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Reportage

Die Ruhe von Dobova vor dem nächsten Sturm

Im slowenischen Städtchen an der Grenze zu Kroatien nutzen die Einsatzkräfte den ruhigen Tag zum Durchatmen. Doch die Hände in den Schoß legt niemand, der Frieden wird nicht lange wehren. Von Christina Traar

Flüchtlingszug in Debova
Flüchtlingszug in Debova © Traar
 

Das große Zeltlager in Dobova, auf das Slowenien so stolz ist, ist an diesem Dienstag menschenleer. „Es hat geschlossen, wir bauen um“, erklärt der Kommunikationsleiter der Polizei, Robert Perc, die Ruhe. Der schlammige Feldboden soll asphaltiert werden, man rüstet sich für schlechtere Zeiten und schlechteres Wetter. Männer in Chemie-Sicherheitsanzügen und -masken desinfizieren die auf dem Boden ausgebreitete Polizeiausrüstung der letzten Tage. Seit sich die Kommunikation mit den Einsatzkräften des Nachbarlandes verbessert hat und die Züge aus Kroatien die Flüchtlinge über die Grenze bis nach Dobova bringen, gibt es keine kilometerlangen Fußmärsche mehr über die grüne Grenze, die Menschen landen hier.

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„Das hat unsere Arbeit immens erleichtert, wir könne uns nun auf einen Punkt konzentrieren“, erklärt Perc, während er, von Baulärm begleitet, durch das Lager schlendert. Beheizte, große Zelte, mehr Platz, mehr Sicherheit, weg von den Häusern, kurz vor der durchgestrichenen Ortstafel. Das Lager ist nur als Durchgang gedacht, ein Aufenthalt, der länger als zwei Tage dauert, ist hier nicht vorgesehen. Dafür, dass derzeit nur wenige Flüchtlinge in Etappen am Bahnhof ankommen, sind er und seine Kollegen dankbar. „Wir hatten in den letzten Tagen abertausende Menschen hier, die Einsatzkräfte und Freiwilligen hatten alle Hände voll zu tun. Heute ist es das Paradis“, schmunzelt er über die leeren Zelte.

Durchatmen in Dobova
Durchatmen in Dobova Foto © Traar

„Endlich ein bisschen Action“

Doch dass das nicht lange so bleiben wird, weiß auch er. Am Donnerstag sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein, doch bereits am Mittwoch könnte hier wieder Chaos herrschen. Zur Sicherheit wurde eines der ehemaligen Registrierzentren auf Zeit wieder geöffnet, im wenige Autominuten enfernten „Brezice“. Auch hier sucht man vergeblich nach Flüchtlingen. „Wir hatten heute Nacht und am Vormittag Neuankömmlinge, die aber alle bereits auf der Weiterreise Richtung Österreich sind. Das Lager in Brezice liegt direkt neben einer Polizeistation, auf deren Gelände Polizeihunde aus ihren Käfigen laut bellen, wen man sich dem Zaun nähert.

Aufräumen und Säubern
Aufräumen und Säubern Foto © Traar

Auf der anderen Seite des Lagers steht ein neues, gepflegtes Mehrparteienhaus. „Das ist ein Altersheim. Soweit ich weiß, lieben die Einwohner das Gelände hier - endlich ein bisschen Action“, erzählt Perc und bekommt einen Anruf: Ein Zug von Kroatien hat sich auf den Weg Richtung Dobova gemacht, zwischen 14 und 15 Uhr kommt er an. Der Polizist steigt in seinen Dienstwagen und fährt zurück zum Bahnhof. Auf einem der Gleise steht eine alte Zuggarnitur voller Männer, Frauen und Kinder, die auf ihre Weiterreise zur österreichischen Grenze warten, am Bahnsteig gegenüber fährt der Zug mit den 1.200 Flüchtlingen aus Kroatien in den kleinen Bahnhof ein. Die Helfer stehen bereit, ebenso wie Polizei und Militär.

Müde Gesichter

Der erste Teil der Zuginsasen wird zur Registrierung in einem kleinen Raum direkt am Bahnsteig geleitet, die anderen überqueren die Gleise und werden von der Polizei zu einem alten Bus geführt. Jausensackerl werden verteilt. Der Dolmetscher teilt ihnen mit, dass sie zur Registrierung und Versorgung nach Bezice gebracht werden, die müden Gesichter hören ruhig zu und tun, was ihnen gesagt wird. Alles läuft ruhig. Was, wenn morgen soviel Flüchtlinge ankommen, wie vor ein paar Tagen? Wenn bis dahin der Umbau des große Zeltlagers nicht abgeschlossen ist? Perc: „Tja, dann werden wir sehen, was passiert. Sicher ist, dass der Weitertransport dann um einiges länger dauert.“

Traar "Das ist das Paradies heute"
"Das ist das Paradies heute"Foto © Traar
 

Was morgen ist, kann hier niemand sagen. Doch man bereitet sich vor. Während die Flüchtlinge aus dem Zug steigen, teilt der slowenische Premier Miro Cerar bei einer Pressekonferenz mit, dass Slowenien „technische Barrieren“ an seiner Grenze zu Kroatien errichten werde. Was das genau heißt und wann das passieren soll, kann auch Perc nicht sagen. Er kann sich und den kleinen Ort an der slowenisch-kroatischen Grenze nur vorbereiten. Was dann kommt, werde sich zeigen. 

 

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Slowenien macht ernst: Maschendraht für Grenzzaun angeliefert

GOTT SEI GEDANKT, es passiert etwas um diesen ungezügelten Ansturm von nicht definierbaren Personen einzubremsen.

49erkorl
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Ruhepause gefragt

Griechenland als EU-Partner hat Hilfe gebraucht und auch bekommen.
Es wäre nur fair, wenn die Griechen nun als Gegenleistung - zu der sie ja EU-gesetzlich verpflichtet sind - ihre Grenzen sichern und die Flüchtlinge aufhalten bzw. wieder zurückschicken. Nebenbei gesagt: unsinnige Verhandlungen mit diesem undemokratischen Herrn Erdogan kann man sich dabei auch ersparen.
Europa braucht unbedingt einen Stopp der Einwanderungsbewegung. Wir müssen endlich einmal Zeit dazu haben, die derzeitige Lage zu analysieren. Die Menschen, die zu uns gekommen sind, müssen im Land sinnvoll verteilt werden. Ihnen müssen realistische Zukunftsperspektiven für ein Leben bei uns gegeben werden.
Wird so weitergemacht wie bisher, endet das Ganze im Chaos! Der Einwandererstrom wird nicht versiegen. Sie glauben das nicht? Afrika kommt erst ...

hubfrau
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wie soll Griechenland die Grenzen am Meer sichern? von Insel zu Insel Zäune?