Seine Entschlossenheit elektrisiert viele "Gelbwesten", die französische Regierung hält ihn dagegen für einen gefährlichen Aufrührer: Der Fernfahrer Eric Drouet ist eine der aktivsten und zugleich umstrittensten Figuren der Protestbewegung, die seit rund drei Monaten gegen Präsident Emmanuel Macron mobil macht.

Am Freitag steht der 33-Jährige vor Gericht - er selbst spricht von einem "politischen" Prozess.

Wegen der "Organisation einer nicht genehmigten Demonstration" muss sich Drouet in Paris verantworten. Ihm drohen sechs Monate Haft. Am 2. Jänner hatte ihn die Polizei nahe des Pariser Boulevards Champs-Elysées festgenommen, drei Tage vor einem landesweiten Protesttag. Der Regierung wirft er vor, den "Gelbwesten" damit einen "Maulkorb" verpassen zu wollen.

"Beispielloser Aufstand" gefordert

Ohne Aktivisten wie Drouet wäre der Bewegung, die seit Dezember mit einer schwindenden Beteiligung kämpft, womöglich schon der Atem ausgegangen. Auf seiner Facebook-Seite und seinem YouTube-Kanal "La France en colère" - "Wütendes Frankreich" - ruft der 33-Jährige in Videoclips unermüdlich zu Protesten auf, oft am Steuer seines Lastwagens oder Autos.

Die Regierung hält ihn für brandgefährlich. Erst kürzlich forderte Drouet auf Facebook einen "beispiellosen Aufstand". Einer seiner Mitstreiter, Jérôme Rodrigues, hatte zuvor bei einer Pariser Demonstration die Sehkraft auf dem rechten Auge verloren - er führt dies auf ein Gummigeschoss der Polizei zurück. Drouet sprach von "Kriegsverletzungen". Innenminister Christophe Castaner forderte daraufhin harte juristische Schritte gegen den Aktivisten.

Bereits im Dezember warfen Kritiker Drouet Aufrufe zu einem "Putsch" vor. In einer Fernsehsendung hatte er auf die Frage nach dem Ziel einer Kundgebung vor Macrons Amtssitz gesagt: "Wir gehen rein." Daraufhin wurde der Elysée-Palast weiträumig von der Polizei abgeriegelt.

Für viele "Gelbwesten" ist der redegewandte Drouet ein Garant der Unabhängigkeit der Bewegung, die französische Populisten zur Linken wie zur Rechten für sich zu vereinnahmen versuchen.

Unterstützung durch Linkspolitiker

Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon etwa äußerte seine "Faszination" für das Durchhaltevermögen des berufstätigen Familienvaters, der die Bewegung mit einem Facebook-Aufruf zu landesweiten Protesten gegen die hohen Spritpreise am 17. November mit anstieß - diesem Aufruf folgten mehr als 280.000 Menschen.

Drouet aber nennt die Protestbewegung "unpolitisch", Verhandlungen mit der Regierung lehnt er entschieden ab. Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter aus der Pariser Vorstadt Melun bezeichnet sich als "enttäuscht von der Politik" und gibt an, er habe bis zur Präsidentenwahl 2017 nie seine Stimme abgegeben. Wen er gewählt hat, hält er geheim. Er dementierte aber Angaben, er habe für die Rechtspopulistin Marine Le Pen gestimmt.

Dennoch äußert sich Drouet wie viele "Gelbwesten" eminent politisch: So wird er nicht müde, den Rücktritt Macrons zu fordern. "Wir werden von Leuten angeführt, die nicht unser Leben und unsere Probleme teilen", begründet er dies.

Zudem geißelt der Familienvater die "unerträgliche" Gewalt der französischen Polizei, die als einzige in Europa Granaten mit Sprengstoff gegen Demonstranten einsetzen darf und laut Innenministerium weit mehr als 9.000 Gummigeschosse gegen die "Gelbwesten" abgefeuert hat. Das geplante "Antirandalierer-Gesetz", das harte Strafen für Gewalttätige und Vermummte vorsieht, nennt Drouet ein "Anti-Demonstranten-Gesetz".

Für Macrons Sprecher Benjamin Griveaux sind Aktivisten wie Drouet "Agitatoren, die zum Aufstand aufrufen und damit den Sturz der Regierung betreiben". Der Fernfahrer dagegen pocht auf die Meinungsfreiheit: "Lärm machen ist legal", betont Drouet in einem seiner Videos.