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70. JAHRESTAG

"Wir waren nicht mehr Nummern, sondern Namen"

Mit einem Staatsakt hat die Bundesregierung die Befreiung Österreichs von der Nazi-Herrschaft gefeiert. Einer der Überlebenden, der 102-jährige Marko Feingold, hielt eine berührende Rede.

STAATSAKT ANL. 70 GEDENKTAG ZUR BEENDIGUNG DES ZWEITEN WELTKRIEGES: FEINGOLD / FAYMANN
STAATSAKT ANL. 70 GEDENKTAG ZUR BEENDIGUNG DES ZWEITEN WELTKRIEGES: FEINGOLD / FAYMANN © (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
 

Mit einem Festakt im Bundeskanzleramt hat die Regierung Freitagmittag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht. "Wir verneigen uns heute vor all jenen, die Österreich befreit haben" und vor allen Österreichern, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden, erklärte Bundeskanzler Werner Faymann in seiner Ansprache

.Am 8. Mai vor 70 Jahren habe der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Europa geendet. Der 8. Mai sei zugleich ein Ende und ein Anfang, erklärte Faymann. Es sei das Ende von Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung gewesen, das Ende der Ausbeutung von Millionen Zwangsarbeitern. Mit dem Verfassungsgesetz über das Verbot der NSDAP sei ein Trennstrich zum Nationalsozialismus gezogen worden. Gleichzeitig war der 8. Mai für Österreich ein Anfang, ein "Tag der Befreiung", und Österreich konnte als Demokratische Republik wieder auferstehen.

Nach Kriegsende seien viele Konsequenzen gezogen worden, die Auseinandersetzung mit der Geschichte sei aber zum Teil nur zögerlich erfolgt, räumte Faymann ein. Die "unvorstellbaren" Opfer der Juden, Roma und Sinti sowie vieler anderer werde "unsere Generation nie richtig begreifen können", er zeigte sich aber dankbar gegenüber den Zeitzeugen, dass sie ihre Kraft und ihre Erzählungen in die öffentliche Diskussion, auch in den Schulen, einbringen. Es gebe viele engagierte Lehrer, es sei aber notwendig, auch in Schulen, in denen die Zeitzeugen nicht eingeladen werden, die Diskussion zu führen, so der Kanzler. Für eine "umfassende Aufarbeitung" ist es "nie zu spät", erklärte er.

Mit seiner Erzählung ließ der Zeitzeuge Marko Feingold die Gäste des Festakts an seinen Erinnerungen teilhaben. Er war in mehreren Konzentrationslagern und wurde aus Buchenwald schließlich am 11. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Er betonte in seiner Gedenkrede, dass es sich um keine "Selbstbefreiung" gehandelt habe. Im KZ Buchenwald seien 500 Österreicher untergebracht gewesen, so Feingold: "Täglich wurde die Population im Lager kleiner und kleiner." Nach qualvollen Jahren, in denen man morgens nicht gewusst habe, ob man am Abend noch lebt, sei schließlich die Befreiung gekommen. Nun konnte man sich frei bewegen, bekam mehr zu essen: "Wir waren nicht mehr Nummern oder Juden, sondern wir waren wieder Menschen geworden."

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner stellte in seiner Ansprache fest, dass der 8. Mai jahrzehntelang als ein Tag der Niederlage gegolten habe. "Warum hat es so lange gedauert?", fragte er sich und zitierte den früheren deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: "Sich wahrheitsgemäß zu erinnern, tut oft weh." Je länger man aber die Aufarbeitung nicht wahrnehme, umso mehr verblassten die Erinnerungen und würden schmerzhafte Teile weggelassen, so Mitterlehner. Die authentischen Informationen von Zeitzeugen seien daher wichtig. Die "beste Antwort auf die Schreckensherrschaft" und den Zweiten Weltkrieg sei in Europa sicher die Gründung der EU gewesen, stellte der Vizekanzler weiters fest.

Mitterlehner sprach auch den aktuellen Wahlkampf in der Steiermark an, wo die FPÖ gegen den Bau von Moscheen auftrete und dies plakatiere: "Es beginnt mit der Sprache. Zuerst kommt das Wort, dann die Tat." Bei Grenzüberschreitungen müsse man sich trauen, diese zu benennen. "Werden damit nicht Vorurteile geschürt", und Gruppen gegeneinander ausgespielt, mahnte der ÖVP-Obmann und meinte: "Urteilen Sie selbst."

