Internationales InteresseCorona-Spürhunde des Heeres werden für die Forschung eingesetzt

Das Bundesheer hat zwei Covid-19-Spürhunde ausgebildet, die Viruspartikel aus dem Mund-Nasen-Schutz Infizierter erschnüffeln. In der Praxis sollen die Hunde derzeit aber nicht eingesetzt werden, ihre Arbeit dient der Forschung.

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Coronaspürhündin "Fantasy Forever" des Bundesheeres © APA/ROLAND SCHLAGER
 

Hunde erschnüffeln Drogen, Sprengstoffe, Bargeld, Leichen, unter Artenschutz stehende Tiere und können selbst Krebs und Diabetes
riechen. Nun sollen sie auch als Covid19-Spürhunde eingesetzt werden.
Beim Bundesheer lief dazu ein monatelanger Probebetrieb. „Derzeit gibt es neben der ersten ausgebildeten Corona-Spürhündin Fantasy ein weiterer Hund, ein Rottweiler, in einer derartigen Ausbildung“, erklärte der Kommandant des Militärhundezentrums, Oberst Otto
Koppitsch vor wenigen Monaten. Im tatsächlichen Einsatz befand sich da in Österreich noch kein Corona-Spürhund. „Bisher spürten die Hunde über 1.500 MNS-Masken erfolgreich ab“, sagt Koppitsch. „Seriöse Zahlen können erst am Ende der Erprobung ergehen.“

Am Dienstag, dem Allerseelentag, war es dann soweit: Nach einem Jahr lang des Testens und einer mehr als sechsmonatigen Ausbildung sind "Fantasy Forever vom Seetalblick", so der volle Name der Schäferhündin, und der Rottweiler "Hades" einsatzbereit. 3000 Tests wurden bisher durchgeführt - 80 Prozent waren erfolgreich.

In der Praxis sollen die Hunde derzeit aber nicht eingesetzt werden, ihre Arbeit dient der Forschung.

Wie Verteidigungsministerin Claudia Tanner betonte, war die Ausbildung der Coronaspürhunde in Kooperation mit dem Amt für Rüstung und Wehrtechnik, dem LKH Graz und dem Landesklinikum Stockerau möglich die Spitäler haben infizierte Masken geliefert.

Bundesheer mit Vorbildfunktion

"Als wir begonnen haben, waren noch keine Schnelltests verfügbar", erklärt Oberst Koppitsch. Deshalb wurde auch im Hinblick auf Bedrohung durch andere Viren geforscht.

Für die Zukunft sind internationale Kooperationen geplant, wie beispielsweise mit der Stadt Leipzig. "Das, bevor das Ergebnis publiziert ist." Leipzig plant ein Forschungsprojekt an der Klinik "aufgrund unserer Ergebnisse". Und will sich auch mit dem RC-Virus, das in Deutschland gerade massiv unter Kleinkinder kursiert, beschäftigen. Am 18. November kommen Trainer aus Leipzig in das Militärhundezentrum ins Burgenland.

Foto © (c) APA/HANS PUNZ

So funktioniert das Erschnüffeln des Virus

Infizierte entwickeln in der Lunge Sekundärstoffe, die der Hund anhand einer beatmeten MNS-Maske erkennen kann. Mit Hilfe eines Duft -
röhrchens, genannt SOKKS, in dem Geruchsmoleküle enthalten sind, in diesem Fall Stoffe, die das Coronavirus im Menschen entwickelt, wird der Hund auf den Geruch konditioniert und nach der Klicker-Methode bestätigt.

Nach dem Training beginn die Arbeit mit benutzten Masken. Um die Sicherheit des Diensthundes
und der Militärhundeführer zu gewährleisten, werden die Masken mit Hilfe von UV-Strahlen behandelt und die noch vorhandenen Viren inaktiviert.

Pilotprojekt aus Finnland

In Finnland erschnuppern Spürhunde seit Monaten erfolgreich Corona-Infizierte am Flughafen. Europaweit zum ersten Mal wurden im September des Vorjahres am Flughafen Helsinki in einem Pilotprojekt eigens trainierte Spürhunde eingesetzt, die bei Geruchsproben von ankommenden Passagieren anschlagen, wenn diese das Coronavirus in sich tragen. Die Hunde Kössi, Tiina, E.T. und Valo, allesamt Pioniere auf diesem Gebiet, wurden deshalb vom finnischen Hundezüchterverband als "Hundehelden" des Jahres 2020 ausgezeichnet.

Das Flughafenprojekt ist eine Kooperation der Organisation "Wise Nose", die seit Jahren Spürhunde ausbildet und die Hunde zur Verfügung stellt, der Gemeinde Vantaa, zu der der Flughafen gehört, und der Universität Helsinki, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Vertreter der Stadt Vantaa zeigen sich bislang angetan von den Ergebnissen, auch weil der Einsatz der Hunde lediglich 85 000 Euro im Monat kostet - ein Bruchteil der Kosten für die PCR-Tests, die gleichzeitig laufen.

Valo und E.T. mit ihren Trainerinnen am Flughafen von Helsinki Foto © (c) AFP (ANTTI AIMO-KOIVISTO)

Versuche in mehreren Staaten

Ein ähnliches Projekt gibt es am Flughafen Dubai. Und auch anderswo in der Welt - etwa in Südtirol, Frankreich oder England - wird mit dem Einsatz von Corona-Hunden experimentiert. In Deutschland stellte ein Team an der Tierärztlichen Hochschule Hannover eine Studie mit Spürhunden der Bundeswehr vor.

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