Wirtin über Personalmangel"Unser Sozialsystem ist zu großzügig für die Generation Honiglebkuchen"

Tanja Hölzl vom „Bachwirt“ in Knittelfeld über die Ursachen des Personalmangels in der Gastronomie. Sie setzt nun Maßnahmen.

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Die Türen beim Bachwirt kann Tanja Hölzl nicht mehr sieben Tage offenhalten. Wegen des Personalmangels wird der Sonntag zum Ruhetag
Die Türen beim Bachwirt kann Tanja Hölzl nicht mehr sieben Tage offenhalten. Wegen des Personalmangels wird der Sonntag zum Ruhetag © Josef Fröhlich
 

Das Gasthaus Bachwirt in Knittelfeld ist für das urige Ambiente und den schattenspendenden Gastgarten bekannt. Seit der Eröffnung 1994 hat es – mit Ausnahme des Lockdowns – 365 Tage im Jahr für seine Gäste geöffnet.  Doch nun hat man einen Beschluss gefasst: „Ab dem 29. August werden wir vorläufig sonntags geschlossen haben“, sagt Juniorchefin Tanja Hölzl. Obwohl es einer der umsatzstärksten Tage sei, mache der Personalmangel die Einführung eines Ruhetages unausweichlich. Hölzl hat sich zum Thema Personalmangel und dessen Ursachen in ihrem eigenen Bachwirt-Blog Gedanken gemacht, die wir im Folgenden auszugsweise wiedergeben.

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Danke für Ihr Verständnis.

pecunianonolet
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realitätsfremd

1500 Euro Netto pro Monat kostet dem Arbeitgeber in der Steiermark 35.188,56 pro Jahr
1750 Euro -> 44.594,34
2000 Euro -> 53.140,82

An den Fakten könnt ihr Rotstrichler einfach nichts ändern.

X22
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Warum lassens die Kosten des nicht Daseins nicht einfließen

peterbau84
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Allgemein

Brauchen eh nur 5 Prozent Steuern zahlen. Bleibt eh mehr übrig als vorher.

Kariernst
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Jammern

Jammern das ist die Kunst die viele am besten beherrschen.
Fakt ist das wir in der Gastronomie miese Löhne bezahlen und harte Anforderungen an das Personal stellen und deshalb werden auch immer mehr Menschen aus Ungarn, Tschechien und so weiter bevorzugt eingestellt, doch die Krise hat die Situation verändert und diese Menschen haben einen anderen Beruf gewählt.
Ich kenne einige Betriebe in Österreich die ihre Angestellten zur Kurzarbeit angemeldet haben jedoch keine Skrupel besitzen und das Personal trotzdem zu 40 Arbeitsstunden verpflichtet so schaut es aus.
Die Wirtin sollte versuchen mit Arbeitslosengeld einens Kochs ihr tägliches Leben zu gestalten.
Zahlt endlich angemessene Löhne und behandelt euer Personal menschlicher

Balrog206
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Ernst

Eine Kua Anmeldung und mehr arbeiten ist zuerst mal egal , den abgerechnet plus minus wird nach Beendigung der Kua und den geleisteten std in dieser Zeit ! Wenn wir als Produktionsbetrieb zb 40% Kua hatten wie willst das genau nach std einhalten wenn mehr Aufträge da sind zum Glück ! Also abgerechnet wird danach !

Schauplatz
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Über die Jugend wird schon seit Generationen geschimpft

Aber all Jene, die glauben das die heutigen Jugend eine Honiglebkuchen Generation wäre, die sollten einmal darüber nachdenken wer diese Menschen erzogen hat und dann in sich blicken.
Die heutige Jugend ist großartig, fleißig, zielstrebig und sich ihres Wertes bewusst.
Sie wären ja ziemlich dumm, wenn sie bei genug Auswahl nicht eine gute Arbeit mit fairen Bedingungen wählen würden.
Ich verdiene gut, würde aber nie über Arbeitslose herziehen und ihnen nichts gönnen, da ich viele Schicksale dahinter kenne und froh und dankbar bin, dass ich nicht in einer solchen Situation bin.

