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Budimir LončarJugoslawiens letzer Außenminister über den Zerfall: „Die Konflikte waren zu weit gediehen“

Budimir Lončar war der letzte Außenminister Jugoslawiens. Hier erinnert sich der heute 97-Jährige daran, wie das Ende des Vielvölkerstaats besiegelt wurde.

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© ORF
 

Als Josip Broz Tito im Mai 1980 starb, waren Sie Botschafter Jugoslawiens in den USA. Damals war die Besorgnis groß, dass Titos Tod eine ernsthafte Krise in Jugoslawien auslösen könnte. Was dachten Sie über die Zukunft Jugoslawiens?
CHRISTIAN WEHRSCHÜTZ: In dem Moment war ich natürlich besorgt und traurig, habe keine Analyse der Lage angestellt, wie ich das später getan habe. Doch mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass es zu einer derartigen Krise kommen könnte, die Jugoslawiens Bestand infrage stellt. Ich rechnete mit Turbulenzen, aber ich glaubte, dass Titos Erbe so fest und gut ist, dass es in seiner Grundlage Bestand haben werde. Ich dachte, dass es zu einer Transformation kommt, und dass sich reformistische Strömungen und die Demokratisierung beschleunigen werden.

Kommentare (3)
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KarlZoech
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Ein sehr lesenswertes Interview, das interessante Einblicke gibt.

Danke der "Kleinen" und vor allem Christian Wehrschütz dafür, für diesen Blick auf die jugoslawische Tragödie.

Dazu ein Satz von Grillparzer:
"Von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität."
Es gab in YU zu viele Nationalisten, vor allem Milosevic und Tudjman; es mündete dann auch in Bestialität.

Zwiepack
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Falsch geklickt - es sollte grün sein!

Interessant auch, dass Loncar als letzter Außenminister davon spricht, dass das Verhältnis Ö, D zu YU recht gut war.
Das sollten auch die serbischen Nationalisten und Leute wie Peter Handke lesen, die uns weiß machen wollen, der Zerfall Jugoslawiens sei vom Westen bzw. vornehmlich D initiiert worden.
Nein, der tödliche Nationalismus war hausgemacht und wurde zuerst von Miosevic angestachelt, Tudjman war die verhängnisvolle Reaktion darauf.

KarlZoech
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@ Zwiepack: Danke, ich stimme Ihnen zu!

Nationalismus führt schlussendlich immer zu Tragödien, zu Krieg.

Es geht um die jeweilige Grundeinstellung aller Protagonisten:
Will man ein Miteinander? Oder will man ein Gegeneinander?
Nationalisten wollen immer das Gegeneinander, bis zur tödlichen, mörderischen Konsequenz.