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Der Historiker Thierry Lentz im Interview„Napoleon ist gescheitert, weil er ein Spieler war, aber er steckt bis heute in uns“

Interview: Der französische Historiker Thierry Lentz erklärt, warum der große Korse selbst 200 Jahre nach seinem Tod noch das Leben der Menschen bestimmt.

Napoleon habe den französischen Traum von der Vormacht in Europa mit der selben Hartnäckigkeit verfolgt wie vor ihm die Habsburger für Europa © (c) Eric Frotier de Bagneux
 

Herr Lentz, Sie haben zum 200. Todestag von Napoleon eine Streitschrift veröffentlicht, in der Sie den großen Korsen verteidigen. Steht es so schlecht um sein Andenken?
THIERRY LENTZ: Seien Sie unbesorgt, Napoleon bleibt die beliebteste historische Gestalt der Franzosen und hat auch in Europa zahlreiche Fans. Wie überall erleben wir in Frankreich eine Offensive der Cancel Culture und Rassenlehre in neuem Gewand, mit der unsere Regierenden aus Furcht, einige Minderheiten zu verärgern, nicht zurande kommen. Ich habe mein Buch geschrieben, um die Debatte über dem Niveau heutiger Befindlichkeiten zu führen. Das heißt nicht, dass ich Napoleon um jeden Preis verteidige. Aber ich will die 15 Jahre seiner Regentschaft über die Analyse des historischen Gehalts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in den gebührenden Kontext zu setzen.

Kommentare (2)
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calcit
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Komisch, bei Napoleon sieht man immer darüber hinweg oder...

....entschuldigt ihn mit dem Argument "das war halt damals so".... Napoleon war ein Massenmörder der Europa bis nach Moskau mit Krieg überzogen hat der Millionen an Tote und verwüstete Landschaften hinterlassen hat, er war ein Despot der Völker unterdrückt und versucht hat seine Vorstellung von Moral, Staat und Verwaltung aufzuzwingen (z.B. Tirol), er war ein Kriegsverbrecher der z.B. im Massaker von Jaffa fast 4000 Menschen am Strand mit Bajonetten hat niedermetzteln lassen obwohl sich diese bereits ergeben hatten. Das alles mit dem Argument "Naja zumindest verdanken wir ihm den Code Civil" zu entschuldigen ist wohl so ähnlich wie das Argument zu werten wem wir zumindest die Autobahnen verdanken...

zweigerl
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Inkommensurabel

Dieser Imperator ist schlicht inkummensurabel. Hegel sah in ihm den personfizierten "Weltgeist". Der Umgang mit ihm ist verlogen - angefangen von der chauvinistischen INstrumentalisierung seitens der "grande nation" bis zur klandestinen Stilisierung Macrons als Mini-Napoleon. Aber überhaupt beste Chancen, zu einem Treppenwitz der Weltgeschichte zu werden, hat die Anmaßung dieser kleinkarierten "cancel culture"-Funktionäre. Man fasst es nicht: Eine drittklassige, aus Haiti immigrierte "Historikern" verrückt Monumente der Weltgeschichte, der europäischen wohlgemerkt, nach Gesichtspunkten einer hysterisierten Bewegung von 2021..