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Ägypten

Mit Zwiebeln gegen Tränengas

Ägyptische Demonstranten wappnen sich gegen die Angriffe der Polizei. Mit Stein- und Flaschenwürfen - und mit Zwiebeln.

 

Sicherheitskräfte schießen bei den Demonstrationen am Freitag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo Tränengaspatronen in die Luft, die Kartuschen schrauben sich in die Höhe und ziehen einen weißen Schweif beißenden Rauchs hinter sich her. Die Demonstranten antworten mit Stein- und Flaschenwürfen und rufen nach ungewöhnlicher Hilfe.

"Zwiebeln! Zwiebeln! Wir brauchen Zwiebel", rufen sie den Schaulustigen auf den Balkonen zu. Neben den Lauchgemüse werden ihnen Dosen mit Limonade zugeworfen. Offenbar halten sich die Demonstranten an eine "To-Do-Liste für Demonstrationen", die eine unabhängige Zeitung in dieser Woche veröffentlicht hatte. Darin wurde den Demonstranten beim Beschuss mit Tränengas geraten, das Gesicht mit Limonade zu waschen und die ätherischen Öle von Zwiebeln zu inhalieren.

Nach einer kurzen Erholungspause laufen die jungen Männer durch die Menge und fordern die anderen Demonstranten auf, sich dem Protestmarsch wieder anzuschließen. "Jetzt sind wir daran gewöhnt", scherzt ein Mann und reibt sich die Augen. Er zieht seine Frau an die Spitze der Demonstration und sagt: "Trefft uns noch ein paar Mal und wir werden immun."

Tränengas und Gummigeschoße

Im verwinkelten Zentrum Kairos blockieren die Sicherheitskräfte Straßen und Plätze. Sobald sich die Demonstranten nähern, feuern Polizisten Tränengas und Gummigeschoße in die Menge. Männer entzünden Müllberge und Straßenschilder. In den Straßen vermengt sich der Gestank des brennenden Mülls mit dem Geruch nach Tränengas, Zwiebeln und Essig.

Die Ägypter haben stets ihren Mangel an Einigkeit und Organisation kritisiert. Am Freitag hingegen überraschen sie sich selbst. Junge Männer und Frauen leiten die Menge Richtung Innenstadt. Ältere Frauen marschieren Seite an Seite mit ihren Töchtern und Enkelinnen und rufen: "Nieder mit Mubarak. Nieder mit dem Regime." Der Demonstrant Kamal Mohammed sagt: "Wir wollen, dass Mubarak geht, aber stattdessen gräbt er sich tiefer ein. Er denkt, er beruhige die Situation, aber er verärgert die Menschen immer mehr."

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