Guccighost
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Ich würde der Wirtin raten

Die Öffnungszeiten sehr effizient zu gestalten.
Der Wirt kann nicht mehr von 7 Uhr früh bis Mitternacht und das 7 Tage die Woche für die Gäste da sein.
Diese Zeiten sind endgültig vorbei.
Ich wünsche diesen Menschen die auf die Gastro schimpfen dass sie sehr oft hungrig vor verschlossenen Häusern landen.

Murtal1977
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Ordentlich bezahlen…

Dann kriegt man auch gutes Personal! So einfach wär‘s!

Zuckerpuppe2000
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Vor allem

Besser behandeln! Ich habe als Studentin jeden Sommer 3 bis 4 Monate in der Gastronomie gearbeitet. Tägl. 12 bis 14 Std arbeiten war ganz normal, am Morgen noch putzen, Keller machen, Mittagessen irgendwann in der Küche, stehend, für einen lächerlichen Hungerlohn! 2 freie Tg im Monat und um die musste gekämpft werden. Gut hat sich jetzt das Blatt gewendet, die Gastronomen sollten mal scharf nachdenken wieso sie kein Personal bzw. Lehrlinge finden.

hithere
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Zahlt der Gast dann 10 Euro für 1 Bier?

Wenn der Gast dann wesentlich mehr für die Konsumation zahlt kann der Wirt auch mehr für seine Angestellten zahlen. Wie wärs mit 30 Euro für eine Pizza und für ein Glas Mineral 7 Euro? Passt das dann? Zahlts wer?

Guccighost
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Was willst den ordentlich zahlen

Bei den Einheimischen die fürs Schnitzel nichts geben wollen.

menatwork
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12,90 fürs Schnitzel vom Schwein in KF sind ja jetzt net grad nix.

Mit 1500 netto kann man sich das jedenfalls nicht recht oft (für die Familie) leisten. Und die komische netto, brutto Debatte der WKO, in die dieses seltsame Interview wohl gehört, ist lächerlich.

Denn den Löwenanteil davon machen Sozialversicherungsbeiträge aus und die haben den schlichten Grund, dass die Beschäftigten erstens eine Krankenversicherung und zweitens eine Pensionsvorsorge benötigen.

khst
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Die Sozialversicherungsbeiträge

sind nur ein - wenn auch großer - Teil der Lohnnebenkosten. Man darf nicht vergessen, dass der Unternehmer noch einmal soviel an SV zahlt (sogar ein bisserl mehr). Dazu kommen eine ganze Reihe von Steuern und Abgaben. Die SV ist aber sicher nicht der Löwenanteil der Abgaben - und selbstverständlich weiß ich, dass die Lohnsteuer ein Arbeitnehmeranteil ist, bezahlt muß sie dennoch vom Arbeitgeber werden, wenn auch als Teil des Lohnes

lieschenmueller
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nichts geben wollen

Zu Zweit kommt man unter 50 Euro aber kaum aus.

Verdienen tut man eh nicht am Schnitzel, sondern am Salat, der Suppe oder den Getränken.

Murtal1977
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Beim Bachwirt war‘s nie billig…..

….trotzdem immer gut besucht!

Roland gasser
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Unterlassene Politik

Teil II
Durch das Unterlassen von Politik, fiskalischer Regulation, verlagerte sich die politische Macht (über die geänderten Zielsetzungen und Rahmenbedingungen des "Arbeitsmarktes" im Kontext Volkswirtschaft) letztendlich zunehmend in die Hände der SpekulantInnen, AnlegerInnen bzw. Konzerne, was wiederum zur Folge hatte, dass es für selbstständig wie unselbstständig Erwerbsabhängige gleichermaßen anstelle längst fälliger Ent-Lastungen zu immer höheren Mehr-Belastungen kam. Mich würde ungemein freuen, wenn sich die Menschen dieses Landes mit gesamtwirtschaftlichen insbesondere finanzmarkttechnischen Phänomenen näher auseinandersetzen würden, erstens um zu erkennen wie sich übergeordnete Ebenen des Systems bis zu jedem Einzelnen auf uns herunter durchschlagen und zweitens, damit sich an Stelle eines egozentrischen, betriebswirtschaftlichen Weltbildes mehr Solidarität und Mitgefühl in unserer Gesellschaft (mit unselbstständigen, genauso wie mit selbstständigen Erwerbsabhängigen und Erwerbslosen) etablieren können, anstelle den rechtspopulistischen Sozialrassismus gewisser regierungsnahen Medien zu unterstützen und ihm ins offene Messer zu rennen.

