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Kurz zu ÖVP/ FPÖ-Koalition"Schauen wir, welcher Teil sich in der FPÖ durchsetzt"

VP-Obmann Sebastian Kurz erinnert sich im Ö3-Sommergespräch an das Auftauchen des Ibiza-Videos - "schockierend" - und wie ihn damals Heinz-Christian Strache vorab versucht hat, zu erreichen. Protokoll eines Mithörens.

© APA/BARBARA GINDL
 

Ein ofenfrischer Striezel nach Mutters Rezept, eine vom Vater gepflückte Schüssel Kirschen und Gemüse aus dem Garten des elterlichen Bauernhofs im Weinviertel: In dieser idyllischen Kulisse blickte Ex-Bundeskanzler VP-Obmann Sebastian Kurz sonntagvormittags in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" noch einmal zurück auf die knapp 500 Tage seiner Kanzlerschaft und vor allem den spektakulären Bruch mit dem Koalitionspartner FPÖ.

Die Neuerkenntnisse? Wenige. Die Sprache? Ein Hybrid aus versucht-lockerem Plauderton und politisch-routiniertem Phrasenvokabular.

"Bist Du jetzt immer zuhause?"

Den Tag der Angelobung der Nachfolgeregierung habe er beim Wandern und Kochen mit zwei Freunden verbracht. Als seine Freundin damals heim kam, habe sie sie überrascht reagiert. "Du bist zuhause, wenn ich nach Hause komme? Bist Du jetzt immer zuhause, wenn ich nach Hause komme", erzählt er die schon mehrfach erzählte Episode. Ein rar gehaltener Blick hinter die privaten Kulissen der professionellen Politikerfassade, an der auch bei diesem Sommergespräch Fragen über Familienpläne, Ehrgeiz, Disziplin oder Machtbewusstsein abperlen.

Etwas detaillierter dann der Blick durchs berufliche Schlüsselloch. Das Motiv ist klar: Das Wahlvolk teilhaben lassen, keine Abgehobenheit suggerieren, auf Augenhöhe mit den Menschen sein, Händeschüttel- und Selfiequoten maximieren: Ziele, die auch die aktuelle (Vor-)Wahlkampftour verfolgt, die Kurz gleich nach seiner Abwahl gestartet hat.

Großspenden

In der aktuellen Debatte über gestückelt überwiesene Großspenden an seine Partei versteht Kurz die Aufregung nicht. "Es gibt immer nur Aufregung, wenn die Volkspartei unterstützt wird", zitiert Kurz den aktuellen VP-Spin, von den eigenen Konten abzulenken und auf jene der Konkurrenz zu verweisen. So habe Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Wahlkampf rund drei Millionen Euro an Spenden lukriert, ohne dass es den Vorwurf der Käuflichkeit gegeben habe. Auch die NEOS hätten vom Industriellen Hans Peter Haselsteiner über zwei Millionen Euro an Spenden bekommen, so Kurz: "Niemals gab's hier einen Vorwurf oder
eine Diskussion darüber."

Mikl-Leitner: "Als ob die gesamte Politik korrupt wäre"

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat in der ORF-"Pressestunde" Spenden an Parteien grundsätzlich verteidigt. Diese seien "per se nichts Unanständiges". Die aktuelle Debatte aber schade dem "Image der Politik" und lasse den Eindruck entstehen, "als ob die gesamte Politik korrupt wäre". Derzeit orte sie aber "viel Unsicherheit und Unzufriedenheit" im Zusammenhang mit der Parteienfinanzierung. Daher sollte man darüber reden, wie man ein besseres Regulativ schaffen könne.

Pilz fordert Freiheitsstrafen

Peter Pilz, Gründer der Liste "Jetzt" im Nationalrat, fordert in Zusammenhang mit Parteispenden neben einer Offenlegung der VP-Konten ("Wie viele Millionen sind dort gerade rechtzeitig vor der Meldepflicht eingegangen?"), eine Limitierung von Einzelspenden auf 5000 Euro und einem Stückelungsverbot vor allem auch "scharfe Strafen" bei Vergehen. Pilz regt in der TV-Sendung "Hohes Haus" Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren an und spricht von "schwarzen Schwindel- und Tarnvereinen".

