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IS will Identität der Menschen zerstören

Die Zerstörung kultureller und religiöser Stätten in Syrien und im Irak durch IS-Milizen ist nicht nur ein barbarischer Akt. Es handelt sich dabei um einen gezielten Angriff auf die Identität der dort lebenden Menschen. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion einig, die von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung im Museum für Islamische Kunst in Berlin veranstaltet wurde.

© APA (epa)
 

"Es ist übliche Kriegstaktik, das Tiefste, Innerste des Feindes zu treffen, ebenso wie Massenvergewaltigungen", sagte Karin Priester, Soziologin der Universität Münster. Priester, deren Arbeitsschwerpunkt auf Rechtsextremismus und Rechtspopulismus liegt, hatte den persönlichen Hintergrund der europäischen Jugendlichen untersucht, die für den IS in den Kampf ziehen: "Die eine Gruppe besteht aus den Underdogs, sehr kulturfernen, neuen Unterschichten, denen Kulturgüter nicht viel bedeuten", sagte Priester.

Die andere Gruppe sei gebildet, gebe für den islamistischen Einsatz mitunter sogar das Studium auf, sei aber ebenso kulturfern. "Zu fast 100 Prozent kommen sie aus technischen oder wirtschaftsnahen Berufen, niemand kommt aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften", sagte die Soziologin und zitierte Max Weber, der von "Fachmenschen ohne Geist" gesprochen habe.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bedauerte, dass durch die Zerstörungen Zivilisation verloren gehe: "Das ist nicht weit weg, das ist der Vorhof Europas, die Wiege der Menschheit", sagte er und kritisierte, dass in Europa zu wenig Empathie mit den Geschehnissen gezeigt werde, handle es sich doch bei der Levante um einen "Teil unserer Zivilisation".

Der politische Analyst Adnan Tabatabai berichtete davon, dass die Zerstörung von Kulturstätten bei manchen seiner Gesprächspartner das Gefühl entstehen lasse, dass der IS von außen, von außerhalb des Islams gesteuert sei. Für die Regierung seines Heimatlandes Iran gebe es rote Linien, bei deren Überschreiten der Iran gegen den IS einschreite. Dabei handle es sich um schiitische Heiligtümer wie Samaran, Kerbala und Najaf im Irak sowie die Städte Bagdad und Damaskus aus sicherheitspolitischen Gründen.

Von einem "Genozid an kulturellen Gütern" sprach die kurdische Privatdozentin an der Freien Universität Berlin, Gülistan Gürbey. Sie sagte, dass Lebensgrundlagen zerstört würden, auch wenn Berge zerstört würden, die den Kurden als Rückzugsgebieten dienten.

Der yezidische Priester Djengizkhan Hasso wies darauf hin, dass im Osmanischen Reich 58 Erlässe zur Vernichtung der Yeziden ergangen seien und der IS nun diese von den Osmanen nicht geschaffte Endlösung durchführen wolle. Männer würden ermordet werden, Frauen und Kinder versklavt.

Auch der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Amman, Otmar Oehring, berichtete von einer Minderheit im IS-Gebiet, den Christen. Ihre Vorfahren seien 1915 vor den Osmanen geflohen, nun seien sie selbst auf der Flucht. "Teilweise ist es zu gefährlich zurückzukehren, teilweise wollen sie nicht mehr mit Arabern zusammenleben und meinen damit Muslime", sagte Oehring.

Das Ende des "gelebten Pluralismus" in Syrien hob schließlich der Direktor des Museums für Islamische Kunst, Stefan Weber, hervor. "Die Syrienkrise ist auch eine Krise der internationalen Organe", sagte er. "Auch die Vereinten Nationen haben sich dort als untauglich erwiesen." Die Zerstörung der Kulturstätten verglich Weber mit der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten: "Es handelt sich um eine propagandistische Darstellung, die auch ebenso inszeniert wird wie damals", sagte er.

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