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VenezuelaAufruf zum Militärputsch: Gepanzerte Fahrzeuge attackieren Maduro-Gegner

Interimspräsident Juan Guaido rief vor Militärbasis die Schlussphase im Machtkampf mit Präsident Nicolas Maduro aus. Gepanzertes Fahrzeug überrollt Demonstranten in Caracas.

Heftige Zusammenstöße zwischen Militär und Demonstranten in Caracas
Heftige Zusammenstöße zwischen Militär und Demonstranten in Caracas © (c) APA/AFP/FEDERICO PARRA (FEDERICO PARRA)
 

Nach dem Aufstand einiger Soldaten gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro haben sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Caracas schwere Auseinandersetzungen geliefert. Vermummte Regierungsgegner griffen am Dienstag gepanzerte Militärfahrzeuge an.

Ein Panzerwagen raste in die Menge, wie im kolumbianischen Fernsehsender RCN zu sehen war. Ob dabei Demonstranten verletzt wurden oder ums Leben kamen, war zunächst unklar. Nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota schleuderten Demonstranten Steine auf Nationalgardisten auf Motorrädern. Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengaskartuschen in die Menge.

Der US-Fernsehsender CNN zeigte Bilder eines brennenden Busses in Caracas.

Interimspräsident Juan Guaidó rief in einer Videobotschaft per Twitter die Schlussphase seines Machtkampfes mit Maduro aus. Er zeigte sich überzeugt, dass er die Unterstützung des Militärs habe: "Die nationalen Streitkräfte haben die richtige Entscheidung getroffen und sie zählen auf die Unterstützung der venezolanischen Bevölkerung", sagte Guaidó.

Zur Überraschung vieler tauchten Dienstag früh in Caracas die beiden Oppositionsführer Juan Guaidó und Leopoldo López zusammen mit einer Gruppe von Soldaten in Caracas bei der Militärbasis La Carlota auf, die sich angeblich gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro erhoben hatte. Die Oppositionsführer riefen zur "Operation Freiheit", zum endgültigen Sturz Maduros, auf.

Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE recherchierte, standen die Soldaten innerhalb der Militärbasis aufseiten Maduros und blieben in den Gebäuden des Stützpunkts. In der Umgebung kam es jedoch zu Unruhen.

Ein Video von Guaidó und dem aus seinem Hausarrest von Soldaten befreiten López wurde außerhalb des Stützpunktes La Carlota, der offiziell nach General Francisco de Miranda benannt ist, und nicht innerhalb der Militärbasis aufgezeichnet. Die Soldaten innerhalb des Stützpunkts verweigerten dem Parlamentschef und selbst ernannten Interimspräsidenten Guaidó und seinen Anhängern den Zutritt.

Die Zahl der Soldaten, die Guaidó und López bei ihrer Kundgebung begleiteten, lag laut EFE bei etwa 40. Es sei nicht feststellbar gewesen, ob sich in anderen Landesteilen mehr Militärangehörige dem Aufstand angeschlossen haben, so die spanische Nachrichtenagentur. Die wenigen aufständischen Soldaten in Caracas waren schwer bewaffnet und trugen als Erkennungszeichen blaue Binden an Armen, Beinen und auch im Gesicht, um sich vor Tränengas zu schützen.

Salven abgefeuert

Mindestens vier Mal wurden nach EFE-Zählungen Salven in die Luft abgefeuert und zwar sowohl von Militärs die für oder gegen Maduro waren. Es war aber nicht klar, ob es zu einem direkten Schusswechsel kam. Allerdings schleuderten Maduro-Anhänger im Militärstützpunkt Tränengasgranaten auf Soldaten aufseiten Guaidós, die diese zurückwarfen. Später versammelten sich zivile Oppositionsanhänger an anderen Orten in Caracas.

Zahlreiche Maduro-Gegner folgten dem Aufruf von Parlamentspräsident Guaidó, in Caracas und anderen Städten des Landes wie in Carabobo, Zulia oder Lara auf die Straße zu gehen. Nachdem die Oppositionsanhänger von dem Luftwaffen-Stützpunkt abgezogen waren, marschierten sie zum zentralen Altamira-Platz in etwa einem Kilometer Entfernung. Das Viertel gilt als Hochburg der Opposition.

Vorerst gab es kein Informationen dass sich weitere Militärs gegen Maduro erhoben haben. Der Präsidentenpalast Miraflores wurde von Anhängern der sozialistischen Regierung geschützt. Die Militärführung stellte sich gegen die Opposition, die sie vor einem Blutbad warnte. Verteidigungsminister Vladimir Padrino versicherte vor versammelten hohen Offizieren im Fernsehen, man stehe loyal zur Verfassung.

López sucht Schutz in Chiles Botschaft

Inmitten des erbitterten Machtkampfs in Venezuela hat der seit Jahren inhaftierte Oppositionsführer Leopoldo López Schutz in der Residenz des chilenischen Botschafters in Caracas gesucht. López, seine Frau und seine Tochter seien Gäste in der Residenz der diplomatischen Mission, teilte Chiles Außenminister Roberto Ampuero am Dienstag auf Twitter mit.

Am frühen Morgen hatten zur Opposition übergelaufene Soldaten den prominenten Regierungsgegner aus dem Hausarrest befreit. Der Gründer der Oppositionspartei Voluntad Popular saß seit 2014 in Haft. Damals waren bei Protesten gegen die Regierung mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Ein Gericht verurteilte López wegen Anstachelung zur Gewalt zu fast 14 Jahren Haft. Zuletzt saß der Oppositionsführer im Hausarrest. Zahlreiche Regierungen und Menschenrechtsorganisationen sahen in López einen politischen Gefangenen.

Trump für Guaidó

Die Regierung von Präsident Donald Trump hält wie mehrere Dutzende andere Länder - darunter Österreich - zu Guaidó. Trump sei über die Lage in Venezuela informiert worden, teilte das Präsidialamt mit. Der Stabschef im Weißen Haus, Mick Mulvaney, warnte die hinter Maduro stehenden Regierungen Russlands und Kubas vor einer Einmischung. Als zentral für die EU-Linie gilt Spanien. Die nach den jüngsten Wahlen kommissarische Regierung in Madrid erklärte, sie stehe zwar weiter hinter Guaidó. Statt eines Militärputsches müsse es aber Wahlen in Venezuela geben.

 

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