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Kriminalität im KunstbereichWenn sich Kunst in Luft auflöst

Der Coup im Wiener Dorotheum war dreist und wohl ein Profi-Job. Auguste Renoirs „Golfe, mer, falaises vertes“ bleibt verschwunden. Kunstdiebstahl ist ein höchst einträgliches Delikt, in Österreich aber eher selten.

Wer kennt diese Männer? © (c) APA/LPD WIEN (UNBEKANNT)
 

Pierce Brosnan ist nicht zu fassen. Im Kinofilm „Die Thomas Crown Affäre“ (1999) stiehlt der Gentleman, um seinem Leben als Wall-Street-Millionär mehr Nervenkitzel zu geben, auf raffinierte Weise ein 100 Millionen Dollar teures Gemälde von Claude Monet aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art.

Die drei Täter im Wiener Dorotheum mussten keine Gentlemen und gar nicht raffiniert sein, aber kaltschnäuzig: Laut Polizeibericht betraten drei Unbekannte am Montag um 17.15 Uhr das Auktionshaus im 1. Bezirk und dürften sich gezielt zu dem im 2. Stock zur Voransicht ausgestellten Landschaftsgemälde von Auguste Renoir begeben haben, das gestern hätte versteigert werden sollen. Schätzwert von „Golfe, mer, falaises vertes“ ("Strand, Meer, grüne Klippen", 24 x 30 cm) aus dem Jahr 1895, das einen kleinen flüchtigen Küstenstreifen zeigt: 120.000 bis 160.000 Euro.

Nach Informationen der APA nahm das Trio das Bild einfach aus dem Rahmen, wobei stiller Alarm ausgelöst wurde. Letzteres wurde seitens der Polizei weder bestätigt noch zurückgewiesen; als diese von dem Coup erfuhr und am Tatort eintraf, hatten sich Täter und Beute schon in Luft aufgelöst.

Renoir-Gemälde aus Dorotheum gestohlen



„Es dürfte sich um Profis handeln“, sagte Patrick Maierhofer, Sprecher der Wiener Polizeidirektion. Bilder der Überwachungskameras zeigen drei sportlich wirkende Männer, zwei davon haben größere Einkaufstaschen bei sich. Ob darin das Renoir-Gemälde verstaut war, ist unklar. Gesichert ist laut Polizei, dass die Verdächtigen das Gebäude über verschiedene Ausgänge verlassen haben.

LPD Wien
Verdächtiger Nummer 2 © LPD Wien

Das Dorotheum kommentierte den Vorfall auf Anfrage der APA knapp: In den letzten Jahrzehnten habe es keine Gemäldediebstähle im Haus gegeben, und das bei rund 250.000 Auktionsobjekten im Jahr. Die Werke seien zudem versichert. Und: „Es gibt umfassende Sicherheitsvorkehrungen“.

Stefan Koldehoff würde das vermutlich nicht ungeschauter unterschreiben, obwohl er sich bei den Recherchen zu seinem Buch „Aktenzeichen Kunst: Die spektakulärsten Kunstdiebstähle der Welt“ (DuMont) hauptsächlich auf Museen bezieht: „Die Sicherheitssysteme in europäischen Kunsthäusern sind schlichtweg miserabel“, erklärte der Deutsche der Kleinen Zeitung nach dem „Jahrhundertraub“ 2012 in der Kunsthalle Rotterdam, aus der sieben berühmte Gemälde im Wert von 18 Millionen verschwanden – die Meldung, Picassos „Harlekin-Kopf“ sei in Rumänien wieder aufgetaucht, erwies sich ja vor zehn Tagen als Scherz.

