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LawinengefahrDas eigene Leben und das anderer aufs Spiel zu setzen, ist so gar nicht "geil".

THEMENBILD: LAWINENGEFAHR  / LAWINE / LAWINENWARNTAFEL / BERGRETTUNG
© APA/BARBARA GINDL
 

Drei Lawinentote, vielleicht vier. Der Jüngste, der gestern noch vermisst worden ist, 28 Jahre alt, der Älteste 57. Gstandene Männer, würde man meinen, die wissen, wie weit man im Leben gehen kann – und wo die Grenzen erreicht sind. Am Samstag fuhren die vier Deutschen auf den Arlberg. Um die weiße Pracht, die es seit Tagen meterhoch in die Landschaft schneit, in vollen Zügen zu genießen. Nachdem sie am Abend nicht heimgekommen waren, schlug eine Ehefrau Alarm. Drei wurden noch in der Nacht tot gefunden, die Suche nach dem vierten Deutschen vorerst eingestellt. Ach ja: Die vier Tagesgäste waren trotz Lawinengefahr in eine gesperrte Skiroute eingefahren ...

Warum?

Seit Tagen ist die Lawinensituation so dramatisch wie sonst kaum – und doch müssen heimische Bergretter fast Tag für Tag ausrücken, um für
andere ihr eigenes Leben zu riskieren. Schneeschuhwanderer, die glauben, bei Lawinenwarnstufe 4 und Sturm zu einer Hütte aufsteigen zu müssen. Snowboarder, die es raus in den Wald zieht – bis sie dann über eisigen Felsabbrüchen mit gutem Grund Fracksausen bekommen und den Notruf absetzen. Wahnsinnige, die sich in Jeans ins winterliche Gelände wagen, nicht einmal Handschuhe anhaben – und dann noch nicht einmal etwas dabei finden.

Und Unbelehrbare, von denen sich die Retter auch noch anschnauzen lassen müssen. „Entweder sind die leer im Kopf, oder ich weiß es nicht“, resümierte dieser Tage ein Bergretter.

Warum?

Weil alles auf der Welt mittlerweile „geil“ sein muss? (Und man schließlich nicht auf den Arlberg fährt, um sich auf den Pisten zu drängen?) Weil uns jeden Tag suggeriert wird, dass das Leben mehr zu bieten haben muss als das, was eh alle anderen machen? Weil wir verlernt haben, Gefahren in der freien Natur richtig einzuschätzen, dafür aber uns und unser Können so gerne überschätzen? (Oder schlicht zu feig sind, um uns und anderen einzugestehen, dass wir ohnehin die Hosen voll haben?)

Oder weil wir tatsächlich glauben, uns kann nix passieren. Weil die Ausrüstung heute ja top ist, die Naturburschen von der Bergrettung eh
immer ausrücken und einen im Notfall doch der Hubschrauber ins Tal fliegt. Wozu hat man eine gute Versicherung?

Ja, wozu? Die Opfer vom Arlberg hatten auch „die gesamte Notfallausrüstung“ dabei. Inklusive Airbags, die auch ausgelöst wurden. Retten konnten weder sie noch der Großeinsatz von Rettern (Bergrettung, Feuerwehr, Alpinpolizei, Liftler) die vier.

Aber vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass Gefahr nicht in unser Freizeitkonzept passt. Manche verwechseln Lawinenwarnstufen noch immer mit Schulnoten. Aber 3 ist nicht „Befriedigend“. 4 nicht „Genügend“. Sondern lebensgefährlich. Oder tödlich. Und das ist so gar nicht „geil“.

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