Rotraud Perner im Interview

Großhirn gegen Stammhirn

Warum setzt bei mächtigen Männern bei Sex das Großhirn aus? Rotraud Perner analysiert.

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© APA
 

FBI-Chef David Petraeus stolpert über eine Affäre mit einer Mitarbeiterin, der Chef des US-Rüstungskonzerns Lockheed ebenso. Warum setzen Mächtige wegen Affären alles aufs Spiel? Macht Liebe unberechenbar?

ROTRAUD PERNER: Wir wissen nicht, ob es um Liebe, Begehren Machtgehabe geht. Was man aber sagen kann: Wenn Männer sexuell hocherregt sind, setzt das Hirn aus. Sonst würden viele nicht so viel riskieren - von Krankheiten bis zu Erpressungen. Der Volksmund sagt: Je länger der Penis, desto kürzer der Verstand. Es handelt sich oft auch um Männer, die ausgepowert sind und dann mit einer jungen Frau wieder ein Stück Jugend spüren. Bei Frauen setzt oft im Unterbewusstsein die Phantasie ein, der Mann könnte der Karriere nützlich sein.

Und deshalb agieren Mächtige oft wie Getriebene in einem unbeherrschbaren Prozess?

PERNER: Das sind nur jene, die glauben, sich aufgrund ihrer Macht alles herausnehmen zu können. Es gibt aber auch die Schüchternen, Disziplinierten, die schon abgeschlossen haben, sich gar nicht attraktiv finden und dann glauben, plötzlich den zweiten Frühling zu erleben, und vergessen, dass sie in einer gefährdeten Situation sind. Heute muss doch jeder rechnen, dass die Ex-Geliebte oder der Butler Memoiren schreibt. Besonders peinlich wird es, wenn jemand im Staatssicherheitsdienst arbeitet und nicht auf die Idee kommt, selbst überwacht zu werden. Um welchen Typ es sich aber auch handelt, gemeinsam ist ihnen die Selbstüberschätzung. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass es auch strategische Hintergedanken bei der Frau geben könnte.

Der Evolutionspsychologe Dietrich Klusmann meint, dass das Bindungsleben und das sexuelle Leben einer unterschiedlichen Logik folgen.

PERNER: Das sind Männerphantasien, die nicht verstehen wollen, dass Menschen ein Großhirn zum Denken haben. Aber manche paaren sich auf Stammhirn-Ebene.

Und warum setzt das Großhirn aus? Weil Gefühle stärker sind als die Vernunft?

PERNER: Das ist ein Gemeinplatz, der als Ausrede dient. Man kann Gefühle und Vernunft in Balance bringen. Das setzt aber eine Entwicklung und ethische Werte voraus. Ethik ist aber unmodern geworden. INTERVIEW: CARINA KERSCHBAUMER

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