"Verbittert" über die FPÖ

"Ich hätte es nicht wissen können." So Kurz' Antwort auf die - seit Veröffentlichung des Videos mehrfach - selbstgestellte Frage, ob er die im Video gezeigte Offenheit für Korruption bei seinem Regierungspartner früher erkennen hätte können. Die Brücken Richtung FPÖ scheinen eingebrochen. Zumindest zu "Teilen", wie Kurz seicht differenziert: Der Umgang "von Teilen der FPÖ" nach Bekanntwerden des Videos habe ihn "am meisten gestört", habe ihn "verbittert". Eine Wiederauflage der Koalition scheine unwahrscheinlich, weil sich "Teile der FPÖ" in eine "recht radikale" Richtung entwickeln würden: "Schauen wir, welcher Teil sich in der FPÖ durchsetzt."

REGIERUNGSKLAUSUR: KURZ / STRACHE
Kurz über ein mögliches politisches Comeback von Strache: "Ich würde es ihm nicht raten" Foto © APA/ROLAND SCHLAGER
In seinem Rückblick auf das Video erinnert sich Kurz an mehrfache Versuche des damaligen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache am Vortag der Veröffentlichung, ihn telefonisch zu erreichen. Er sei, so Kurz,  damals bei seiner gesundheitlich angeschlagenen, über 90-jährigen Großmutter gewesen, und habe auf das Drängen des Koalitionspartners daher erst verzögert reagiert. "Es kommt etwas Negatives in den Medien", habe ihm Strache dann in einem Vier-Augen-Gespräch angekündigt. "Er war sehr krypitsch und aufgekratzt", so Kurz. Was dann am nächsten Tag kam, habe ihn "schockiert, enttäuscht", es habe sich "unwirklich angefühlt". Mit Strache habe er seither nur ein Mal telefoniert. Was er zu einem politischen Comeback sagen würde? "Ich würde es ihm nicht raten", so Kurz Richtung Strache.

Ebenfalls wahltaktischer Grundierung entspringen wohl wohlwollende Erwähnungen von Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil - einem SP-internen Querdenker, der in regelmäßigem Konflikt mit SP-Vorsitzender Pamela Rendi-Wagner steht. Er habe mit ihm schon mehrmals nett "bei Kaffee und Kuchen geplaudert".

Bei dieser Frühstücksplauderei blieb der Striezel allerdings unangetastet, die Kirschen unverkostet.  

 

Kommentare (89)

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UHBP
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Kurz: "Schauen wir, welcher Teil sich in der FPÖ durchsetzt"

Aber egal welcher es ist, genau mit dem wird die ÖVP eine Koalition eingehen.

zyni
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Kurz muss bedenken,

die FPÖ kauft schon wieder alle Kreidevorräte auf. Bei einer neuerlichen Koalition würde wiederum der Schwanz mit dem Hund wedeln.

lieschenmueller
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Eines muss man noch anfügen,

man hat uns zu einem neuen Hobby vergattert: Wählen

Ich habe den Eindruck, auf irgend einer Ebene ist jemand ständig im Wahlkampf inkl. Spaltung der Bevölkerung.

In meinem Wahllokal wird am Tag des Abstimmens immer Gulasch ausgekocht. Zumindest geruchsmäßig muss es das sein. Ich habe das Gefühl, ich betrete unglaublich oft dieses ältere Gebäude und rieche Gulasch und Gulasch und Gulasch.

Mein Graz
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@lieschenmueller

Nach dem letzten Wahlergebnis und dem wahrscheinlich wieder positiven Abschneiden der Türkisen tät mir dann auch kein Gulasch mehr schmecken...

lieschenmueller
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@Mein Graz

Das kriegen eh nur die Beisitzer :-) Aber die werden sicher auch bald Abwechslung fordern.

Mein Graz
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@lieschenmueller

Ich ess zwischendurch sehr gern ein gutes (allerdings stets selbst gekochtes) Gulasch. Mir würde aber der Appetit vergehen, erinnerte mich allein der Geruch an den Ausgang der Wahl.

lieschenmueller
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@Mein Graz

Soulsister :-)

Mein Graz
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@lieschenmueller

👍👏😉

klaus59
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zum Kotzen

Ein ofenfrischer Striezel nach Mutters Rezept, eine vom Vater gepflückte Schüssel Kirschen und Gemüse aus dem Garten des elterlichen Bauernhofs im Weinviertel....
und der demente Opa hat die Geschichte von den Bolschewiken erzählt während die alte Fini Tant noch Eier aus dem eigenen Hühnerstall gebracht hat. Basti, bist ja unser Bua

SoundofThunder
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😏

Er wird sowieso wieder mit der FPÖ koalieren. Mit einem Kickl als Innenminister.

skutil
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Ich hoffe,

dass es so sein wird! Wäre das Beste!

lieschenmueller
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Kickl

Ich glaube, sogar beim Basti gefriert eher vorher die Hölle!

