Klimafreundliche BeisetzungDer letzte Fußabdruck

Nachhaltigkeit war bisher selten ein Kriterium bei der Auswahl der Bestattungsform. Das Angebot für klimafreundliche Beisetzungen gibt es. Die Frage, welche Bestattungsform für die Umwelt am besten ist, wird immer wichtiger.

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Der Tod eines Menschen ist traurig, auch für den Planeten. Eine Kremation benötigt etwa fünf Kubikmeter Erdgas. Das entspricht 50 Kilowattstunden – mit derselben Energie läuft ein Fernseher rund 500 Stunden lang. Wer seinen letzten ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten möchte, kann ein klimaneutrales Bestattungspaket kaufen. Etwa beim Unternehmen mit dem Namen des ägyptischen Totenvogels, Benu. Es organisiert österreichweit Bestattungen. Das Unternehmen bietet Kunden an, jede Bestattungsform durch Kompensationszahlungen klimaneutral zu machen. Das heißt, dass Geld in Klimaschutzprojekte fließt, die CO2 an anderer Stelle verringern. "Doch weniger als drei Prozent der Kunden sind bereit, dafür Geld auszugeben", bedauert Christoph Schlarb, der Marketingchef von Benu. Die Kompensations-Zahlungen variieren nach Art der Bestattung.

Bei der klimafreundlichsten Variante kommt der Leichnam bereits mit einem E-Auto ins Krematorium. Benu arbeitet mit Krematorien zusammen, die klimaneutrale Einäscherungen anbieten. Das ist dank moderner Öfen und Filteranlagen möglich – es bleibt aber ein Rest, der durch Kompensationszahlungen abgegolten wird. "Wenn der Transportweg länger ist, gibt es einen Überführungsservice, der mehrere Leichname auf einmal transportiert", erklärt Peter Schauer, der in zwei Bundesländern Krematorien führt: "CO2 hin oder her – was transportiert wird, sind verstorbene Menschen. Nichts ist dramatischer als der Verlust eines geliebten Angehörigen. Da muss das Vertrauensverhältnis zum Krematorium stimmen. Ob dabei zwei Gramm CO2 mehr oder weniger emittiert werden, steht für die Trauerfamilie sicher nicht an erster Stelle."

Des Leichnams Kleider

Kärntens einziges Krematorium liegt in Villach. Nachhaltigkeit wird hier mitgedacht. In den vergangenen 15 Jahren wurden beide Ofenlinien erneuert: Sensoren stellen sicher, dass der 75-minütige Verbrennungsprozess energieoptimal abläuft. Das System kontrolliert die Temperatur, die Zugabe von Verbrennungsluft und die Abgase. Eine Filteranlage, die dreimal so groß ist wie die Öfen, holt Schadstoffe aus der Luft – die meisten stammen vom Leichnam und seinen Kleidern. "Der Gedanke der Nachhaltigkeit geht noch einen Schritt weiter", sagt Kärntens Landesinnungsmeister Walter Egger. Den Strom für die Filteranlage gewinnt das Krematorium durch Photovoltaik. Über einen Plattenwärmetauscher wird das Wasser, das das Rauchgas kühlt, zur Heizung der Friedhofshallen und des Gebäudes verwendet.

Der Verbrennungsprozess fällt bei einer Erdbestattung weg. Dass sie deshalb die umweltfreundlichere Variante ist, stimmt nicht: "CO2 ist nicht alles. Wenn jemand eine Chemotherapie hatte und dann begraben wird, gelangen Giftstoffe ins Erdreich", stellt Schauer klar. Dann wäre noch die Kleidung, die mitunter aus Polyester oder Nylon besteht. Bei einer Erdbestattung gibt es keine Filteranlage. Das Grab verbraucht außerdem Fläche. Dazu kommt meist ein Grabstein: "Der hat auch eine CO2-Bilanz. Viele Grabsteine stammen aus Indien und werden dort unter sehr dubiosen Umständen hergestellt", sagt Schauer, „vom Transportweg ganz zu schweigen.“

Die letzte Hülle

In Österreich gibt es eine Sargpflicht – auch bei der Kremation. Hier sieht der Benu-Marketingchef Potenzial für die Umwelt: „Muss man einen extrem stark geölten und lackierten Sarg nehmen? Wir empfehlen immer einen schlichten. Natürlich kann der Verstorbene in einem Mahagoni-Sarg verbrannt werden, dann verdient der Bestatter dabei ordentlich. Ein schlichter Sarg belastet die Umwelt aber weniger und ich finde ihn sehr schön", bekennt Schlarb. Bei Benu ist jeder Sarg nach einem Berg benannt – der Kiefernsarg „Schneeberg“, ein schlichtes Modell mit goldenen Dekorschrauben, ist am beliebtesten.

