HintergrundWie entstehen Tornados?

Bekannt sind Tornados vor allem aus den USA, wo sie auch Twister genannt werden. Aber euch in vielen europäischen Staaten treten Tornados auf.

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Ein Tornado war im Juli 2017  in Schwechat zu sehen
Ein Tornado war im Juli 2017 in Schwechat zu sehen © APA/PRIVAT
 

Auf Bildern und Videos in den sozialen Medien war eine gewaltige Windhose zu sehen, die gestern in der Nacht eine Schneise durch den Südosten Tschechiens gezogen hat.  Wie viele Menschen ums Leben gekommen und verletzt worden sind, ist derzeit noch unklar. In mehreren Dörfern sind Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zerstört, Bäume umgestürzt und Autos umhergeschleudert worden. Die Situation dort sei wie in einem Krieg, wurde im tschechischen TV berichtet. Der Wetterdienst CHMU bestätigte später, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe.

Tornados nicht selten

Tornados sind auch in Österreich gar nicht selten: Von 1951 bis 2010 wurden geschätzt rund 100 Tornados in Österreich registriert. Immer wieder entstehen Windsäulen und legen zig Kilometer lange Schadenspuren.

Hier eine 3D-Animation der Superzelle, die das nördliche Weinviertel und in weiterer Folge Südmähren getroffen hat.

Der heftigste in Österreich registrierte Tornado zog 1916 über den Norden von Wiener Neustadt und tötete 34 Menschen und verletzte 328. Zahlreiche massiv gebaute Häuser wurden zerstört, die Schneisenlänge  betrug rund 20 Kilometer.

Foto © Wikimedia

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden entstehen. Sie haben die Gestalt eines rotierenden Schlauchs, der von einer Regenwolke bis zum Erdboden reicht. Trotz ihres relativ geringen Umfangs verfügen sie aufgrund der Rotationsgeschwindigkeit über die stärkste Energie aller Wirbelstürme.

Bis zu 500 km/h Windgeschwindigkeit

Die Windgeschwindigkeit innerhalb des Wirbels mit einem Durchmesser von einigen Dutzend bis zu wenigen 100 Metern kann in Extremfällen bis zu 500 km/h betragen. Schon nach relativ kurzer Zeit verschwinden die Wirbel wieder, können aber innerhalb ihrer kurzen Lebensdauer bis zu etwa 30 Kilometer weit ziehen.

Wie entsteht ein Tornado?

Ein Tornado (auch "Windhose" oder "Großtrombe" genannt) ist ein schnell rotierender Luftwirbel mit einem Durchmesser von oft nur 50 bis 100 Metern,  der von der Unterseite einer Wolke bis zum Erdboden oder der Wasseroberfläche reicht. In ihm können zerstörerische Windgeschwindigkeiten von um die 500 km/h auftreten. Die Entstehung von Tornados ist immer noch nicht bis ins letzte Detail geklärt – die Grundprinzipien allerdings sind klar.

Tornados entstehen, wenn sich bodennahe sehr feuchtwarme Luft und trockenkalte Luft in der Höhe übereinander schichten. Meteorologen nennen eine solche Schichtung "labil" – sie führt nämlich dazu, dass es plötzlich zur enormen Luftmassenumwälzungen kommen kann: Die (leichtere) feuchtwarme Luft steigt auf, die (schwerere) trockenkalte sinkt ab. Dadurch entstehen zunächst mal heftige Gewitter. Wenn dazu noch am Boden andere Windgeschwindigkeiten und -richtungen herrschen als in der Höhe ("vertikale Windscherung"), sind die Grundvoraussetzungen für die Entstehung eines Tornados gegeben.

Ein Gewitter mit einem durch die Windscherung rotierenden Aufwind nennt man auch "Superzelle". Durch den Aufwind strömt immer mehr Luft in das Innere des Schlauchs nach, die Aufwinde erreichen dort immer rasendere Geschwindigkeiten. Das streckt die rotierende Luftsäule in die Länge, was zum bekannten Pirouetteneffekt führt: Wie bei einer Eisläuferin, die ihre Arme anzieht, wird immer mehr Masse zur Drehachse geführt, wodurch sich die Drehgeschwindigkeit weiter erhöht.

Neben Tornados, die in Gewittern entstehen, gibt es auch solche, die nicht unter einer Gewitterwolke entstehen, sondern in Gebieten, in denen Luftmassen horizontal aufeinander treffen – dadurch muss dann die Luft nach oben ausweichen. Bedingung ist auch hier aber eine hohe "Labilität", das heißt: feuchtwarme Luft unten und trockenkalte Luft oben.

Tornados können sich im oder gegen den Uhrzeigersinn drehen – egal, ob auf der Nord- oder der Südhalbkugel. Die Corrioliskraft nämlich, die für die Drehung der Hochs und Tiefs verantwortlich ist, spielt bei dem kleinen Durchmesser eines Tornados keine Rolle.

Quelle: daserste.de

Kommentare (4)
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Immer wieder entstehen Windsäulen und legen zig Kilometer lange Schadenspuren, vor allem durch Getreidefelder.

Genau! Maisfelder und auch Kürbisanbauflächen werden von Tornados eher vermieden. Hin und wieder triffts auch Wälder, aber warum Tornados eher Getreidefelder bevorzugen, weiß keiner so genau...

Vielen Dank dem Ferialpraktikanten für diesen Beitrag!

KleineZeitung
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Fehler im Artikel

Danke für den Hinweis, wurde korrigiert. Der Ferialpraktikant wird immer wieder gerne zitiert, aber in der Hektik passieren um sieben Uhr in der Früh auch gestandenen Redakteurinnen oder Redakteuren leider kleine Fehler. Mit lieben Grüßen aus der Redaktion!

Carlo62
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@Kleine Zeitung

Ich kann aufstehen wann ich will, aber ein das/dass Fehler wie im Artikel von Frau Anna Stockfellner von ca. 11:20 würde mir nie von der Tastatur kommen. Außerdem solltet Ihr nochmal die Einleitung Korrekturlesen: euch oder doch auch?
Mir tut nur der Chefredakteur leid, wenn sich die „Praktikant*Innen“ nicht an die Regeln halten die da wären: Korrekturlesen durch einen Zweiten im Team und Freigabe durch den Resortleiter.

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No problem

war ja a net als Vorwurf gemeint der Ferialpraktikant ;) (non-verbal is net immer leicht, die richtige Ausdrucksform zu dawischn)