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Vier Tote, mehrere VerletzteStarkregenfälle sorgen für fatale Steinschläge

Gefährdungspotenzial für Wanderer und Bergsteiger lässt sich mit Verbauungen zumindest mindern - laut Experten bleibt aber "gewisses Restrisiko im alpinen Gelände immer bestehen".

Die Eishöhle und der Zustieg dürfen seit dem Unfall nicht betreten werden
Die Eishöhle und der Zustieg dürfen seit dem Unfall nicht betreten werden © (c) APA/FRANZ NEUMAYR
 

Nach den jüngsten Steinschlägen mit insgesamt vier Todesopfern - in der steirischen Bärenschützklamm sind am vergangenen Mittwoch drei Menschen ums Leben gekommen, in der Eisriesenwelt bei Werfen im Pongau wurde am Sonntag ein 14 Jahre alter Bub getötet - stellt sich die Frage, ob die Häufung ein Zufall ist. Am Sonntag wurde auch eine Wandererin in der Kärntner Tscheppaschlucht von einem Stein getroffen und schwer verletzt. Die Tscheppaschlucht ist aber mittlerweile wieder geöffnet.

Einen Tag nach dem tödlichen Steinschlag am Zugangsweg zur Eisriesenwelt ist derzeit nicht abschätzbar, wie lange die Sperre des beliebten Ausflugsziels dauern wird. Die Eishöhle und der Zustieg dürfen seit dem Unfall nicht betreten werden. Die Alpinpolizei hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang aufgenommen, außerdem werden die Sicherungseinrichtungen überprüft.

Bub tödlich getroffen

Zu dem Unglück im Pongau war es am Sonntag gegen 11.30 Uhr gekommen: Rund 400 Höhenmeter oberhalb des Einganges zur Eishöhle in knapp über 1.600 Metern hatte sich ein etwa ein bis zwei Kubikmeter großer Felsblock gelöst. Der Block stürzte in die Tiefe und zersprang in viele kleinere Teile. Dabei wurde der Zubringerweg auf einer Breite von 100 Metern von Steinen getroffen. Der Weg ist dort zwar größtenteils durch die Steinschlaggalerien überdacht, einige Brocken stürzten aber auf den ungeschützten Bereich. Dabei wurde ein 14-jähriger Bursch aus dem Irak von einem etwa 25 Kilogramm schweren Stein am Oberkörper getroffen und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Trotz Reanimation durch die sofort anwesenden Höhlenführer und später durch das Notarztteam eines Rettungshubschraubers konnte der Jugendliche nicht mehr gerettet werden

Wie der Bürgermeister von Werfen, Hubert Stock, am Montag zur APA sagte, sollen Geologen und Fachleute noch heute damit beginnen, die Unfallstelle genau zu begutachten und möglicherweise weitere Gefahrenstellen zu finden. Zugleich werde erhoben, ob - und wenn ja, welche - zusätzlichen Maßnahmen notwendig sind, um die Sicherheit der Besucher in Zukunft zu gewährleisten. "Die Eisriesenwelt wird aufgefordert, ein entsprechendes Konzept zu erstellen", sagte Stock. "Erst dann kann der Betrieb wieder aufgenommen werden."

Für Robert Supper, Vizerektor der Geologischen Bundesanstalt in Wien, steht fest, dass die vorangegangenen Starkregenfälle ausschlaggebend für die Unglücke waren. "Der Regen löst die Steine in den Fugen", erläuterte der Experte am Montag im Gespräch mit der APA. Dass in weiterer Folge Steinbrocken oder Felsen in die Tiefe krachen, sei vorhersehbar. Für Wanderer und Bergsteiger bedeutete das, dass im alpinen Gelände, speziell in hochgefährdeten Zonen nach anhaltenden Niederschlägen "immer ein gewisses Risiko besteht, dass etwas abgeht".

Auch Touristen müssen akzeptieren können, dass es ein Restrisiko gibt.