Ob man einem Menschen als letzte Hülle einen Pappendeckel geben will, muss jeder für sich entscheiden. Ich würde es nicht machen

Peter Schauer, Leiter zweier Krematorien in Österreich

Alternativen zum klassischen Sarg existieren. Die letzte Ruhe können Menschen auch in einem Karton finden. Zellulose-Sarg nennt sich das. Er ist nur für die Feuerbestattung zugelassen. In der Herstellung schont der Karton-Sarg Ressourcen, in der Anschaffung den Geldbeutel. „Man nennt das Zellulose-Sarg, aber im Endeffekt ist es ein Pappendeckel. Ob man einem Menschen als letzte Hülle einen Pappendeckel geben will, muss jeder für sich entscheiden. Ich würde es nicht machen", sagt Schauer, der bisher erst zwei Leichname in einem Zellulose-Sarg kremierte. Dieser Sarg bringt einen Nachteil in der CO2-Bilanz: Bei der Kremierung ist die Zellulose binnen weniger Minuten verbrannt. Dann fehlt der Brennstoff und Erdgas muss zugesetzt werden.

Der Friedhof ist tot

Wer sich einäschern lässt, wird zu Nährstoff. "Das ist ökologisch viel vorteilhafter, als sich in einem Sarg begraben zu lassen", ist Schauer überzeugt. Die Zeit der traditionellen Reihengräber neigt sich ohnehin dem Ende zu – Naturbestattungen haben Hochkonjunktur. Mehr als die Hälfte der Menschen, die jetzt vorsorgen und ihr Begräbnis planen, wünschen sich eine Naturbestattung. "Die wollen den Friedhof nicht mehr", stellt Schlarb fest. Aktuell werden erst rund 15 Prozent der Leichname im Wald oder in der Donau beigesetzt. Hier gibt es einen Bewusstseinswandel: "Die Leute wünschen sich etwas anderes als ihre Eltern", sagt der Benu-Marketingchef.

Urne
Urnen, die in der Donau oder im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt werden, sind biologisch abbaubar und nur ein paar hundert Gramm schwer. Im Bild: Christoph Schlarb Foto © Antonia Hotter

Beliebt sind Baumbestattungen, bei denen die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt wird. Streng reguliert, aber möglich sind Flussbestattungen. Dabei wird die Urne an einer dafür gewidmeten Stelle in der Donau von einem Schiff aus ins Wasser gelassen. Nach einer bestimmten Zeit löst sich die Urne auf und geht mit der Asche wieder in den natürlichen Kreislauf ein.

Das eigene Begräbnis

Vorsorge ist ein riesiges Thema bei Benu. Jeden Tag kommen mehr Menschen, die ihr eigenes Begräbnis planen wollen als Angehörige, die für einen akuten Trauerfall eine Bestattung bestellen. Auch wenn die Entscheidung oft noch hinausgeschoben wird. "Am Ende des Monats haben wir etwa 40 Vorsorge-Abschlüsse und 100 akute Trauerfälle", erklärt Schlarb. Beim Tod an die Umwelt zu denken, um seinen letzten ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten, findet er nicht übertrieben: "Das wird in Zukunft ganz selbstverständlich sein."

Zur Autorin

Antonia Hotter ist Studierende an der Katholischen Medienakademie.

Kommentare (4)
Katerchen
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Nachhaltigkeit

Die einzig wirklich nachhaltige Methode wäre kompostieren- ist in ein paar Ländern der Welt auch erlaubt. Und was man auf einen Grabstein schreibt, ist ja sowieso Sache der Hinterbliebenen.

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