5. weltweiter KlimastreikWas wird aus Fridays for Future?

Der 5. Weltweite Klimastreik findet heute unter anderen Vorzeichen statt. Die Corona-Maßnahmen schränken demokratische Rechte, wie öffentliche Demonstrationen ein. Was wird jetzt aus dem Klimaprotest und Fridays for Future?

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© Lena Schilling (Fridays for Future)
 

Die Bilder von früheren Klima-Demos wirken wie aus einer anderen Zeit. Österreichweit waren letzten Herbst zehntausende Menschen auf der Straße. Letzten Herbst war das Klima noch alles bestimmendes Wahlkampfthema, heute redet kaum wer darüber.

Veranstaltungsverbot, Versammlungsverbot im öffentlichen Raum und eine neue Krise, die alles andere in den Hintergrund drängt. Corona überschattet vieles, aktuell auch den Kampf gegen den Klimawandel. Es sind keine einfachen Zeiten für Fridays for Future, zumal die Bewegung vom öffentlichen Massenprotest lebt. Auch der Schulstreik als größter Hebel fällt in Zeiten von Home Schooling weg. „Manchmal ist da eine gewisse Traurigkeit, dass das Thema nicht mehr so stark im Vordergrund steht. Unsere laute Stimme für drängende Anliegen wie konsequente Klimapolitik ist geschwächt,“ sagt Anna Lindorfer von Fridays for Future

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Protest findet online statt

Die Bewegung steht aber keineswegs still. Der wöchentliche Protest findet  trotzdem weiter statt, nur eben online. Schließlich soll nach dem wärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn und ob der massiven Trockenheit niemand auf die Klimakrise vergessen. Es werden Demo-Schilder gebastelt, dann auf Sozialen Medien mit entsprechenden Hashtags geteilt und anschließend auf Balkone, an Fenster oder Gartenzäune gehängt. So soll sich der Protest auch physisch manifestieren und Menschen außerhalb der eigenen Social Media Blase erreicht werden. 

Beim heutigen fünften weltweiten Klimastreik gibt es außerdem Live-Streams mit Podiumsdiskussionen, Reden, Musik und auch einen digitalen Demozug, für den man sich online eintragen kann. Anschließend wird berechnet, wie lange der Demozug mit entsprechendem Sicherheitsabstand zwischen den Personen gewesen wäre. 

Austausch mit der Politik im Hintergrund

Dieselbe Sichtbarkeit wie volle Straßen hat all das natürlich nicht. Der Event-Charakter und die gemeinsame Emotion gehen verloren. „Aktivismus auf der Straße fühlt sich anders an als ein online Streik,“ sagt Lena Schilling von Fridays for Future. Auch ob an dem Online-Protest gleich viele Menschen teilnehmen wie an den echten Demonstrationen, ist schwer messbar.

Der Spirit der Organisation sei aber trotz allem noch da. Die internen Mühlen laufen auf Hochtouren. Es wird ununterbrochen telefoniert, organisiert, gemailt und Video-Konferenzen abgehalten. Und auch mit der Politik steht man weiterhin im Austausch. „Am Anfang haben wir uns kurz gedacht, wir können durchatmen. Dann haben wir gemerkt, diese Investitionen, die jetzt kommen, sind einfach so ein großer Hebel, das müssen wir kommunizieren,“ sagt Lindorfer. 

Forderungen nach Klimabedingungen

Die zentrale Forderung von Fridays for Future: Corona-Hilfsgelder müssen an Klimabedingungen geknüpft werden. So soll die Wirtschaft klimafreundlich wiederhergestellt werden. „Dieser Neustart ist die einmalige Chance, unser Wirtschafts- und Sozialsystem zu ökologisieren,“ sagt Lindorfer. Erste Ankündigungen in Richtung „grüner Wiederaufbau“ hat es vergangene Woche bereits von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gegeben. Jetzt fehlt nur noch die Umsetzung.

Die Klimakrise soll mit der gleichen Konsequenz angegangen werden, wie die Bewältigung des Coronavirus, fordert auch Lena Schilling. „Wir erleben jetzt, wie es sein könnte, wenn der Verkehr weniger wird, dadurch wird noch deutlicher, wie dringend wir uns öffentlichen Raum zurückholen müssen.“ Apropos öffentlicher Raum. Sobald das Gesundheitsrisiko eingeschränkt ist, will Fridays for Future zurück auf die Straßen. 

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