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Drei Jahre HaftEx-Fernsehmoderator wurde Drogendealer

Der Mann erklärt das Abgleiten auf die schiefe Bahn mit einer Lebenskrise. Er nahm seine Strafe ohne zu zögern an und bedankte sich "für die faire Behandlung".

OBER�STERREICH: PROZESS GEGEN MUTMASSLICHE STAATSVERWEIGERER IN STEYR
© (c) APA/KERSTIN SCHELLER
 

Ein ehemaliger Fernseh-Moderator ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht wegen Suchtgifthandels rechtskräftig zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt verurteilt worden. Der bisher Unbescholtene hatte seit dem Frühjahr 2018 Kokain im Mehr-Kilo-Bereich aus Slowenien und Holland nach Wien gebracht und Abnehmer in den Bundesländern versorgt, wobei er größere Lieferungen persönlich zustellte und kleinere Mengen mit der Post verschickte.

Der Mann war nach dem plötzlichen Tod seiner Lebensgefährtin in eine tiefe Krise geraten ("Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen"). An einem Marktstandl ("Dort gibt's herrliche Fische, herrlichen Wein") lernte er einen umtriebigen Geschäftsmann kennen, der ihm nach einigen Treffen ("Da steht man halt so beisammen und unterhält sich") Kokain anbot ("Man probiert es halt"). Schließlich stellte der frühere TV-Moderator fest, dass sein neuer Bekannter auch mit Suchtmitteln handelte.

Er habe ihn daraufhin gefragt, ob er nicht einen Job für ihn habe, schilderte der Angeklagte nun einem Schöffensenat: "Ich war so naiv, ich hab' mir nichts dabei gedacht." Es gab tatsächlich eine Tätigkeit, für die der telegene Mann zu gebrauchen war - er betätigte sich als Drogenkurier.

"Wie in einem schlechten Film"

Für die Fahrten, von denen er jeweils mit mehreren Kilogramm Gift zurückkehrte - die Übergaben fanden zum Beispiel auf einem Parkplatz in Marburg oder auf offener Straße im steirischen Leibnitz statt, die Ware war meist in Spielzeugschachteln verpackt -, erhielt der Mann seinen Angaben zufolge jeweils 1.000 Euro. Für kleinere Transporte gab es "ein Gramm Kokain und ein paar Hundert Euro", berichtete er dem Gericht. "Als ich in U-Haft war, hab' ich erst erfahren, was ich verlangen hätte können, was der Marktpreis war", betonte er.

"Das ist alles wie in einem schlechten Film", bemerkte die vorsitzende Richterin Claudia Bandion-Ortner. "Ein ganz schlechter Film", erwiderte der Angeklagte, "ein B-Movie". Am 11. August 2020 war er in seiner Wohnung festgenommen worden, bis kurz vor Weihnachten saß er in U-Haft. Da er umfassend mit den Strafverfolgungsbehörden kooperierte, gegen den Geschäftsmann und Banden-Boss aussagte - dessen Ermittlungsverfahren ist noch im Laufen - und weitere Mittäter preisgab, kam er nach 134 Tagen U-Haft auf freien Fuß.

Sein reumütiges Geständnis schlug sich auch bei der Strafbemessung nieder, denn an sich wären aufgrund der gehandelten Suchtgiftmengen bis zu 15 Jahre Haft möglich gewesen. Der Angeklagte nahm seine Strafe ohne zu zögern an: "Ich bedanke mich für die faire Behandlung."

Kommentare (3)
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dieRealität2020
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Der Angeklagte nahm seine Strafe ohne zu zögern an: "Ich bedanke mich für die faire Behandlung."

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Das Urteil wurde nur möglich, da dein Umfeld erheblich denunziert wurde oder sagen wir verraten. Darum diese "faire" Behandlung.

satiricus
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5
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Wenn er nach spätestens 3 Jahren wieder frei ist, kann er aber auswandern.

Und eine neue Identität wäre fürs Überleben wohl auch vorteilhaft.

zuagraster
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wer lesen kann ....

nur 1 Jahr unbedingt