Robert Supper, Vizerektor der Geologischen Bundesanstalt in Wien

Dieses Risiko lasse sich mit baulichen Maßnahmen, die vor Lawinen, Muren oder Steinschlag schützen, minimieren. Aber selbst bei umfangreichen Verbauungen wie beim Zustieg zur Eisriesenwelt im Tennengebirge - die größte Eishöhle der Welt - bleibe ein Gefährdungspotenzial bestehen. Dessen müsse sich jeder, der im Gebirge unterwegs ist, bewusst sein - auch, wenn es sich dabei um einen vermeintlich sicheren touristischen Hotspot handelt, betonte Supper.

Man könne mit mathematischen Modellen berechnen bzw. simulieren, wo im Gelände sich Gestein lösen könnte und entsprechende Verbauungen errichten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dort dann tatsächlich etwas passiert, sei schwer abschätzbar. Ein ganzer Berg verbauen lasse sich aber nicht. "Hundertprozentige Sicherheit lässt sich nicht herstellen", gab Supper zu bedenken. Und weiter: "Auch Touristen müssen akzeptieren können, dass es ein Restrisiko gibt." Wer nicht bereit sei, dieses Risiko einzugehen, könne alpine Attraktionen in der heutigen Zeit auch virtuell besichtigen.

Im Fall des tödlichen Unglücks vor der Eisriesenwelt ging Seilbahn-Betriebsleiter Michael Rieder am Montag davon aus, dass vorbeugende Felsräumarbeiten im Gestein über dem Weg als Schutzmaßnahme angesichts der großen Kalkwände nicht sinnvoll sind.

"Es wird möglicherweise darauf hinauslaufen, dass wir die Schutzgalerie erweitern oder Schutznetze installieren müssen, um einem tragischen Vorkommnis wie gestern vorbeugen zu können", sagte Rieder. Wie er erklärte, seien die Schutzgalerien früher aus Holz, später aus Stahl und schließlich aus Beton errichtet worden und immer wieder ausgebaut worden. "Mir ist aber nicht bekannt, dass es während der Touristensaison je einen Unfall durch Steinschlag gegeben hat."

Die Tscheppaschlucht - ein Ausflugsziel südlich von Klagenfurt - ist indes nach einem Steinschlag am Montag wieder normal geöffnet worden. Der Einsatz und die Aufräumarbeiten nach dem Unfall am Sonntag seien noch am Abend beendet worden, hieß es beim Tourismusverband Ferlach (Bezirk Klagenfurt-Land).

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Danke für Ihr Verständnis.

derhannes
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Unterschied zu den USA

In den USA - so habe ich es auf Hawaii erlebt - stehen überall, wo Touristen auftauchen, große Schilder und Absperrungen. Meist beginnt der schöne Teil erst, wenn man sich hinter die Absperrung begiebt. Weil aber in den USA jeder gegen alles klagen kann - wie einst ein Schokoladenriegelesser, der Schadenersatz wollte, weil auf der Packung nicht draufstand, dass man von allzu übermäßigem Verzehr Diabetes bekommen kann - ist das eben nötig.

derhannes
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Markierungen

Wenn es tatsächlich ein Thema ist, dass sich Menschen auch in Europa unbedarft in der "wilden Natur" bewegen, wären vielleicht Farbcodierungen auf den Wanderwegschildern hilfreich, wie es sie beim Langlauf gibt. So kann jeder die Lage besser einschätzen und man muss nicht Wanderwege sperren, weil Steine fallen oder Kühe herumlaufen könnten.

ronin1234
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Reaktion

Jeder sollte sich auf eigenes Risiko in der Natur bewegen. Steine können eben immer runterfallen.

calcit
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Nur muss man halt dezidiert auf das Risiko aufmerksam...

...machen und den Anschein vermeiden diese Wege seien uneingeschränkt sicher. Leider ist es so, dass immer mehr Bereiche in den Alpen leicht für jedermann/frau erreichbar sind aber zum grössten Teil kein Wissen über das Risiko vorliegt geschweige denn eine Einschätzung ich diesen Leuten auch nicht zutraue.

erstdenkendannsprechen
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meiner meinung nach ist das aber eher die aufgabe derer,

die sich ins gelände begeben: sich vorab informieren.

hermannsteinacher
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Unwissen

schützt vor Steinschlag nicht.

calcit
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Das Wissen darum aber auch nicht...

...aber vielleicht überlegt es sich dann jemand bzw. man kann nachher nicht behaupten man hätte nichts davon gewußt...