Roland gasser
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Unterlassene Politik

Teil I
Wir sind an dem Punkt angelangt, wo regierungsfreundliche Medien in Kooperation eines rechtspopulistischen Mobs an Industriellen und Investoren, gezielt mit der Unbildung von Wirtsleuten Spaltung unter die Bevölkerung bringen, anstelle mittels journalistischer Kompetenz der Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen was volkswirtschaftlich tatsächlich in unserem Land schiefläuft. Kleine und mittlere Unternehmen wähnen sich in der Reproduktion extremistischer Beschäftigungs-, Expansions- und Wachstumsideologien auf der sicheren Seite, sind es ja sie selbst, die sich über den Zugriff auf immer noch billigere Arbeitskräfte Prosperität erhoffen.
Gefangen im betriebswirtschaftlichen Mikrokosmos ist der Frau Gastwirtin leider die Komplexität des ökonomischen Sachverhalts entgangen. Der sogenannte Arbeitsmarkt in Österreich hat dazu geführt, dass in einzelnen Bereichen der (Privat)Wirtschaft sich über die Jahrzehnte enorme Rücklagen aufgestaut haben, wo es der neoliberale Staat verabsäumte Steuern einzuheben, um die Reziprozität einer demokratischen Republik zu gewährleisten. Die sich aufgrund fehlender Politik und somit fehlender Regulative glücklich schätzenden InvestorInnen leb(t)en dadurch - vom Staate unbehelligt und ohne eigene Arbeit (sondern über die Arbeit der anderen) - wie die Maden im Speck und veranlag(t)en, darüber hinaus, ihre Gewinne großteils nur mehr in den Finanz- und Immobilienmärkten.

melahide
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Mich würde noch

interessieren: bei uns daheim war es früher so. Besitzer eines Gasthauses war meistens eine Familie. Eine(r) hat gekocht, 2. Person machte den „Ausschank“. Die „ältere“ und die „jüngere“ Generation half mit. Zum Wochenende/bei Feiern gab es „Aushilfen“ aus dem Dorf. Irgendjemanden fand man immer der/die sich was dazu verdienen wollte. Und 2-3 Damen machten die Reinigung. Ist das heute nicht mehr möglich? Greift man in der Gastronomie selber nichts mehr an? Ist man da „nur noch“ Chef?

GustavoGans
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Von 10 Leuten

die lange und gerne in der Gastronomie tätig sind/waren werden wohl 9 im Schnitt ihren Kindern folgenden gut gemeinten Rat mitgeben: Geht nicht in die Gastro, lernst was Anständiges.

Guccighost
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Du scheinst mir sehr verbittert zu sein

Aber ich gebe dir recht in der Küche zu arbeiten ist wirklich ein Knochenjob.
Ein Cousin von mir hat schon mit 48 wegen ein paar weh Wechen bei der Eisenbahn in Pension gehen können.
Ein Bekannter Küchenchef musste noch mit 60 Vollgas hackeln
obwohl auch gesundheitliche Probleme.

GustavoGans
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Nein, ich bin gar nicht verbittert

Aber ich bin und war immer schon der Meinung, dass ein Mitarbeiter, der mehr arbeitet als von MO bis FR von 8 bis 17 Uhr mehr verdienen muss als eben ein Mitarbeiter mit geregelten Arbeitszeiten.
Und dass jemand, der permanenten Stress ausgesetzt ist, mehr verdienen muss als ein Büromitarbeiter, bei dem es egal ist, ob er die Arbeit jetzt macht oder erst in einer halben Stunde. Den der Gast wartet nicht eine halbe Stunde.
Jeder Kellner oder Koch sollte mehr verdienen als ich im Handel (nein, ich arbeite natürlich nicht an der Billa Kassa, ich habe aber auch keine führende Tätigkeit, ich verkauf einfach nur viel, so wie früher in der Gastro). Und jeder der mehr arbeitet als ich, und dass sind viele in der Gastro, der sollte auch mehr verdienen als ich. Und mein Verdienst ist immer über 2.000 netto.

gberghofer
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Die Behandlung der Mitarbeiter ist in einigen...

