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MissbrauchsvorwürfeBallettakademie-Direktorin Noja: "Wir haben zu spät reagiert"

Kinder seien „Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden“, wird eine Lehrerin zitiert. Auch einen sexuellen Übergriff soll es gegeben haben. "Die ganze Sache trifft mich sehr", stellt Staatsoperndirektor Meyer klar. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet.

Kinder der Basllettakademie sollen von Gewalt, Drill und Demütigung betroffen sein © Sabine Hoffmann
 

Das Wochenmagazin "Falter" erhebt in seiner neuen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper. Das Spektrum der Vorhaltungen reicht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff. "Es steht fest: Hinter den Kulissen der Ballettakademie der Staatsoper, jener Institution, die auch Elevinnen und Eleven für den Opernball und für das Neujahrskonzert ausbildet, sind erschreckende Missstände zu beklagen", schreibt Florian Klenk.

Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft sei bereits seit Monaten tätig. „Im Grunde hätten wir diesen Laden sofort zusperren müssen“, wird ein anonymer Beamter der Kinder- und Jugendanwaltschaft zitiert.

Demütigung, Gewalt, Drill

Der Chefredakteur des "Falter" erhebt nach sechs Wochen Recherche und stundenlangen Gesprächen mit  Betroffenen schwere Vorwürfe gegen die Akademie. In der neuen Ausgabe der Wiener Wochenzeitung (Ausgabe Mittwoch, 10. April) wird berichtet, Kinder seien hier "Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden", wird eine Lehrerin zitiert. Das Spektrum der Vorhaltungen reicht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff.

Mangelhafte medizinische Behandlung

Die notfallmedizinische Behandlung nach Unfällen sei mangelhaft, psychologische und ernährungswissenschaftliche Beratung für die Kinder entgegen internationaler Standards praktisch nicht vorhanden. Schülerinnen seien hingegen geradezu in die Bulimie oder Anorexie getrieben worden. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist bereits seit Monaten tätig. "Im Grunde hätten wir diesen Laden sofort zusperren müssen", wird ein anonymer Beamter der Kinder- und Jugendanwaltschaft zitiert.

Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Jänner gekündigte Lehrerin, die Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll. Gegenüber der Wochenzeitung rechtfertigt sich die Betroffene: "Es tut mir leid, wenn die Mädchen gelitten haben." Sie habe immer versucht, das Beste aus ihren Schülerinnen herauszuholen.

"Das dulden wir nicht"

"Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre. Es ist klar, dass sich hier eine Lehrerin sehr schlecht benommen hat", stellt Staatsoperndirektor Dominique Meyer gegenüber dem "Falter" klar: "Das wollen wir nicht, und das dulden wir nicht."

Des Weiteren wirft ein ehemaliger Schüler einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Er soll vor einem Schüler onaniert haben.Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls wurde dieser Lehrer unmittelbar dienstfrei gestellt und Untersuchungen eingeleitet. Die Staatsoper hat am heutigen Dienstag eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

"Sklavenmentalität"

Der "Falter" nennt bezüglich seiner Recherchen mehrere Quellen, darunter Jolantha Seyfried, unter Ioan Holender Leiterin der Ballettakademie. Sie beklagt eine "Sklavenmentalität": "Die Kinder sind hier nur eine Ware, um die Oper zu bespielen." Auch die einstige Ballerina Gabriele Haslinger konstatiert: "Die Eltern glauben, die Kinder in der Akademie in besten Händen zu wissen, aber das stimmt nicht." Die ausgeschiedene Tanzlehrerin Sharon Booth beklagt "Erziehungsmethoden aus dem 19. Jahrhundert". Neben Interviews beruft sich der "Falter" auch auf Chats und E-Mails von Betroffenen, die man eingesehen habe.

