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EU-KlimazielBis 2030 minus 55 Prozent: Scheitern oder historische Einigung?

Die EU einigt sich auf das Klimaziel für 2030: Minus 55 Prozent. Was ist davon zu halten?

Die Überhitzung der Erde stoppen: Die EU will dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Nach langem Hin und Her steht nun endgültig das Etappenziel bis Ende dieses Jahrzehnts © AP
 

Selbst gesetzte Ziele haben mitunter den Nimbus von Hausnummern, das macht ernsthafte Entscheidungsprozesse schwierig. Bei den Klimazielen, die sich die EU-Länder gesetzt haben, ist das nicht anders. Klimaneutral bis 2050 – warum nicht schon 2048 oder erst 2053? Und der Weg dorthin: Ursprünglich wollte man bis zum Ende dieses Jahrzehnts einen CO2-Rückgang von 40 Prozent erreichen, dann kam der „Green Deal“ und die Rede war zunächst von minus 50 Prozent, danach kamen minus 55 Prozent.

Kommission und Rat waren damit zufrieden, das EU-Parlament nicht.

Die Parlamentsposition pendelte sich bei minus 60 Prozent ein. Eine weitere Hausnummer? Vielleicht, aber die Volksvertreter, allen voran die Grünen, versuchten, die Ernsthaftigkeit des Anliegens auf den Punkt zu bringen: Unser Planet ist ernsthaft in Gefahr und es ist fraglich, ob er noch gerettet werden kann. Durch einen faulen Kompromiss wohl nicht.

Nun haben wir ihn, den Kompromiss – grundsätzlich jene Formel, auf die alle EU-Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Rat, Kommission und Parlament zurückgeführt werden können.

Minus 55 Prozent (herausgerechnet minus 52,8 Prozent) sind mehr als anfangs gedacht und weniger, als nötig wäre. Die Pariser Klimaziele sind so nicht zu erreichen, warnen die Grünen.

Aber die Einigung ist ein gutes Signal – die Richtung stimmt. Bei allen Bemühungen, die Klimaziele zu erreichen, darf Europa nicht den Blick aufs Machbare verlieren. Zu groß ist der Spannungsbogen, in dem wir uns zwischen Kohleländern wie Polen, Atomnationen wie Frankreich oder Autoländern wie Deutschland befinden. Klimaziele kann man in diesem Konglomerat, das durch die Pandemie noch an Sprengkraft gewonnen hat, nur durch gemeinsame Schritte erreichen, die – wie auch immer – von allen verkraftbar sind. Die wirtschaftlichen Corona-Folgen sind enorm, und selbst die besten Entwicklungen im Rahmen des Green Deal passieren nicht übers Wochenende. Der stärkste Wirtschaftsstandort weltweit muss sich mitten in der schwersten Krise des Jahrhunderts neu ausrichten. Chance und Gefahr zugleich.

Die Frage wird nicht dadurch entschieden, ob wir in diesem Jahrzehnt 55 oder 60 Prozent schaffen, sondern ob die EU volle Kraft voraus auf Kurs bleibt. Nichts hindert uns daran, die heute selbst gesetzten Ziele zu übertreffen, wenn es morgen zu schaffen ist.

Kommentare (9)
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Popelpeter
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Die Rücksicht beginnt schon bei all jenen

die im Winter, während des Eiskratzens, ihren Motor warmlaufen lassen! Alltäglich zu beobachten!

Patriot
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Dazu bedürfte es sehr, sehr großer Anstrengungen!

Geschwindigkeitsreduktion auf Autobahnen/Schnellstraßen und Landstraßen, schmerzhafte Verteuerung der fossilen Treibstoffe (vor allem des Kerosins), Heizöl und Gas, alle Transportgüter ausnahmslos auf die Schiene, Austausch aller Ölheizungen bis 2030, Betrieb der Hochöfen mit Wasserstoff, weniger Fleischverzehr, sofortiges Ende des Abholzens der Urwälder und so weiter und so fort!
So wie die Mehrheit der Menschen heute tickt und weil die heutigen Politiker*innen sehr gerne auf Wahlen schielend einknicken, ist dieses ambitionierte Ziel mit sehr größter Wahrscheinlichkeit nicht zu schaffen!

schteirischprovessa
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2
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Vergessen hast jene Landwirtschaft,

die nur durch intensives Düngern und Spritzen von Herbiziden, Pestiziden und Fungiziden funktioniert.
Die ruiniert die Böden, verseucht das Wasser und gerade die Herstellung des synthetischen Düngers ist eine CO2 Schleuder.
Die Böden brauchen immer mehr Dünger, weil sie biologisch tot werden.
Ausserdem trägt der steigende Fleischverzehr zum steigenden CO2 Ausstoß bei.
Die Landwirtschaft samt den Fördermechanismen gehört komplett reorganisiert, die Kosten für die Umweltschäden in die Erzeugnisse eingepreist. Der Konsument ist in der Masse zu dumm, um es in die richtige Richtung zu bringen, da zählt überwiegend der billigste Preis, egal wie die Produkte erzeugt wurden und egal, wieviele tausende Kilometer sie transportiert werden.

dude
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9
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Auch Ihnen kann ich nur mit jedem Wort recht geben, Patriot!

An den vielen roten Daumen werden wir in Kürze beide sehen, wie recht Sie leider haben!
Aber wie ich unten weiter geschrieben habe:
Bleiben wir mit einer kindlichen Naivität optimistisch!

kukuro05
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der Zug ist längst abgefahren

Was wir hier erleben sind die neuesten Geschäftsmodelle im grünen Janker um auch noch auf den letzten Kilometern die fette Kohle raus zu pressen.

schadstoffarm
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wie der Schelm denkt

so ist er.

dude
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9
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Man kann es natürlich so pessimistisch nehmen wie Sie, lieber kukuro,

... aber es kostet um nichts mehr, die Lage etwas optimistischer zu sehen! Man kann durchaus - wie Sie - die letzten Tage (bzw. km) der Menschheit ausrufen und leben, als gäbe es kein Morgen. Man kann aber dauch für eine halbwegs gute Zukunft kämpfen! Es würde sich auszahlen, denke ich!

kukuro05
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10
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ich lebe mein ganzes Leben hindurch

....umweltbewusst, sozial verträglich und optimistisch für meinen Lebensbereich.
Und muss zuschauen wie Verantwortungslosigkeit, Hirnlosigkeit und unendliche Gier um sich greifen und alles unter sich begraben.
Nicht lustig!
Sicher, die Naiven sind die Glücklicheren......

dude
2
5
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Sie haben recht, lieber kukuro!

Leider! Mit jedem Wort!
Es fällt mir auch nicht immer leicht, meine kindliche Naivität und meinen Optimismus zu behalten! Aber ich arbeite daran...
Alles Gute und herzliche Grüße!