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Silvesterattacken

Zwei Drittel der Verdächtigen sind Asylwerber

Laut deutschem Innenministerium handelt es sich bei zwei Drittel der von der Bundespolizei in der Kölner Silvesternacht festgestellten Tatverdächtigen um Asylwerber. Anzeigen sind laut Polizei auf 170 gestiegen.

© APA/dpa/Markus Boehm
 

Nach den Übergriffen von Köln sind in Deutschland zwei mutmaßliche Trickdiebe festgenommen worden, die auch in der Silvesternacht am Bahnhof gewesen sein sollen. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien seien Handys sichergestellt worden, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Die Aktions-Künstlerin Milo Moire protestierte am Freitag nackt vor dem Kölner Dom
Die Aktions-Künstlerin Milo Moire protestierte am Freitag nackt vor dem Kölner Dom Foto © AP

Nach Angaben von WDR und "Kölner Stadt-Anzeiger" zeigen die Videos Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Der Polizeisprecher kommentierte das nicht. Nach seinen Angaben waren die Männer den Polizisten auf dem Bahnhofsvorplatz aufgefallen. Bei ihnen wurde auch Beute aus Trickdiebstählen sichergestellt.

Handys in Flüchtlingsheim geortet

Laut Polizei ist die Zahl der Anzeigen inzwischen auf rund 170 gestiegen, drei Viertel davon haben einen sexuellen Hintergrund. Der "Spiegel" hatte zuvor über einen Anstieg auf 200 Anzeigen berichtet. Laut "Spiegel" konnten die Ermittler einige der in der Silvesternacht gestohlene Handys in Flüchtlingsheimen orten.

Der Polizei liegen 350 Stunden Videomaterial vor, rund 250 verschiedene Daten müssten ausgewertet werden, sagte der Polizeisprecher. Die bisher 80-köpfige Ermittlungsgruppe "Neujahr" wurde auf 100 Beamte aufgestockt.

Knapp zwei Drittel Asylwerber

Laut deutschem Innenministerium handelt es sich bei zwei Drittel der von der Bundespolizei in der Kölner Silvesternacht festgestellten Tatverdächtigen um Asylwerber. Die Bundespolizei habe 31 Verdächtige namentlich identifizieren können, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Berlin. Unter ihnen seien 18 Asylwerber, deren Nationalität der Sprecher allerdings nicht aufschlüsselte. Insgesamt seien unter den Verdächtigen neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und zwei Deutsche.

Ihnen werde vorgeworfen, Diebstähle und Körperverletzungen begangen zu haben, erklärte der Sprecher. Es seien auch drei Anzeigen wegen sexueller Delikte bei der Bundespolizei eingegangen, dazu hätten aber bisher keine Verdächtigen ermittelt werden können.

Merkel verlangte vollständige Aufklärung

Die Täter der Übergriffe in Köln müssen nach Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit aller Härte des Gesetzes und des Staates rechnen. Bevor man aber weitere Konsequenzen beschließen könne, müssten die Vorgänge zunächst vollständig aufgeklärt werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin.

"Der Bundeskanzlerin ist wichtig, dass erst einmal die vollständige Wahrheit auf den Tisch kommt, dass nichts zurückgehalten oder beschönigt wird." Alles andere schade dem Rechtsstaat und der großen Mehrheit völlig unbescholtener Flüchtlinge, "die bei uns Schutz suchen". "Natürlich ist es nicht hinnehmbar, dass eine kleine Minderheit das untergräbt durch solche Straftaten", sagte Streiter, betonte aber auch: "Hier geht es in erste Linie nicht um Flüchtlinge, sondern hier geht es um Kriminalität." Gleichwohl gebe es Überlegungen und Diskussionsbedarf zum Thema Abschiebungen.