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Welt-Bipolar-Tag Ein Leben zwischen Euphorie und Depression

In Österreich leiden rund 400.000 Menschen an einer bipolaren Störung. Zum Welt-Bipolar-Tag stellt ein steirisches Unternehmen in Zusammenarbeit mit der MedUni Graz eine App vor, die Betroffenen den Alltag erleichtern soll.

Sujetbild © vege - Fotolia
 

Himmelhochjauchzend – und zu Tode betrübt: In Österreich leiden rund 400.000 Menschen an einer bipolaren Störung, die auch als manisch-depressive Erkrankung bekannt ist, nur etwa die Hälfte davon ist auch in Behandlung. Bipolare Störungen verlaufen in depressiven und manischen Phasen: In manischen Phasen kann sich eine bipolare Störung großartig anfühlen: Betroffene brauchen kaum mehr Schlaf, sind unglaublich kreativ, voller Energie und Optimismus. Auf den Höhenflug folgt jedoch die Bruchlandung: Betroffene fallen in ein bodenloses Stimmungstief, verlieren Kraft und Antrieb, sehen keine Perspektive. Die Krankheit verläuft bei jedem Einzelnen individuell. Die Phasen wechseln unterschiedlich oft, dauern unterschiedlich lang und sind unterschiedlich heftig. Bis zur Diagnose dauert es oft viele Jahre - was unter anderem am geringen Wissen um diese Krankheit liegt.

Leben mit der Gefühlsachterbahn

Die Unberechenbarkeit der Krankheit bekam auch der Steirer Manfred Weiß zu spüren: „Als eine Person aus meinem näheren Umfeld daran erkrankte, lernte ich den grausamen Krankheitsverlauf kennen.“ Er erkannte, dass sich Krankheitsmuster auch in der Nutzung von Smartphones widerspiegeln müssten. Daraufhin gründete er gemeinsam mit Christian Pendl und Ralph Gruber das Unternehmen meemo-tec und rief die UP!“-App ins Leben: „Die App ist dazu gemacht, eine Therapie zu begleiten und Betroffene im Alltag zu unterstützen. Die App wertet unterschiedlichste Sensoren am Smartphone völlig automatisch aus und bereitet sie in tagebuchähnlicher Form für die Therapie auf. Dazu kommen tägliche, kurze Datenerfassungen durch Erkrankte – vom Stimmungszustand bis zum Alkoholkonsum“. Oder anders: „Die App lernt die Personen kennen“, erzählt Gruber.


Diese Informationen nutzt die App, um über bedrohliche Entwicklungen zu informieren. „Die App soll helfen, Manie und Depression zu erkennen, bevor es zu spät ist“, so Weiss. Über eine Partner-App ist es sogar möglich, Freunde und Familie zu vernetzen. Mit diesem Ansatz will das Trio schwere Krankheitsverläufe verhindern und Erkrankten „Hilfe zur Selbsthilfe geben“, unterstreicht Pendl.

Innovative Algorithmen erkennen Muster

Ein großes Ziel sei es, mit der App den Tagesablauf von Erkrankten zu stabilisieren, indem sie auf Änderungen der Gewohnheiten aufmerksam macht: Die „UP!“-App soll dabei helfen, einen geordneten Tagesablauf zu finden und den biologischen Rhythmus zu stabilisieren – vom Aufstehen bis zur Schlafengehen. Betroffen bleiben so länger symptomfrei.

„Wir forschen an Algorithmen, die Handynutzung, das Akku-Verhalten und die Summe an Sensordaten über einen längeren Zeitraum statistisch erfassen und so Lebensgewohnheiten erkennen. Ändert sich die Gewohnheiten, dann wird das automatisch erkannt und Feedback zum Gegensteuern gegeben“, erklärt Gruber.

Zusammenarbeit mit der Med Uni Graz

An der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Graz gibt es eine der wenigen Spezialambulanzen für Patienten mit bipolarer Erkrankung. Geleitet wird sie von Eva Reininghaus, die die Entwicklung der App durch medizinische Expertise und mit einer klinischen Studie unterstützt. „Schwere Krankheitsverläufe oder sogar Suizide können so präventiv abgewendet werden. Wir sehen hier zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der klinischen Medizin“, so Reininghaus.

Kommentare (2)

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871bc5ed07018a2b6ad0e7c0ef4f7095
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400.000 Menschen leiden an einer bipolaren Störung

Tja, die Möglichkeiten an einer Manie zu leiden sind aber auch weit gestreut.
Man findet sie häufig in Religionen, aber auch schon im Haushalt oder im vom Leben abgewandten Streben.
Die Depression ist der zwingende Ausgleich, die quasi zurück zu den Ursprüngen bringen soll, aber schwer anzunehmen ist.
Und auch wenn die metaphorische Tür eine andere Farbe trägt als bisher, es ist trotzdem die Wahre durch die man zu gehen hat.

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NLoSt
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Tja...

Ich denke die Betroffenen sehen das mit gemischten Gefühlen *ba-dum-tsss*

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