Aufgeregt meldete sich eine Leserin bei der Kleinen Zeitung. Der Grund: Sie hatte ein Schreiben eines niederösterreichischen Anwalts erhalten – und in diesem wurde eine Geldzahlung gefordert. In dem Anwaltsbrief stand, sie müsse aufgrund einer Datenschutzverletzung auf ihrer Website 190 Euro für einen Vergleich bezahlen. In den Schreiben an die Unternehmen – wie sich herausstellte, haben schon Firmen österreichweit solche Schreiben erhalten – sei keine Geschäftszahl enthalten, so die Anruferin. Die Überweisungen sollen demnach lediglich den Verwendungszweck "Vergleich" beinhalten.

Die Angeschriebene nahm Kontakt mit der Wirtschaftskammer (WKO) auf und erfuhr, dass sich die Wirtschaftskammer bereits eingeschaltet hat und sich gegen die Briefe wehrt - offenbar mit Gegen-Anwaltsschreiben, weil die Zahlungsaufforderungen tatsächlich von einem echten Anwalt kommen sollen.

An WKO wenden

"Österreichweit erhalten momentan Unternehmen ein mit 06. 07. 2022 datiertes Schreiben, dass die von ihnen verwendete Website wegen z.B. Verwendung von Google Fonts gegen die Datenschutzgrundverordnung verstößt. Es wird ein Betrag von 190 Euro zahlbar bis 13. 07. 2022 gefordert sowie ein Auskunftsbegehren gestellt", informiert die WKO Niederösterreich.

Auch in der Steiermark und Kärnten haben Unternehmer und Unternehmerinnen bereits solche Schreiben erhalten. Die Wirtschaftskammer rät jedem und jeder Betroffenen, erst mal nicht zu bezahlen und sich an das Rechtsservice der Wirtschaftskammer zu wenden.

Google-Schriftfamilie

Hintergrund des Falles ist die Datenschutzgrundverordnung der EU, die seit 2018 in Kraft ist. Dieses Gesetz soll EU-Bürger vor dem Datenhunger großer US-Konzerne schützen und schränkt die Nutzung von persönlichen Daten durch IT-Giganten wie Meta, Amazon oder Google deutlich ein.

Was jedoch viele Unternehmer nicht wissen: Google bietet nicht nur eine Suchmaschine an, sondern hat auch eine große Palette an Schriftarten, sogenannten Fonts. Diese stellt der Konzern jedem Menschen und jedem Unternehmen zum Aufbau einer eigenen Webseite zur Verfügung. Geld verlangt Google dafür keines, doch dafür wird beim Laden dieser Google-Schriften die IP-Adressen der Besucher an den Suchmaschinen-Konzern übermittelt. Und genau das ist laut DSGVO seit 2018 nur noch mit Zustimmung der Nutzer erlaubt.

Die Wirtschaftskammer rät daher, sich die eigene Webseite genau anzusehen – wird das angesprochene Tool eingesetzt, wie wird es eingesetzt, findet eine Datenübertragung ans EU-Ausland statt? Das geht ganz einfach mit einem Online-Tool, beispielsweise von 54gradsoftware.