Das Bundesheer hat am Freitag mit einer Mahnwache beim Äußeren Burgtor der Opfer gedacht. "Wir feiern heute die Befreiung vom NS-Regime und damit das Ende einer Terrorherrschaft. Dabei ist es aber auch wichtig, nicht auf die Opfer zu vergessen, für die diese Befreiung zu spät gekommen ist", erklärte Verteidigungsminister Gerald Klug in einer Aussendung.

Abends laden die Wiener Symphoniker, wie schon seit mehreren Jahren, zu einem Gratis-Festkonzert auf den Heldenplatz. Auch hier werden wieder Bundespräsident Fischer, Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Mitterlehner sprechen, dazu noch Wiens Bürgermeister Michael Häupl und der Präsident des Mauthausen-Kommittees, Willi Mernyi. Dieses Konzert wird auf ORF III live übertragen.

Kommentare (13)

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b494d19d2d9606c4615a3f58cd432ca4
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Wie verlogen doch das Ganze ist

Da holen die Sozen die National-S..isten ins Land und 70 Jahre und Millionen von Toten später, stellen sie sich in die 1. Reihe und machen einen auf Betroffen.

b0bb5c3a15b0f4b13d2ae638f765eacf
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AGB

lern Geschichte. Aber da das mühsam ist versuch einfach Sozialdemokraten oder Sozialisten fehlerfrei zu buchstabieren.

b494d19d2d9606c4615a3f58cd432ca4
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Beobachter

und deswegen ist das alles auch nicht wahr....

b494d19d2d9606c4615a3f58cd432ca4
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Karl Renner war Mitglied welcher Partei?

@Beobachter: leg dein geschichtsbuch kronenzeitung weg und nimm was ordentliches!

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Anstatt in positiven Erinnerungen von Ereignissen vor 70 Jahren zu schwelgen,

sollte darüber nachgedacht werden, daß der heutige Kriegszustand immer näher kommt und die negativen Ereignisse, die dazu führen, ignoriert werden. Auch so war es damals. Man hat das Schlechte ignoriert und nicht ernst genommen, bis es mit voller Wucht eingeschlagen ist. Ich hoffe, man agiert dieses Mal früher.

b0bb5c3a15b0f4b13d2ae638f765eacf
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tut man eh

soweit wirtschaftlich opportun wird appeasement Politik bei Putins Russland vermieden.

pescador
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Was hilft das Feiern, wenn wir aus vergangenen Kriegen nichts lernen. Man muss nur ein paar hundert Kilometer Richtung NO gehen um zu sehen, dass auch heute noch in unserer unmittelbaren Nähe Kriege möglich sind. Wir sollten endlich begreifen, dass aus einem Krieg nur Verlierer hervorgehen. Nichts rechtfertigt das unermessliche Leid und Leiden, das ein Krieg mit sich bringt. Das müssen wir aus vergangenen Kriegen lernen und unseren Kindern weitergeben.

b494d19d2d9606c4615a3f58cd432ca4
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@pescador: das kann ich nicht unterstreichen

Leider ist mein Eindruck der, dass nach einem Krieg ein Erneuerungsprozess eintritt, der zur positiven Entwicklung beiträgt.

Ich meine mittlerweilen, es wird immer Kriege geben.

pescador
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Re: @pescador: das kann ich nicht unterstreichen

Erneuerung auf Kosten unschuldiger Kinder, Frauen und Männer? Erneuerung zum Preis unbescheiblicher Kriegsverbrechen? Auf diese Erneuerung kann ich verzichten. Denken Sie einmal gründlich nach was sie da schreiben.

KarlZoech
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@ pescador: Genau so ist es!

Dazu ein Satz von Karl Kraus:

"Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, dass es einem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht und hernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht."

7a32d7e99e55a18f79eba8c69bd520ad
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Bei aller Freude über 70 Jahre Frieden:

die Österreicher waren damals mit so einem Feuereifer bei der Sache, daß sogar hartgesottene in der Führungsriege erschrocken waren.
Auch heute - da bin ich mir sicher - würden sehr viele wieder Superna. z i.s ergeben.

b494d19d2d9606c4615a3f58cd432ca4
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@Princi: was du doch für einen Schwachsinn schreibst

Glaubst du ernsthaft ein Urteil abgeben zu dürfen, gegen einen Menschen der in einer Zeit gelebt hat, die du dir nicht mal im Traum vorstellen kannst?

Aussenstehender
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Auch heute

Auch heute, sicher. Es ist eine Form von Patriotismus die rücksichtslos egoistisch ist und "über Leichen geht", wahrscheinlich ohne zu realisieren dass sie das im wörtlichen Sinne wirklich tut.