USA Gegangen (worden): Die Abgänge aus dem Trump-Team

Gerade erst hat Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn im Streit über die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium das Weiße Haus verlassen, da feuert der Präsident seinen Außenminister Rex Tillerson. Ein Überblick über die hochrangigen Mitarbeiter und Berater, die gehen wollten oder mussten.

Tom Bossert

Der Heimatschutzbeauftragte von US-Präsident Donald Trump nahm seinen Hut, nachdem offenbar Trumps Stabschef John Kelly, dem Bossert zugeordnet ist, geschwächt wurde. Bossert trat auf Pressekonferenzen ruhig und bedacht auf. In Medienberichten hieß es, dass er seinen Posten auf Geheiß des neuen nationalen Sicherheitsberaters John Bolton niedergelegt habe, der als außenpolitischer Hardliner gilt.

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David Shulkin

Ende März hat Donald Trump den seit längerem umstrittenen Veteranenminister David Shulkin entlassen, um ihn durch seinen Leibarzt Ronny L. Jackson zu ersetzen. Shulkin wurde unter anderem vorgeworfen, 122.000 Dollar (98.402,97 Euro) für eine neuntägige Europa-Reise mit seiner Frau ausgegeben zu haben, bei der die beiden unter anderem Schlösser besichtigt und Tennisturniere besucht haben sollen.

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H.R.McMaster

Der Drei-Sterne-General war seit Februar 2017 Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten. Nach nur einem Jahr im Amt entschied Trump, dass McMaster dem außenpolitischen Hardliner und Scharfmacher John Bolton weichen muss.

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Rex Tillerson

Der nächste Abgang: US-Präsident Donald Trump hat seinen Außenminister Rex Tillerson entlassen und den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo zum Nachfolger ernannt. Den Wechsel kündigte Trump überraschend - via Twitter - an. "Wir hatten unterschiedliche Ansichten", sagte der Präsident. 

Im vergangenen Oktober berichtete der Sender NBC News, Tillerson habe Trump als "Schwachkopf" bezeichnet. Der Minister dementierte diese Darstellung nie direkt und wich Fragen dazu stets aus.

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Gary Cohn

Gary Cohns Rücktritt am 6. März kam nicht überraschend. Über seinen Abgang war in Washington tagelang spekuliert worden, nachdem Trump  Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt hatte. Die Ankündigung hat Ängste vor einem Handelskrieg ausgelöst.

Um die Zölle hatte sich Cohn laut Medienberichten einen harten Streit mit Handelsminister Wilbur Ross und einem anderen Wirtschaftsberater im Weißen Haus, Peter Navarro, geliefert. Mit Cohn verlor Trump einen der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung in seinem Beraterstab.

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Hope Hicks

Hope Hicks nahm Ende Februar 2017 den Hut. Sie war seit Sommer 2017 als Kommunikationsdirektorin im Weißen Haus tätig. Laut Medienberichten räumte Trumps enge Vertraute in einer Anhörung ein, dass sie durch ihre Tätigkeit im Weißen Haus manchmal zu "Notlügen" gezwungen gewesen sei. Allerdings habe sie nie über Themen gelogen, die mit den Ermittlungen zu den möglichen illegalen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf zu tun hätten. Das 29-jährige Ex-Model hatte seit Jahren in verschiedenen Funktionen für Trump gearbeitet.

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Tom Price

Der 62-jährige Orthopäde aus Georgia sorgte für einen Skandal, weil er sich auf Staatskosten teure Charterflüge leistete. Nach Informationen des Insider-Magazins "Politico" soll Price seit seinem Amtsantritt mindestens 26 Mal Chartermaschinen auf Kosten des Steuerzahlers genutzt haben. Die Gesamtkosten dieser Flüge belaufen sich demnach auf umgerechnet 340.000 Euro. Dies missfiel Trump, war er doch mit dem Versprechen angetreten, den "Sumpf" in Washington trockenzulegen. Außerdem musste der Minister auch dafür seinen Kopf hinhalten, dass eines der zentralen Regierungsvorhaben Trumps, die Abschaffung des von seinem Vorgänger eingeführten Gesundheitssystems, gescheitert ist.

