Petr Pavel (61), früherer Generalstabschef der tschechischen Armee und später erster Osteuropäer auf einem Führungssessel der Nato, wird auf der Prager Burg einziehen, dem Amtssitz des tschechischen Staatsoberhauptes.

Pavel brachte seinem Rivalen, dem Multimilliardär, erfolgreichem Geschäftsmann und früheren Prager Regierungschef, Andrej Babis (69), eine deutliche Niederlage bei. Pavel vereinigte 58,3 Prozent auf sich. Auf Babis entfielen 41,7 Prozent der Stimmen.

Pavel hatte die erste Runde mit acht Kandidaten knapp gegen Babis gewonnen. In der zweiten Runde baute er diesen Vorsprung erheblich aus. Er rief alle Tschechen auf, die Gesellschaft wieder an Werten zu orientieren und die Gräben zu überwinden. „In dieser Wahl haben Wahrheit, Würde und Respekt gewonnen“, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger.

Partner irritiert


Für Babis ist es die schwerste persönliche Niederlage bisher. Zuletzt hatte er mit seiner liberal-populistischen Bewegung ANO die Parlamentswahlen und die Senatswahlen verloren. Babis verlor überall, in den Dörfern und kleinen Orten ebenso wie in den mittelgroßen Städten und in den Großstädten. Für einen internationalen Skandal hatte Babis gesorgt, als er die Einhaltung der Bündnisverpflichtungen Tschechiens innerhalb der Nato gegenüber Polen und den baltischen Ländern infrage stellte. Er würde keine Soldaten in diese Länder schicken, wenn sie von Russland überfallen würden, sagte er. In Warschau und den Hauptstädten des Baltikums reagierte man darauf irritiert.

Sachlich und ruhig

Pavels großes Plus: Er enthielt sich, ganz im Gegensatz zu seinem Gegner, überschäumender Emotionen, äußerte sich sachlich und ohne verbale Ausfälle gegenüber Babis. Das hat die aufgeheizte Stimmung gegen Ende des Wahlkampfes beruhigt. Das Ausland, so Politologen, werde die Wahl von Pavel mit Erleichterung aufnehmen, weil mit ihr die Westverankerung Tschechiens eindeutig bestätigt werde.