"Versuchen wir weniger miteinander zu streiten und mehr einander zuzuhören, beginnen wir miteinander zu reden", erklärte das künftige Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen in seiner ersten Rede nach der Wahl. Diese hält er übrigens für ein Zeichen, das über Österreichs Landesgrenzen hinaus wirkt. Es sei ein "rot-weiß-rotes Signal" in die Hauptstädte und Dörfer Europas gesendet worden, dass eine Politik des Miteinander nicht nur Sinn habe, sondern auch zum Erfolg führen könne.

Nach seinem Dank, der sich nicht nur an die eigenen, sondern explizit an alle Wähler - und auch an sein Team und seine Unterstützer - richtete, sprach er auch seinem Konkurrenten Hofer seinen Respekt aus. An die Wähler des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer gerichtet sagte Van der Bellen: "Ich möchte ausdrücklich sagen, dass ich allen Wählern, die Hofer gewählt haben, sozusagen die Hand reiche und verspreche, dass ich Bundespräsident aller Österreicher und Österreicherinnen sein werde - ob sie mich gewählt haben oder nicht."

"Keine Spaltung in alle Ewigkeit"

Von "Spaltung" wollte er nicht reden, vielmehr habe die hohe Wahlbeteiligung von 74,2 Prozent gezeigt, dass den Menschen diese Wahl wichtig sei. Und selbst wenn es eine solche Spaltung gebe, dann müsse diese nicht "in alle Ewigkeiten" bestehen bleiben. "Ich möchte weiterhin das Gemeinsame suchen, das Gemeinsame vor das Trennende stellen." Er stehe für wohl überlegte Entscheidungen und nicht für "Entscheidungen aus der Hüfte", sagte Van der Bellen.

Nachdenken über Gesprächskultur

Gleichzeitig betonte Van der Bellen aber auch, dass die Auseinandersetzungen dazu Anlass sein sollten, einmal über die Gesprächskultur im Land nachzudenken. Das gelte für Journalisten ebenso wie für alle anderen, die sich öffentlich, speziell in sozialen Medien äußerten.

Er selbst will "verbindlich ins Innere" agieren und Österreich best möglich im Ausland vertreten. Sein ganzes Gewicht will das neue Staatsoberhaupt in die Waagschale werfen, um ein Zusammenrücken Europas zu ermöglichen. Mitwirken will er an einer echten Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie daran, dass die Kinder im Land in Frieden und Freude aufwachsen können.

Schweigen bis zur Angelobung

Mit öffentlichen Äußerungen will sich Van der Bellen zunächst zurückhalten, konkret bis zu seiner Angelobung am 26. Jänner. Bis dahin sind freilich vielfältige Treffen eingeplant. Besprechen will sich der Präsident in spe dabei nicht nur mit der Regierung, sondern auch mit Landeshauptleuten, Bürgermeistern, Gewerkschaftern, Bauernvertretern, Wirtschaft und Industrie sowie mit Repräsentanten der Kirchen.