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Steve Bannon

Der Publizist war von Trump im August 2016 für den Wahlkampf verpflichtet worden und anschließend der ultrarechte Chefstratege im Trump-Team. Im Weißen Haus legte sich der 63-Jährige mit vielen anderen Trump-Beratern an und stand seit langem in der Kritik, als er am 18. August das Weiße Haus verlassen musste. Bannons Portal "Breitbart News" soll zum Erstarken der antisemitischen und rassistischen Alt-Right-Bewegung in den USA beigetragen haben. Bei "Breitbart News" wurde er mit offenen Armen wieder aufgenommen.

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Anthony Scaramucci

Mit nur zehn Tagen hält der Kommunikationsdirektor den Rekord - so kurz war bislang kein anderer hochrangiger Regierungsmitarbeiter Trumps im Amt. Mit seinem Mobbing gegen den damaligen Stabschef Reince Priebus handelte Scaramucci zwar offenkundig im Sinne des Präsidenten. Doch hatte er den Bogen überspannt. So überzog er in einem Telefonat mit einem Reporter auch Bannon mit Unflätigkeiten. Scaramucci half es nicht, dass er beteuerte, die Äußerungen seien nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Seine Entlassung am 31. Juli wurde offenbar vom neuen Stabschef John Kelly veranlasst, der Scaramucci Medienberichten zufolge mangelnde Disziplin bescheinigte.

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Reince Priebus

Der Stabschef warf Ende Juli hin. Vorangegangen war die - offenbar zumindest teilweise mit Trumps Segen - geführte Kampagne Scaramuccis gegen Priebus. Scaramucci bezichtigte den Stabschef, hinter der Weitergabe von Insider-Informationen an die Medien zu stecken. In einem Telefonat mit einem Reporter beschimpfte er Priebus sogar als "verdammt paranoiden Schizophrenen". Priebus' Abgang dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass Trump ihn nicht für durchsetzungsfähig genug hielt, das Weiße Haus und die Kooperation mit dem Kongress effizient zu managen.

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Sean Spicer

Auch der Pressesprecher trat Ende Juli zurück, nachdem Scaramucci zum neuen Kommunikationschef - und damit zu seinem neuen Vorgesetzten - ernannt worden war. Zusammen mit Priebus hatte sich Spicer laut Medienberichten der Einsetzung Scaramuccis widersetzt. Der Abgang seines Sprechers kam Trump zweifellos zupass. Der Präsident war mit Spicer offenkundig von Anfang an unzufrieden. Der Sprecher gab eine unglückliche Figur ab, in seinen Pressebriefings wirkte er oft unbeholfen und überfordert.

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James Comey

Der von Trumps Vorgänger Barack Obama ernannte Direktor der Bundespolizei FBI wurde völlig überraschend Anfang Mai von Trump gefeuert. Der Präsident lieferte dafür wechselnde Begründungen. Eine war "dieses Russland-Ding", also die von Comey geführte Untersuchung der dubiosen Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam. Nach Comeys Rauswurf stieg der Druck auf Trump aber weiter. Das Justizministerium setzte einen Sonderermittler auf die Russland-Affäre an. Und Comey sagte im Senat aus, er sei von Trump wegen der Ermittlungen bedrängt worden. Dies nährt den Verdacht der Justizbehinderung.

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Michael Flynn

Dem Nationalen Sicherheitsberater wurden im Februar nach nur dreieinhalbwöchiger Amtszeit seine Russland-Kontakte zum Verhängnis. Gegenüber Vizepräsident Mike Pence hatte er irreführende Angaben zu seinen Telefonaten mit dem russischen Botschafter gemacht. Ans Licht kam, dass Flynn im Dezember entgegen seiner Darstellung mit dem Diplomaten über die gegen Russland verhängten Sanktionen gesprochen hatte. Der Sicherheitsberater trat auf Aufforderung des Präsidenten zurück. Trump bezeichnete Flynn dennoch als Opfer einer Medienkampagne.

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