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Prozess in EisenstadtMutter und Oma wollten Sechsjährige entführen: Verurteilt

Die beiden Frauen stritten eine geplante Entführung ab, Zeugenaussagen und Umstände brachten sie aber in Erklärungsnot. Sie waren in Graz festgenommen worden.

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++ THEMENBILD ++ ´JUSTIZZENTRUM IN EISENSTADT´
© (c) APA/ROBERT JAEGER
 

Eine 38-jährige Mutter ist am Montag in Eisenstadt vor Gericht gestanden, weil sie gemeinsam mit der 62-jährigen Oma versucht haben soll, ihre eigene Tochter entführen zu lassen. Die beiden Frauen sollen einen Bekannten mit der Entführung beauftragt haben, um das sechsjährige Mädchen mit nach Lettland nehmen zu können. In Österreich lebt das Kind bei der Großmutter väterlicherseits, die auch das alleinige Sorgerecht hat. Die Frauen bekannten sich nicht schuldig.

Die Mutter wurde zu einer teilbedingten Haftstrafe von zehn Monaten, die Oma zu 15 Monate teilbedingt verurteilt. Den Frauen wird ein Großteil der Haftstrafen bedingt nachgesehen, jede wurde zu einem Monat unbedingt verurteilt. Weil sie seit Mai in U-Haft sitzen und diese ihnen angerechnet wird, werden sie enthaftet, sagte Richterin Daniela Berger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die sechsjährige Tochter der 38-Jährigen lebt weiterhin in Österreich bei der Großmutter väterlicherseits, die auch das alleinige Sorgerecht hat.

Schwere Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt warf ihnen das Vergehen der Kindesentziehung und das Verbrechen der schweren Körperverletzung vor. Anfang Mai sollen sie versucht haben, das Mädchen vom Kindergarten abzuholen. Dort sei ihnen das Kind aber nicht übergeben worden. Deshalb hätten sie den Bekannten gebeten, die Sechsjährige für sie zu entführen. Danach wollten sie laut Anklage mit dem Kind in ihre Heimat nach Lettland fahren. Damit der Vater ihnen dabei nicht in die Quere komme, sei geplant gewesen, ihn in eine Schlägerei zu verwickeln.

Der Bekannte verständigte aber die Polizei und arbeitete mit ihr zusammen, sodass die beiden Frauen am Tag der vereinbarten Übergabe nach der Entführung in Graz festgenommen wurden. Sie gaben vor Gericht an, nicht einmal gewusst zu haben, dass die Mutter kein Sorgerecht mehr hatte. Die Unterschrift auf entsprechenden Dokumenten sei nicht von ihr, meinte die 38-Jährige. Sie habe ihre Tochter sehen wollen, aber der Vater habe sich quergelegt. Eine Entführung sei jedenfalls nicht geplant gewesen. Am Tag der Festnahme hätten sie ohne die Sechsjährige nach Lettland fahren wollen.

Entführung "angedacht und verworfen"

Die 62-jährige Oma erzählte Ähnliches, sprach aber auch davon, dass eine Entführung kurz angedacht gewesen, aber wieder verworfen worden sei. Sie hätten sich Sorgen um das Mädchen gemacht und befürchtet, dass es ihm bei der Familie des Vaters schlecht gehe. Nach Lettland hätten sie fahren müssen, weil die Polizei ihnen zuvor gesagt habe, sie müssten Österreich binnen drei Tagen verlassen, weil sie nicht gemeldet seien. Im Auto hatten die beiden bei der Festnahme auch die Geburtsurkunde und den Reisepass der Tochter, Kindergewand und über 2.500 Euro Bargeld, sagte ein Ermittler vor Gericht.

Der Bekannte, der mit der Entführung beauftragt wurde, und der Vater des Mädchens erzählten, dass die Frauen gewusst hätten, dass das Sorgerecht bei der Großmutter sei. Es sei eine gemeinsame, "logische" Entscheidung gewesen, das Sorgerecht der Oma väterlicherseits zu übertragen, weil das Kind dort gewohnt habe und auch dortbleiben habe wollen. Der Bekannte betonte, dass er im Zusammenhang mit der Entführung hauptsächlich Kontakt mit der 62-Jährigen gehabt habe. Ein Urteil wird für Montagnachmittag erwartet.

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