Prozess vertagt Anstiftung zum Kindesmissbrauch "teilweise" gestanden

28-Jähriger soll auch 4.000 kinderpornografische Dateien auf seinen Computern gespeichert haben.

© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Der Prozess gegen einen 28-jähriger Salzburger wegen Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen und wegen des Herunterladens von 4.000 kinderpornografischer Dateien ist am Mittwochabend auf den 1. August vertagt worden. Bei der Fortsetzung der Verhandlung sollen auch die Akten aus dem deutschen Parallelverfahren zur Urteilsfindung hinzugezogen werden.

Ein 28-jähriger Salzburger ist Mittwoch wegen Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen und wegen des Herunterladens von 4.000 kinderpornografischer Dateien auf seinen Computern vor Gericht gestanden. Der Mann soll einen Deutschen über Skype-Chat dazu aufgefordert haben, dessen zweijährige Tochter zu vergewaltigen. Er zeigte sich zum Teil geständig.

"Der Angeklagte wusste, dass es sich um die zweijährige Tochter des Deutschen handelte, und er wusste, dass sie von ihm missbraucht wird", betonte Staatsanwältin Barbara Fischer vor dem Schöffensenat am Landesgericht Salzburg. Der Deutsche, der am 15. Juni 2017 vom Landgericht Lübeck bereits zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung verurteilt wurde, übermittelte dem Salzburger im November 2016 per Internet neun Video-und Bilddateien über den brutalen sexuellen Missbrauch. Der Salzburger habe ihn während des Chat-Verlaufs zum weiteren Missbrauch angestiftet, erklärte die Staatsanwältin.

Der 28-Jährige ist bereits zweimal wegen des Besitzes kinderpornografischer Dateien verurteilt worden. Auf Weisung des Gerichts musste er sich einer Therapie unterziehen. "Die war nicht erfolgreich. Ich habe mir da eigentlich nicht richtig helfen lassen. Ich war so drinnen in der Welt, die Sucht war ärger", sagte der Beschuldigte zum vorsitzenden Richter Christian Hochhauser. "Ich kann jetzt selber nicht verstehen, warum ich das gemacht habe."

Tatort Internet

Weil sich das alles im Internet abspielte, habe er das Ganze nicht als real wahrhaben wollen, schilderte der Angeklagte wortkarg. Als ihm der Deutsche dann einen Termin für eine "Live-Session" mit dessen Tochter auf Skype anbot, habe er sich zum vereinbarten Zeitpunkt nicht gemeldet. "Mir ist bewusst geworden, was er eigentlich vor hat." Er habe nur die Bilder sehen, aber niemanden zum sexuellen Missbrauch bestimmen wollen.

Doch der vorsitzende Richter ließ nicht locker. Warum habe er dann einige Monate später, im April 2017, in einem Chat geschrieben, er wolle "einen Kleinen" vergewaltigen? "Ich wollte mich nur aufgeilen", lautete die Antwort des Beschuldigten. Jetzt sei er aber bereit für eine Sexualtherapie. Sein Verteidiger erläuterte, dass es umgekehrt gewesen sei, der Deutsche haben den Salzburger zum Missbrauch angestiftet. Sein Mandant habe dies abgewendet, "indem er den Knopf gedrückt hat, es war ihm dann zu viel. Er hat noch nie ein Kind angerührt". In der "Abgeschottetheit" und "empfundenen Distanz" des Internets sei er der Meinung gewesen, er habe mit dem nichts zu tun. "Von seiner intellektuellen Ausstattung her ist er nicht in der Lage, jemanden dazu zu bestimmen", sagte der Verteidiger.

Einweisung beantragt

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Einweisung des Salzburgers in eine Anstalt für geistig abnorme, zurechnungsfähige Rechtsbrecher. Einem Gerichtssachverständigen zufolge neige der introvertierte, pädophile Mann zu Gewaltfantasien mit sexistischen Zügen. Im unbehandelten Zustand könne er weitere schwere Taten begehen. Ein Urteil wird vermutlich noch heute gesprochen.

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