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WienGastherme manipuliert: 62-Jähriger wegen Mordversuchs vor Gericht

Nur durch Glück kam es zu keiner Explosion. Der Mann stand vor der Delogierung.

STEIERMARK: PROZESS GEGEN ANGEHOeRIGE DES ABWEHRAMTES
© APA/ERWIN SCHERIAU
 

Wegen Mordversuchs und versuchter Brandstiftung hat sich ein 62-jähriger Mann am Montag am Wiener Landesgericht verantworten müssen. Der Angeklagte, der mit Kredit- und Mietrückständen in Höhe von 45.000 Euro in der Kreide stand, soll am Abend vor seiner Delogierung in seiner Wohnung die Therme manipuliert und in Explosionsabsicht Gas ausströmen haben lassen. Laut Anklage hatte er bei geöffneter Zuleitung die Überwurfmutter der Therme abmontiert.

Nur knapp an Katastrophe vorbei

Der Staatsanwaltschaft zufolge hätte bereits das Betätigen eines Lichtschalters oder das Läuten an der Tür genügt, um die in der Degengasse in Ottakring gelegene 30 Quadratmeter-Wohnung in die Luft zu jagen. "Das Gas ist von 21.30 bis 8.15 Uhr am nächsten Tag ausgeströmt", legte der Staatsanwalt eingangs des Verfahrens dar. Als am nächsten Morgen eine Vertreterin der Hausverwaltung, ein Gerichtsvollzieher und Handwerker erschienen, um die Wohnung zu räumen, die der Angeklagte ein paar Stunden zuvor verlassen hatte, entgingen diese sowie die Mieter des dreistöckigen Wohngebäudes nur knapp einer Katastrophe.

"Gas! Lauft's!"

Der Schlosser, der die Tür öffnete, bekam diese ohne elektrische Hilfsmittel auf. Ansonsten hätte es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Explosion gegeben. In der Wohnung nahmen er und der Gerichtsvollzieher dann Gasgeruch wahr. Mit den Worten "Gas! Lauft's!" liefen sie ins Freie, verständigten die Feuerwehr und leiteten die Evakuierung des Gebäudes in die Wege. Der 62-Jährige wurde am 17. Juli festgenommen.

"Bin Alkoholiker geworden"

Vor einem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) gab der Mann nun die inkriminieren Manipulationen zu. Er habe sich das Leben nehmen und mit dem ausströmenden Gas vergiften wollen, behauptete er: "Es war mir nicht bewusst, dass ich wen anderen verletzen könnte. Das Einzige, was ich tun wollte, war Suizid begehen."

Der Mann - ein gebürtiger Pole - hatte 2016 seine Arbeit als Mechaniker verloren und sich in weiterer Folge dem Alkohol ergeben: "Ich bin Alkoholiker geworden. Ich habe sehr viel getrunken. Das hat mir Ruhe gegeben." Seit Mai 2019 bezahlte er keine Miete mehr. Das Geld habe dafür nicht mehr gereicht: "Ich habe alles weggetrunken." Er sei aufgrund seiner Situation derart depressiv geworden, dass er keine Kraft mehr gehabt hätte, Notstandshilfe zu beantragen. Schließlich habe er "die Entscheidung getroffen, das Gas aufzudrehen".

"Auf den Tod gewartet"

Ihm sei es nicht um eine Explosion gegangen, er habe sich vergiften wollen, betonte der Angeklagte: "Ich wusste nicht, dass in Österreich Gas nicht giftig ist." Diese Erklärung missfiel dem vorsitzenden Richter: "Jeder Mensch weiß, dass Gas gefährlich ist und explodieren kann." "Ich war sehr depressiv. Ich habe nicht logisch gedacht. Mein Hirn hat sich blockiert", erwiderte der 62-Jährige.

Nachdem er das Gas aufgedreht hatte, sei er schlafen gegangen und habe "auf den Tod gewartet", gab der Mann zu Protokoll. "Ich habe gewartet, gewartet und gewartet. Und der Tod ist nicht gekommen." Aus "Verzweiflung, dass ich noch am Leben bin" habe er schließlich die Wohnung verlassen und sei spazieren gegangen: "Ich hab' mich auf die Suche nach Alkohol begeben."

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