Die Liste der Mängel werde "Stück für Stück abgearbeitet", heißt es aus der Staatsoper. Man kooperiere seit Monaten mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft. "Wir wollen in allen Bereichen eine lückenlose Aufklärung", so ein Staatsopernsprecher zur APA. Unter anderem sollen eine Ombudsstelle eingerichtet und die Pädagogen entsprechend geschult werden. Auch soll verpflichtend das Fach Body Awareness eingeführt werden.

"Volles Mitgefühl"

"Die Schülerinnen und Schüler, die von physischen oder psychischen Übergriffen betroffen waren, haben jedenfalls unser volles Mitgefühl. Jegliche Form von Übergriffen, ob physischer oder psychischer Natur, Grobheiten, Respektlosigkeit und Missbrauch einer Machtposition sind inakzeptabel", so die Staatsoper in einem der APA vorliegenden Statement. Operndirektor Meyer verteidigt die jetzige geschäftsführende Direktorin der Akademie, Simona Noja : "Der Vorwurf, sie hätte sich nicht um die Beschwerden gekümmert, ist nicht haltbar." Stattdessen habe sie sich persönlich für Mädchen eingesetzt und verschiedene Initiativen ergriffen. "Wir haben zu spät reagiert, zu
lange gewartet", zeigte sich Noja zur Frage der Entlassung der
betreffenden Lehrerin selbstkritisch. Diese habe aber eben auch sehr gute Arbeit gemacht und viele Schüler gehabt, die gut über sie sprächen. "Bei mir ist immer die Tür offen", unterstrich Noja, die seit Mitte März die ehemalige Klasse der entlassenen Lehrerin selbst unterrichtet, ihr Interesse an Aufklärung in dieser Causa.

"Nicht tolerierbare Übergriffe"

In einem der APA vorliegenden Statement spricht auch die Bundestheater-Holding von "nicht tolerierbaren Übergriffen". "Jeglicher Missbrauch des im künstlerischen Bereichs besonderen Autoritätsverhältnisses zwischen Schülerinnen und Schülern und den Lehrenden muss konsequent und bedingungslos aufgeklärt werden, so Geschäftsführer Christian Kircher: "Dominique Meyer hat mich sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle informiert und hat meine volle Unterstützung bei allen Maßnahmen, die die Staatsoper gesetzt hat, um diese Vorfälle einerseits lückenlos aufzuklären und andererseits in Zukunft auszuschließen." Das gelte auch für alle Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft. "Es darf in unseren Häusern keinen Spielraum geben für sexuelle Belästigung und den Missbrauch von Autoritätsverhältnissen. Für mich gilt hier: Null-Toleranz", sagt Kircher.

Blümel ordnet Sonderkommission an

Angesichts des Vorwurfs schwerer Missstände in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. "Ein Verhalten, wie das in den Vorwürfen angeprangerte, ist vollkommen inakzeptabel", sagte Blümel in einem Statement gegenüber der APA.

Sobald er von den Vorwürfen erfahren habe, habe er Holding-Geschäftsführer Christian Kircher mit der Einrichtung des Gremiums beauftragt, welches die Vorwürfe restlos klären soll, so Blümel: "Holding-Chef Christian Kircher wird einen umfassenden Bericht inklusive aller getroffenen Maßnahmen, um so etwas auch in Zukunft zu verhindern, vorlegen."

Kommentare (2)

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ackern
3
8
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Kinder ..............

Warum haben die Hubschraubereltern ihre Kinder in so ein System gepresst? Erfolg, Erfolg, ....................... und beim nöchsten Kindergeburtstag angeben .................

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GordonKelz
7
31
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GIBT ES NOCH....

...eine Einrichtung wo wir unsere Kinder und Enkel gefahrlos zu Zusatzausbildungen die wichtig für die Entwicklung eines jungen Menschen sind , hinbringen können. Die Strafen sind viel zu gering für diese Verbrechen, die Schäden anrichten, die kaum wieder gut zu machen sind!
Gordon Kelz

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