Honig-Bilanz 2021Imker kämpfen mit Wetter und Billig-Sirup aus China

Imker-Präsident Hetzenauer über ein durchwachsenes Jahr, absurde Auflagen und Labor-Honig aus China um 11 Cent pro Kilo.

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© (c) dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
 

Aus Imkerkreisen erreichen uns dieser Tage scheinbar widersprüchliche Nachrichten. "Es war ein schlechtes Jahr", konstatiert Gerhard Mohr, Obmann des Vorarlberger Imkerverbandes. Viele seiner Kollegen und auch er selbst hätten heuer so gut wie nichts geerntet. Mohr schätzt, dass der Ertrag um zwei Drittel eingebrochen ist. In den östlicheren Bundesländern fällt die vorläufige Bilanz 2021 teils deutlich positiver aus.

"Schuld ist der kühle und verregnete Frühsommer", erklärt Reinhard Hetzenauer, Präsident des Österreichischen Imkerbundes. Viele Völker mussten im Mai sogar gefüttert werden, weil sie zu wenig Futter vorfanden. "Das ist schon sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit." Bei ihm zu Hause in Tirol sei die Lage heuer auch schwierig gewesen. Blütenhonig gibt es in weiten Teilen Österreichs gar nicht, beim Waldhonig sieht es ein wenig besser aus.

Imkerei und Klimawandel

Die veränderten und teils extremen Wetterbedingungen können auch die Bienen stark beeinflussen. Die idealen Bedingungen für das Honigsammeln gibt es bei mildem, feuchten Wetter.

Wärmeres Wetter würde zunächst womöglich sogar positive Effekte zeitigen, allerdings darf es nicht zu warm werden. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad trocknet der Nektar in den Blüten und die Bienen gehen leer aus.

Der Österreichische Imkerbund befindet sich in Gesprächen mit der AGES, um den Einfluss des Klimawandels auf die Imkerei wissenschaftlich erheben zu lassen.

Die Imker im Osten haben hier Vorteile. "Akazie oder Sonnenblumen sorgten dort für mehr Ertrag, in Westösterreich kommen diese aber fast nicht vor", erklärt Hetzenauer das Ost-West-Gefälle. Leere Honigregale müssen wir deshalb nicht fürchten, allerdings liegt der Selbstversorgungsgrad in Österreich nur bei durchschnittlich 45 Prozent, der Restbedarf wird mit Importwaren gedeckt. Und diese können mit der heimischen Qualität oft nicht mithalten. Was die Schädlingsbekämpfung betrifft, kommen im Ausland beispielsweise Medikamente zum Einsatz, die hierzulande verboten sind.

Den Bio-Anteil in Österreich schätzt Hetzenauer auf rund zehn Prozent, ergänzt aber: "Viele Imker – mich eingeschlossen – arbeiten mit Bio-Standards, ohne sich zertifizieren zu lassen." Das hänge einerseits mit höherem (finanziellen) Aufwand zusammen, andererseits haben nur jene Imker Anspruch auf Bio-Förderungen (25 Euro pro Volk), die auch Boden besitzen oder pachten, der landwirtschaftlich genutzt wird. "Wir versuchen gegen diese Vorgabe anzugehen", betont der Imker-Präsident. Es könne nicht sein, dass man die Bio-Imkerei einerseits fördern will, und dann auf der anderen Seite solche widersinnigen Auflagen vorschreibt.

Ungemach droht den heimischen Imkern möglicherweise auch aus China. Dort wirbt der Lebensmittel-Riese Hangzhou Focus Corporation auf der Plattform Alibaba mit "Fruktose Sirup für Honig" um 11 Cent pro Kilo. "Der Sirup wird im Labor hergestellt und zur Honigverfälschung im großen Stil angeboten", berichtet Hetzenauer. In der Produktbeschreibung wird sogar detailliert angegeben, welche Echtheitstests dieser "Honig" besteht. Als Handelspartner werden etwa Nestlé, Kraft oder Unilever angegeben. "Wir haben das bereits bei Europol angezeigt", empört sich Hetzenauer.

Der Imkerbund habe seine Forderung nach klarer Herkunftskennzeichnung neuerlich bekräftigt, doch "Vertreter der Landwirtschaftskammer und die großen Abfüller stehen hier auf der Bremse." Den besten Honig bekommt man immer noch direkt beim Imker in der Umgebung, ist Hetzenauer überzeugt.

Kommentare (3)
Kulak
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Chemisch gesehen ist kein Unterschied

Und ob die Bienen mit Zucker gefüttert werden und daraus Honig machen oder man den Zucker gleich im Labor umwandelt - der Unterschied ist nicht riesig.

Erwerbsimkerei ist Intensivtierhaltung, mit allem was dazugehört.

Hummeln sind übrigens hervorragende Bestäuber.

DergeerdeteSteirer
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Da stellt es jeden Menschen, der nur einen Funken Hausverstand als sein Eigen nennen kann, die Haare senkrecht auf!


Im Endeffekt ist wie sehr oft jener Kunde maßgeblich daran schuldig, weil die "Geiz ist geil" Gesellschaftsteile solch einen "Ramsch" kauft, natürlich werden Firmen Ware anbieten, weil sie wissen, das rein von der Umwälzung der Ware solch "Ramsch" gekauft wird, der Konsument selbst kann dem durch den Nichterwerb eine klare Absage erteilen!

erstdenkendannsprechen
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viel konsumenten lesen halt "honig" und schauen auf den preis - supergünstig -

und kaufen.
dass das gar kein honig ist, steht ja nur im kleingedruckten, wenn überhaupt.
deswegen wär ja zumindest eine regelgung, dass das nciht als honig deklariert werden darf, sinnvoll.