LPD Wien
Verdächtiger Nummer 3 © LPD Wien

Kunstdiebstahl zählt laut Interpol neben Drogen- und Menschenhandel zu den einträglichsten Straftaten weltweit. Eine Schätzung des FBI beziffert den jährlichen Schaden auf mehrere Milliarden Dollar. Tendenz steigend. In Österreich ist das Delikt – beliebte Ziele sind vor allem Wohnungen und Häuser sowie Kirchen – eher selten, bei 175 Fällen im Vorjahr entstand ein Gesamtschaden von 770.000 Euro.

Pierce Brosnan alias Thomas Crown war übrigens so ein Gentleman, dass er den Monet trotz höchster Alarmstufe wieder unbemerkt an seinen Platz zurückhängte. Das ist von den Tätern in Wien und anderen nicht zu erwarten: 80 Prozent der Kunstdiebstähle werden nie aufgeklärt, die meisten Werke bleiben für immer verloren.

Das Gemälde

Das gestohlene Gemälde: Auguset Renoirs kleiner flüchtiger Küstenstreifen „Golfe, mer, falaises vertes“ (27 x 40 cm) aus dem Jahr 1895 wurde zuvor schon mehrmals vor allem auf Londoner Auktionen angeboten Foto © KK

Der Maler

KK
Auguste Renoir, geboren 1841 in Limoges, gestorben 1919 in Cagnes-sur-Mer, war einer der bedeutendsten französischen Maler des Impressionismus © KK

Kunstdiebstähle in Österreich
ARCHIVBILD: VOR ZEHN JAHREN WURDE DIE 'SALIERA' WIEDERGEFUNDEN
Foto © APA/HANS KLAUS TECHT

„Saliera“. Der spektakulärste Fall von Kunstraub in der jüngeren
Geschichte Österreichs ereignete sich am 11. Mai 2003. In der Nacht stieg ein Dieb über ein Baugerüst ins Kunsthistorische Museum Wien ein und stahl die „Saliera“, die einzige erhaltene Goldschmiedearbeit des italienischen Bildhauers Benvenuto Cellini (1500–1571).
Im Oktober 2005 meldete sich ein Unbekannter via Wertkartenhandy beim Bundeskriminalamt und verlangte von der Uniqa-Versicherung 10 Millionen Euro, andernfalls würde er das Kunstwerk einschmelzen. Der Verdächtige wurde nach der Veröffentlichung von Fotos einer Überwachungskamera erkannt. Robert Mang (47) stellte sich tags darauf der Polizei. Der Inhaber einer Wiener Alarmanlagenfirma legte ein Geständnis ab und führte die Polizei im Jänner 2006 zu einem Waldstück bei Zwettl/NÖ, wo er die „Saliera“ in einer Kiste vergraben hatte. Das Meisterwerk mit einem Wert von rund 50 Millionen Euro ist das Herzstück der 2013 wiedereröffneten Kunstkammer
im Kunsthistorischen Museum.
175 Kunstdiebstähle mit einem Gesamtschaden von 770.000 Euro wurden 2017 in Österreich angezeigt. Ein aufsehenerregender Fall ereignete sich 2014, als 72 Bilder aus einer Villa in Wien-Hietzing gestohlen wurden. 67 der Werke im Wert von 2,5 Millionen Euro stellte die Polizei 2017 sicher, u. a. Bilder von Oskar Kokoschka und Koloman Moser.

Art Loss Register

Das Art Loss Register mit Sitz in London ist die weltweit größte private Datenbank für gestohlene Kunst. Derzeit sind 500.000 Kunstgegenstände registriert. 5500 Objekte konnten seit der Gründung im Jahr 1991 wiederbeschafft werden. Wichtigster Fund bisher war Pablo Picassos Gemälde „Frau in Weiß, ein Buch lesend“ (1940 gestohlen, 2005 aufgefunden).
www.artloss.com

Kommentare (1)

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steirablut
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Überwachungskamera

Ich frage mich immer wieder wo man die Überwachungskameras die Banken und ähnlich Einrichtungen verwenden kaufen kann. Die Qualität dieser Aufnahmen ist immer sehr bescheiden.

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