Die Vermittlung digitaler Kompetenzen gehört ins Klassenzimmer, unbestritten. Ab kommendem Schuljahr soll daher der neue Pflichtgegenstand „Digitale Grundbildung“ an den ersten drei Klassen der AHS-Unterstufe bzw. Mittelschule starten.

Das sind jene Klassen, die bereits zu Schuljahresbeginn 2021 mit digitalen Endgeräten ausgestattet wurden – oder hätten sollen. Denn bei der Auslieferung kam es zu Verzögerungen, dann wurden mitunter fehlerhafte Tablets geliefert. Wie aus einer Anfragebeantwortung an die Neos hervorgeht, warten noch Tausende Schülerinnen und Schüler auf ihr Endgerät. Im Büro von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) heißt es auf Nachfrage, dass die ausstehenden Geräte mit Anfang des kommenden Schuljahres geliefert werden. Damit sollen die Kinder gewappnet sein für ihr neues Fach.

Verbindliche Übung wird zum Pflichtfach

Eine Stunde pro Woche ist für digitale Bildung ab sofort verpflichtend vorgesehen. Bisher war es eine verbindliche Übung ohne Benotung mit geringerem Stundenausmaß. Inhaltlich sollen jetzt informatische Fähigkeiten sowie Medien- und Anwendungskompetenz unterrichtet werden. Der Lehrplan wurde diese Woche publik. „Nicht gerade früh“, kritisiert Martina Künsberg-Sarre, Bildungssprecherin der Neos. Außerdem: „Ein neues Fach wird eingeführt, aber man sagt den Schulen nicht, wer es genau unterrichten soll, absurd“.

Freiwillige Fortbildung für Lehrende

Darauf meint das Ministerium, wer bisher die verbindliche Übung gestaltet hat, könne nun das Pflichtfach unterrichten. Für diese Personen gibt es im Sommer einen zweiwöchigen Online-Fortbildungskurs an pädagogischen Hochschulen, der individuell und ortsunabhängig absolviert werden kann. Es sei aber kein Crashkurs für Einsteiger. „Die Vielzahl an entsprechenden Fort- und Weiterbildungsangeboten über die Pädagogischen Hochschulen werden intensiv genutzt. Also haben wir auf jeden Fall genügend Lehrerinnen und Lehrer, die das unterrichten können“, sagt Bildungsminister Martin Polaschek.

Künsberg-Sarre ist sich hier nicht so sicher. Digital-didaktische Fortbildungen müssten verpflichtend und nicht freiwillig sein, gerade wenn es ein Pflichtfach sei. Laut Ministerium obliegt die Überprüfung, ob eine Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern absolviert wurde, der Schulleitung. Ab Herbst startet jedenfalls ein Hochschullehrgang im Ausmaß von 30 Ects für schon im Dienst stehende Lehrkräfte. Ab 2023/24 ist ein eigenes Lehramtsstudium geplant. Viel zu spät, kritisieren die Neos.

"Gute Vorbereitung zentral"

Grundsätzlich sollte jede Lehrkraft über das Thema sprechen können, meint Juliane von Reppert-Bismarck in einem eigenen Interview zu Digitalisierung mit der Kleinen Zeitung. Die deutsche Journalistin gründete 2016 die Organisation „Lie Detectors“, die auch in Österreich aktiv ist. Journalisten sprechen hierbei in Klassenbesuchen mit Schülern über Medienkompetenz und Fake News. „Wenn Lehrer das Fach selbst unterrichten sollen, haben viele Sorge, dass ihnen die Kinder digital voraus sind. Wir haben gemerkt, dass sie einfach richtig gut vorbereitet gehören.“