Fast ein Jahr dauerte es, bis am Montag der vergangenen Woche der Prozess rund um die qualvolle Tötung des Afroamerikaners George Floyd begann. Nun wird das Bild rund um das Schicksal des 46-Jährigen, das in ganz USA zu Protesten gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt führte, immer klarer. Mehr noch: Was Medaria Arradondo, seines Zeichens Polizeichef von Minneapolis, nun vor Gericht aussagte, könnte für das Verfahren von zentraler Bedeutung sein.
Der Hauptangeklagte, der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin (45) habe ganz eindeutig die Regeln der Polizeibehörde der Stadt verletzt, als er Floyd sein Knie über neun Minuten lang in den Nacken gepresst habe, betonte Arradondo. Sein Vorgehen sei "nicht Teil unserer Politik, nicht Teil unseres Trainings, und es ist sicherlich nicht Teil unserer Ethik oder unserer Werte", stellte Arradondo unmissverständlich fest. Chauvin hätte den Einsatz körperlicher Gewalt beenden müssen, als der auf dem Boden liegende und mit Handschellen gefesselte Floyd keinen Widerstand mehr leistete, stellte der fest der Polizeichef im Zeugenstand fest. Vor allem aber hätte der Hauptangeklagte von Floyd ablassen müssen, als dieser kein Lebenszeichen mehr gezeigt habe.
George Floyd-Prozess
Nach einer Woche Prozess: Klares Bild von neun Minuten tödlicher Polizeigewalt
Polizeichef von Minneapolis belastet im Fall George Floyd den Angeklagten schwer und bestätigt Erkenntnisse aus der ersten Prozesswoche. Der Ausgang des explosiven Verfahrens ist trotzdem ungewiss. Eine Analyse.
© AP (Alberto Pezzali)