SoundofThunder
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Es wird ihm nichts über bleiben.

Mit den NEOS bekommt er keine Mehrheit. Dann bleibt ihm
nur noch die FPÖ. Und die FPÖ wird ihre Leute ins Regierungsteam schicken. Die kann KurzIV nicht aussuchen.

lieschenmueller
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@SoundofThunder

Es gibt ja nicht nur die Neos als zukünftigen Koalitionspartner.

Wenn man Wählen lässt und setzt wieder alles gleich zusammen und kostet Österreich eine Menge Geld, gehört man eigentlich psychiatriert.

Außerdem sind die Fronten schon verhärtet und Bedingungen, die man eingehen würde, ließen Österreich total das Gesicht verlieren. Schuld = dann allein Kurz!

alsoalso
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Mit diesen Argumenten gegen KURZ ....

…..die hier angeführt werden, landet die SPÖ sicher unter 20 % Stimmenanteil

SoundofThunder
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Gegenargumente?

Fehlanzeige! Erklären Sie uns warum man KurzIV wählen soll😏!

Sam125
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SoundofThunter ganz einfach, sie bekommen daher keine Erklärung von den

Postern hier im Portal, weil sie auf ihre ständigen Anspielungen auf Herrn Kurz , als Gottetsohn und Heilbringer nicht mehr antworten! Wagen sie es einmal im Islam, Mohammed in dieser Form zu beleidigen,dann schauen wir einmal,was mit ihnen geschieht! Herr Kurz ist kein Messias und Heilsbringer, er ist einfach nur Sebastian Kurz, den die Menschen mögen und den die Menschen auch vertrauen!

lieschenmueller
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@SoundofThuner

Darauf kriegt man ja auch von den Fans nie eine Antwort.

SoundofThunder
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🤔

Aber dein Messias wird erkennen müssen dass viele Blauwähler trotz Ibiza der FPÖ treu bleiben. Und die hat er jetzt ausgeschlossen. Mit wem wird dein Heiland koalieren? Es bleibt ihm nur die NEOS

lieschenmueller
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Schade, dass es schon zu spät ist für die Lottozahlen am Sonntag

Darf ich wegen Mittwoch noch bei Ihnen anfragen? Bitte/Danke!

Nemesis10
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....welcher Teil sich in der ÖVP durchsetzt?

Schauen wir mal welcher Teil sich in der ÖVP durchsetzt!
Mitterlehner for President:)))
Ich bevorzuge Kommunikation anstatt Message Control!
Shorty stay home!

edi99
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War Mitterlehner der Oberkommunikator? Obwohl 100% sympathischer für mich, hat er nicht viel weitergebracht.

Shorty wird nicht daheim bleiben, er hat vollen Rückhalt aus der gesamten ÖVP-Führung, die offenbar ihren eigenen Intellekt bei der Shorty-Vollmacht abgegeben hat. Unglaublich, was aus Verzweiflung alles mit einer demokratischen Partei passieren kann, wo es Leute wie Busek gab, dem Kurz vom Horizont her nicht einmal das Wasser reichen könnte. Seine intrigante, erpresserische Bauernschläue hat sich fatalerweise durchgesetzt.

Er ist sich auch zu schade für das Parlament, obwohl mit Vorzugsstimmen gewählt, nur nicht zuviel Demokratie, das VOLK wird entscheiden.

schteirischprovessa
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Willst wohl Kurz durch Mitterlehner

ablösen lassen, weil das die einzige Chance der SPÖ ist, dass der Abstand zur ÖVP nicht größer wird. Genial, vielleicht wirst doch einmal roter Wahlkampfmanager. Roter Kampfposter bist ja bereits.

voit60
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Bist wahrscheinlich auch einer

Der sogar einen Hydranten wählt, wenn dieser schwarz angestrichen wird.

klaus59
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Hydranten....

...wählen doch nicht, oder?

mrbeem02
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LIEBER VOIT

Das ist reine Vergangenheit, jetzt wähle ich den türkisen Hydranten.

 
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