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Umweltbundesamt So soll Österreich den Bodenverbrauch reduzieren

In einem nun vorgestellten Bericht des Umweltbundesamts wird ein Fahrplan für eine ressourcenschonendere Zukunft vorgestellt.

Schwei�treibende Arbeit
© (c) dpa/dpaweb (Kay Nietfeld)
 

Nicht nur die Klima-Neutralität soll im Jahr 2050 erreicht werden, auch vor dem Bodenverbrauch soll bis dahin eine Null stehen. So sieht es der Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa vor, erläuterte Ulrike Rauch-Keschmann vom Umweltministerium am Dienstag bei einem Pressegespräch. Anlass ist eine Publikation des Umweltbundesamts zur Thematik, die dazu beitragen soll, das Ziel zu erreichen.

Die Flächeninanspruchnahme in Österreich ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken: Lag sie 2010 noch bei etwas über 24 Hektar pro Tag, waren es 2018 etwas weniger als 12. Der Druck auf die beschränkte Ressource ist jedoch nach wie vor vorhanden, und "aus wirtschaftlicher Sicht sind es eigentlich erfreuliche Entwicklungen, wie etwa der boomende Immobiliensektor oder eine steigende Mobilität, die sich in der Inanspruchnahme neuer Flächen manifestiert", sagte die Sektionsleiterin des Bereichs Tourismus und Regionalpolitik. Dass der Verbrauch trotzdem abgenommen hat, sei darauf zurückzuführen, dass "die Bedeutung des Themas inzwischen in allen Bundesländern erkannt worden ist", sagte Rauch-Keschmann. Um die globalen und europäischen Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele zu erreichen, gilt es, den Verbrauch zumindest auf 2,5 Hektar pro Tag zu reduzieren.

Bodenverbrauch oder Bodenversiegelung?

Wichtig sei es auch, die Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten, denn oft würde der Bodenverbrauch mit der Bodenversiegelung verwechselt. Letzteres ist das Betonieren und Asphaltieren von Flächen, und sei weitgehend irreparabel, während zum Bodenverbrauch etwa auch Anbauflächen oder intensiv genutzte Erholungsgebiete zählen. "40 Prozent der verbrauchten Flächen werden aber versiegelt", ergänzte Karl Kienzl, Stellvertreter der Geschäftsführung im Umweltbundesamt. Solch ein Boden ist dann auch wasser- und luftundurchlässig, das heißt "das Leben unterhalb des Betons ist tot", und das Reaktivieren - die sogenannte Entsiegelung - sei mühsam. Weitere negative Effekte sind der Verlust der biologischen Vielfalt, ein erhöhtes Hochwasserrisiko, Hitzeeffekte, der Verlust der Staubbindung und der Produktivität für die Biomasseproduktion. Kienzl betonte zudem, dass der Bodenverbrauch auch Teil der Klima- und Energiestrategie ist, denn der Boden ist bekanntlich ein CO2-Speicher und setzt auch Kohlendioxid und Methan frei.

Es gibt also genügend Gründe, der Versiegelung Einhalt zu gebieten, den Weg dahin zeigt der rund 90-seitige "Status Quo Bericht zur Reduktion des Bodenverbrauchs in Österreich" anhand von sieben Schwerpunkten auf, angefangen von der Empfehlung bei der Wohnbauförderung, Mehrgeschoßwohnungen im ländlichen Raum attraktiver zu gestalten - hier gäbe es zu wenig positive Beispiele - bis hin zu Leerstandaktivierung.

Ortskernstärkung

Ein wesentlicher Punkt ist auch die Ortskernstärkung, die besonders kleinere Orte im ländlichen Raum betrifft, wo der "Donut-Effekt" zu beobachten ist, nämlich die Abwanderung von Geschäften aus dem Ortskern in umliegende Randgebiete, was zum Teil die erwähnten Leerstände zur Folge hat. Die Erstellung und Realisierung eine Ortsleitbildes sowie die Erhaltung von Nahversorgern sollen dieser Entwicklung entgegenwirken. Positive Beispiele gibt es bereits, so nannte Rauch-Keschmann die Tiroler Gemeinde Silz, wo es seit 2014 entsprechende Maßnahmen gibt und "in Lienz in Osttirol haben sich 140 innerstädtische Handelsbetriebe unter dem Prinzip eines Shoppingcenters zusammengeschlossen", was zu einer (Re-)Attraktivierung des Zentrums geführt habe.

Grundsätzlich liege die Zuständigkeit bekanntlich bei Ländern und den Gemeinden, räumte die Sektionsleiterin ein, das Umweltministerium habe jedoch immer versucht, der Entwicklung beim Bodenverbrauch gegenzusteuern. An den Kompetenzen wolle man aber nicht rütteln, denn "eine Gemeinde weiß durchaus am Besten, wie die Situation vor Ort ist", sagte Rauch-Keschmann. Und keine Gemeinde kann an einer Zersiedelung interessiert sein, denn diese ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, "Leerstände zu nutzen kostet hingegen null Euro pro zusätzlicher Infrastruktur", ergänzte Kienzl.

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