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MillionenwerteUS-Bürger wollten 95 Musikinstrumente nach Österreich schmuggeln

Die Instrumente, die in Tarvis an der Grenze in drei gestoppten Lieferwagen entdeckt wurden, zählen zur größten Sammlung dieser Art weltweit. Sie standen im Besitz des kubanisch-amerikanischen Alte-Musik-Experten José Vazquez, der lang in Wien gelebt hatte und im März an Covid verstarb.

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Die Carabinieri haben beim Grenzübergang in Tarvis drei Lieferwagen mit 95 antiken Streichinstrumenten von unermesslichem Wert an Bord konfisziert © Nucleo dei Carabinieri per la Tutela del Patrimonio Culturale di Bologna
 

Die Carabinieri haben beim Grenzübergang in Tarvis drei Lieferwagen mit 95 Jahrhunderte alten Streichinstrumenten von unermesslichem Wert an Bord konfisziert. Sie sind Teil der größten Sammlung dieser Art weltweit, die im Besitz des verstorbenen kubanischen Musikers José Vazquez stand. Zwei US-Bürger - Vazquez´ Bruder und dessen Ehefrau, die die Streichinstrumente illegal nach Österreich einführen wollten - wurden angezeigt.

Beschlagnahmt

Die Carabinieri in Tarvis berichteten, dass die Beschlagnahme nach Ermittlungen im Einklang mit den Sicherheitskräften aus Bologna erfolgt sei. Die Streichinstrumente befanden sich zusammen mit Gemälden, Partituren und anderen Gegenständen von hohem künstlerischem Wert in drei Lieferwagen eingepfercht. Die US-Bürger hatten keine Genehmigung seitens des Kulturministeriums in Rom zur Ausfuhr der Instrumente.

Sie sind Teil der größten Sammlung dieser Art weltweit, die im Besitz des verstorbenen kubanischen Künstlers José Vazquez stand Foto © Nucleo dei Carabinieri per la Tutela del Patrimonio Culturale di Bologna

Illegaler Export

Die Lieferwagen waren von Bologna abgefahren und wurden auf der Autobahn A23 angehalten. An Bord befanden sich vier Personen. Die beiden US-Bürger wurden von der Staatsanwaltschaft Udine wegen versuchtem illegalem Export von Kulturgütern angezeigt. Konfisziert wurden Bratschen, Geigen, Celli und andere Streichinstrumente aus der Zeit zwischen 1550 und 1780. An Bord wurden insgesamt 150 Gegenstände entdeckt, darunter eine antike chinesische Vase, vier Partituren und ein Ölgemälde mit Szenen von Musikanten aus dem 17. Jahrhundert.

 José Vazquez, kubanischer Musiker in Wien

Die beschlagnahmte Sammlung stand im Besitz des kubanischen Künstlers José Vazquez, der in Chicago und Basel studiert hatte und als Virtuose auf dem Gebiet der "Alten Musik" galt. Ab 1982 unterrichtete er als Professor für Viola da Gamba an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. In seiner Karriere hatte er mit Künstlern wie Riccardo Chailly und Franz Welser-Möst zusammengearbeitet.

Vazquez war im März im Alter von 70 Jahren am Coronavirus verstorben. Seit Jänner befand sich die Sammlung im Schloss Orsini-Odescalchi in Bracciano bei Rom, davor war sie im Museum San Colombano in Bologna und im Schloss von Duino in Triest ausgestellt.

Großes Aufsehen

In Italien erregt der vereitelte Schmuggelversuch großes Aufsehen, weil es sich um einen Kulturschatz ungeheurer Bedeutung handelt. Nach Angaben der aus Bologna zuschlagenden Carabinieri-Einheit zum Schutz staatlicher Kulturgüter handle es sich um die weltweit größte Sammlung historischer Instrumente der Epoche von 1500 bis 1780, das bedeutet aus der Blütezeit des Barock. Zwei der vier mit der unschätzbar wertvollen Lieferung in Tarvis festgehaltenen Personen wurden von der Staatsanwaltschaft Udine angezeigt.

Rückblick

KK
Gambist, Hochschulprofessor in Wien und Sammler aus Passion: José Vazquez (1955-2021) © KK

2007 sagte José Vazquez, 1955 in Havanna geboren und in den USA aufgewachsen, bei der Präsentation seiner wertvollen Instrumente im Barockmuseum Salzburg: "Ich verwalte keine alten Kisten aus Holz, sondern einen außergewöhnlich schönen Klang. Daher stehen die Instrumente aus meiner Sammlung nicht nur dem Publikum, sondern auch Musikern und interessierten Geigenbauern zum Anschauen, Spielen und Studieren zur Verfügung. Wenn wir keine jungen Musiker ins Museum kriegen, die diese Instrumente mit Leben erfüllen, dann sind sie verloren", sagte der Sammler, der seine Exponate zu 40 Prozent von Händlern, zu 30 Prozent von weltweiten Auktionshäusern und zu 30 Prozent von Privaten zusammengetragen hat.

"Einmal habe ich gegen das Kunsthistorische Museum in Wien geboten und mich knapp durchgesetzt. Hätte ich verloren, dann stünde die in Salzburg gezeigte Bassgambe von Stainer jetzt unrenoviert und leblos in einem Keller des Museums in Wien - ein Verbrechen, gegen das ich ankämpfen musste", so Vazquez. "Ich kann ohne die etwa 40 Gamben drei große Barockorchester mit historischen Instrumenten aus der Geigenfamilie ausstatten. Ensembles bestücke ich häufig so, dass sie CDs und Konzerte auf Instrumenten aufnehmen und spielen können, die exakt zur Literatur passen und die auch den Komponisten zur Verfügung gestanden sind."

In der Sammlung, die seinerzeit in Schloss Kremsegg bei Kremsmünster untergebracht war, finden sich nicht nur Arbeiten des Tirolers Jakob Stainer, der zu seiner Zeit der teuerste aller Instrumentenbauer war, sondern auch Instrumente von Nicolo Amati, Carlo Testore, Giovanni Paolo Maggini oder Gian Antonio Marchi aus Italien sowie Johannes Schorn, Sebastian Dallinger, Johann Christoph Leidolff, Michael Andreas Partl, Anton Posch, Johann Georg Thir oder einen extrem hochwertig gebauten Kontrabass von Johannes Udalricus Eberle aus Österreich. Daneben gibt es Instrumente der Deutschen Joachim Thielke, Sebastian und Aegidius Kloz oder des Engländers William Turner und des Franzosen Louis Guersan.

 

 

Kommentare (4)
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petrbaur
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8
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..

warum muss man die ausfuhr für sowas bewilligen lassen? wenn die instrumente mir gehören kann ich doch wohl damit machen was ich will oder ?

michaeluray
2
6
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Siehe dazu das Übereinkommen über

Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut

Miraculix11
2
3
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Siehe Text im Artikel

"In der Sammlung, die seinerzeit in Schloss Kremsegg bei Kremsmünster untergebracht war"...Sein Fehler: Er hat die Sachen in ein Land (Italien) gebracht aus dem er nicht mehr ausführen darf. So kanns einem gehen mit seinem Eigentum in der EU.

robert123456789
9
4
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