Ende der Sowjetunion Zeitzeuge Jack Matlock: "Die Schlüsselrolle beim Zerfall spielte Jelzin"

Interview: Vor 30 Jahren geschah das bis dahin Undenkbare: Die Sowjetunion zerbrach. Hier spricht Jack Matlock, der letzte US-Botschafter im kommunistischen Moskau, über die Gründe, warum das Riesenreich unterging.

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BIO-GORBACHEV-LENIN
Kiew, 1991: Und dann, plötzlich, war das Sowjetimperium Geschichte © AFP via Getty Images
 

Sie waren von 1987 bis 1991 US-Botschafter in der Sowjetunion, kamen also fast ein Jahr nach dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow nach Moskau. Wie war die Lage damals?
JACK MATLOCK: Wir hofften, dass die von Gorbatschow angekündigten Reformen funktionieren würden. Wir hatten eine Agenda, die keine Kapitulation erforderte, sondern Vereinbarungen im beiderseitigen Interesse. Und so begannen wir in der Außenpolitik immer mehr zu erreichen. Sicherlich haben wir bis 1991 die Befreiung der drei baltischen Länder stark unterstützt. Wir hofften, dass Gorbatschow in der Lage sein würde, eine freiwillige Föderation zu gründen. Präsident Bush hielt am 1. August 1991 eine Rede in Kiew, in der er der Ukraine und den anderen nichtrussischen Republiken, abgesehen von Estland, Lettland und Litauen, empfahl, einem Vertrag über die Union von Gorbatschow beizutreten. Dieser Appell stieß auf taube Ohren. Das konnten wir nicht kontrollieren. Aber wenn heute zu viele sagen „Oh, wir haben den Kalten Krieg gewonnen“, dann denke ich mir: Nein, wir haben ein Ende des Kalten Krieges ausgehandelt, was genauso im Interesse der Sowjetunion war.

Kommentare (2)
sakh2000
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Meine Gattin hat damals als Studentin

den Verfall der UdSSR hautnah miterlebt. Zu Herrn Jelzin hat sie nur eine einzige Meinung. Er war ein Alkoholiker wie er im Buche steht, der nicht wußte was er tat. Seine beste Entscheidung war es die Macht an Putin zu übergeben.

CuiBono
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@sakh2000

Ich war damals die Jahre in Moskau und habe das Ende der SU erlebt.
Jelzin war damals der Fels in der Brandung, der höchst wahrscheinliches immenses Blutvergießen durch sein couragiertes Auftreten verhindert hat.
Möge die Erde ihm eine leichte sein!

Ihre Gattin möge bitte nochmal in sich gehen.
Und sich vielleicht kundig machen.

Darüber, wie Jelzin von KGB-Strippenziehern diskreditiert wurde und ihm ständig Prügel in seine Politik geworfen wurden. Solange, bis er menschlich nicht mehr in der Lage war, dem immensen Druck Stand zu halten.

Dass Jelzin nicht erkannt hatte, welch Kuckucksei ihm mit Putin unter gejubelt wurde, ist zum geringen Maße einem persönlichem Defizit geschuldet, aber um so mehr das erste konkret sichtbare Ergebnis einer rückwärtsgewandten KGB-SU-Klüngelei im Hintergrund.

Ein Projekt, das unvermindert - und wie man sieht sehr erfolgreich - anhält.

KGB=Putin=FSB=SU Wiederauferstehung=RF-aktuell.
Wahrlich eine Demokratie mit Wohlstand und garantierten Freiheiten für das Volk, Regimekritiker und Dissidenten eingeschlossen.
Und ein Hort vertrauenswürdiger Führer mit denen wir / der Westen absolut zuverlässige Geschäfte machen können.

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