.... Teilen sicher verbesserungswürdig. Der schlechte Ruf der Branche ist bekannt. Gute Betriebe die auf ihre Leute schauen haben sicher weniger Probleme. Geregelte Freizeit gibt es fast nicht, eine Planung der Freizeitgestaltung ist daher schwer möglich. Jederzeit kann der Anruf des Wirtes kommen dass er den Mitarbeiter braucht. Auch in angesehenen Betrieben ist die Auszahlung der Sonderzahlungen (13. und 14. Gehalt) keine Selbstverständlichkeit. Die Arbeiterkammer kann ein Lied davon singen. Dazu kommt noch dass es in westlichen Bundesländern sehr viele Saisonbetriebe gibt die außerhalb der Saison einfach schließen. So gesehen ist eine Arbeitslosigkeit unvermeidlich. Soll ein Arbeitsloser aus Wien dort alles aufgeben und nach Vorarlberg ziehen? Ohne Trinkgeld lebt ein Kellner sehr schlecht.

SoundofThunder
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1500€ sind in dieser Branche eh schon gut bezahlt.

Ist aber offensichtlich zu wenig. In den meisten Lokalen arbeiten eh schon Rumänische KellnerInnen die es auch für 1100€ tun.

Schauplatz
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Immer die selben Argumente von Seiten der Gastronomie

Schlecht und faul sind alle Arbeitslosen, die wollen nur Geld und Freizeit etc. etc. Unsere Jugend ist wunderbar und kann sich zum Glück die Arbeit aussuchen. Niemand nimmt einen wenig attraktiven Job an, wenn er in einer anderen Branche leichter sein Geld verdient,.
Nicht alle Arbeitslosen sind jung und vital., viele wären ja schon ausbildungsmäßig nicht in der Lage einen Gastronomiejob anzunehmen. Viele davon sind bereits Älter und körperlich so fertig, dass sie keine Schwerarbeit mit vielen Überstunden leisten können.
Für Frau Hölzl zum Nachdenken: Gastronomen, die ihr Personal gut und wertschätzend behandeln und nicht ausbeuten sind auch in der Branche bekannt und haben sehr gutes Stammpersonal. Aber Gastronomen, die ihre Mitarbeiter wie Sklaven behandeln (wenig Lohn für sehr viel Arbeit, schlechte Unterkünfte etc,) werden wohl auf der Strecke bleiben und das zu Recht.

geto84
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Wir haben 360.000 gemeldete Personen beim AMS...

Bei diesen Zahlen muss es für einen Betrieb egal in der Gastro oder andere Branche doch möglich sein, einen Mitarbeiter zu finden und zu bekommen. Aktuell gibt es ca. 110.000 offene Jobs und ich behaupte es gibt noch viele mehr. Das Arbeitslosengeld ist zur Überbrückung bis man einen neuen Job hat!

Wenn man steigende offene Jobangebot hat und diese bei diesen Arbeitslosenzahlen nicht mehr besetzen kann, dann liegt ein Fehler im System nahe.

Die 3 folgende Änderungen würden helfen:
- Lohnsteuersenken
- Arbeitslosengeld nach X Monaten weiter absenken
- einfachere Sanktionsmöglichkeiten für das AMS

FRED4712
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wie wärs mit einer 4. Änderung...

nach dem 3. abgelehnten job das AG um 20 % senken, nach dem nächsten jeweils um weitere 10%.....solange man von dem Geld schön leben kann, wird sich nichts ändern...und vor allem: viel mehr Personal für das Aufspüren von Schawarzarbeitern.

 
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