Tatsachen, die in vielerlei Hinsicht leider keine aufgearbeitete Vergangenheit, sondern traurige Gegenwart sind, wirklich in die Augen zu schauen! Da hilft schon gar nicht eine von Herrn Brauneder (!!!) koordinierte/geleitete oder wie auch immer Historiker-Kommission. Ein Schelm, wer Böses denkt.

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tannenbaum
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Nur gut

dass heute Faschingsdienstag ist. Da lässt sich die Zusammensetzung noch halbwegs erklären.

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Geerdeter Steirer
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Rechtzeitig zum Faschingsdienstag!


"Im Koordinierungsausschuss werden unter anderen Ex-FPÖ-Klubchef Hilmar Kabas, Ursula Stenzel und Andreas Mölzer sitzen."

Ernsthaft ?
Wenn die FPÖ das nicht komplett externalisiert, taugt das nur für einen schlechten Witz, bei dem das Ergebnis schon vor der konstituierenden Sitzung feststeht !
Das ist alles ja nur ein Beweis dafür, dass die FPÖ ein in ihrer Essenz unhinterfragt undemokratischer Haufen ist.

Hoffentlich zu 100% aus der Parteikassa finanziert.

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Lodengrün
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Herr Strache

soll einmal selbst seine Vita anschauen. Dafür braucht er keine Historikerkommission die kann er bei Wikipedia nachlesen.

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umo10
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Nomen est omen

Hahaha, hihihi
Ich halt’s nicht aus :-)

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Geerdeter Steirer
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?????

Na dann wissen wir wenigstens jetzt schon, wie das Ergebnis ausfallen wird, allfällige unpassende Texte im Bericht werden gewissenhaft geschwärzt !

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spotzibaer
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Nur

mehr lächerlich dieses Schauspiel. Mit welchem blauen Unsinn werden wir uns wohl als nächstes beschäftigen (gestern Kosovo, heute Kommission, morgen Kickl? - hier besteht extrem großes „Potential“)

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Lambo99
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Der Name für diese Kommission ein Omen

Brauneder zur Aufarbeitung der braunen Vergangenheit der FPÖ und Burschenschaften... irgendwie passend.... ;-)))

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ramba zamba
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wenn

die offensichtliche Lüge zur gesellschaftlichen Wahrheit wird........oder das blaue vom Himmel erzählen...

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Bowhunter unlimited
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Was wird herauskommen?

Die FPÖ war und ist eine friedliebende Partei, die immer und ausschließlich das Wohl der Bürger und sozialen Frieden im Sinn hat.
Die Erde ist eine Scheibe und Mutter Theresa war ein Warlord.

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fersler
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noch

so viele kommissionen werden die braunen 'einzelfälle' auch zukünftig nicht verhindern können.

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Bowhunter unlimited
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Im Hintergrund

hat die FPÖ sicher drei wesentlich bessere Historiker am Arbeiten:
John Gudenus
Gottfried Küssel
Franz Radl

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max13
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Diese Frage stellt sich nicht.

Im erlauchten Kreis der Gutachter wird hölbelt und Sohn,und Mölzer samt Nachkommen die speerspitze stellen.
Herauskommen wird nichts.

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Lodengrün
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Man kann die Vergangenheit

anschauen, kritisieren und alles mögliche erfahren und ableiten. Die Gegenwart und das was darin gärt wird sich nicht bessern. Ein Eustacchio und ein Herr Kickl werden weiterhin zu den Treffen der Identitären (Wikipedia: ......und strebt die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft von äußeren Einflüssen an, die als „fremd“ oder gar „feindlich“ definiert werden) fahren.
Ich hoffe sehr das diese Historikerkommission aus der FPÖ Parteiensubventionierung bezahlt wird denn es ist ausschließlich ihre Angelegenheit.

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tannenbaum
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Hoffentlich

wird für diesen nutzlosen Schwachsinn kein Steuergeld verschwendet! Bis diese angebliche Kommission etwas liefert, hat sich diese kleine Koalition längst selbst in die Luft gesprengt!

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styrianprawda
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@tannenbaum

Aber selbst dann zahlen die SteuerzahlerInnen, denn das Geld für die Parteienförderung fällt ja auch nicht vom Himmel.

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Geerdeter Steirer
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Genau so schaut's aus,

die sollen diesen Schwachsinn aus ihrer parteiinternen Kassa berappen und sollen ja nicht auf die Idee kommen Steuergeld zu verheizen !
Herauskommen wird wahrscheinlich eh nur das was sie gerne hören möchten die Medien und Geltungssüchtigen Bläulinge !

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