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Sie & ErDie Zunge zum Röllchen biegen

Welches Kunststück beherrschen wir?

 

Ballonwurstfiguren etc.

Der Schurl kann jetzt, nach einem Sommerjob in der Gastronomie, unglaubliche Sachen mit Flaschen. Man kann gar nicht so schnell schauen, wie er sie um sich wirft, biedere Einweggebinde schlagen plötzlich Saltos und werfen im Flug ihre Kronkorken ab. Oder so ähnlich.

Wohin den Schurl diese Fähigkeiten im Leben noch bringen werden: Man weiß es nicht. Und man hofft, dass er sie im laufenden Schulbetrieb selten bis nie zur Anwendung bringen wird. Da soll der Bub lieber wieder Mathe lernen. Aber schon lustig, in was für Disziplinen der Mensch zu glänzen begehrt.

Der eine legt seinen ganzen Ehrgeiz daran, seine Zunge zum Röllchen zu biegen, der andere übt wie besessen, damit er Rimski-Korsakows „Hummelflug“ in unter 63 Sekunden herunterfiedeln kann.

Tendenziell neigen wir eher dazu, einem Menschen zu applaudieren, der im Kopfstand auf einem galoppierenden Pferd lustige Ballonwurstfiguren zusammendrehen kann, als einem, der imstande ist, die Sattelfläche eines hyperbolischen Paraboloids im Kopf auszurechnen. Deswegen machen die Leute ja auch so viel Blödsinn.

Ich zum Beispiel beliebte mir in gelenkigeren Zeiten auf Partys Zigaretten mit den Zehen anzuzünden. Gott sei Dank habe ich rechtzeitig mit dem Rauchen aufgehört. Sonst müsste ich heute nach so einem Kunststück bestimmt viel Geld zum Physiotherapeuten tragen.

Ute Baumhackl

 

Das Zirkuskind

Anfangs lief alles ganz normal. Ich purzelte in die Welt, ich kroch eine Zeit lang als Bodenlurch auf allen vieren dahin, dann erlernte ich flugs den aufrechten Gang und alle waren glücklich und zufrieden mit mir.

Aber dann aus heiterem Himmel der große, dramatische Rückfall: Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, landete ich plötzlich wieder auf allen vieren, plumpste ständig um, meine langen Beinen verknoteten sich ständig ineinander; oft waren diese seltsamen Auftritte so kunstvoll, dass mich die Menschen im Dorf „Zirkuskind“ riefen. Vielleicht wäre ein großer, berühmter Akrobat aus mir geworden, wenn da nicht ständig diese wüsten Verletzungen gewesen wären.

Blut, Schweiß und Tränen pflasterten meinen Weg. Das spektakuläre Poltern von der Bodenstiege brachte mir eine geplatzte Lippe ein, der waghalsige Salto Mortale auf dem Tretroller ein zerschundenes Kindergesicht, der todesverachtende Bauchfleck auf dem Eislaufplatz zwei eingeschlagene Vorderzähne.

Die Dorfmenschen schüttelten belustigt den Kopf über den bewegungsoriginellen Bruchpiloten und lustige Vorschläge für meinen künftigen Arbeitsplatz aus dem Ärmel. „Der Bub könnte im Circus Kaputti auftreten“, meinte der Dorfälteste. Mit meinem kleinen Mütchen habe ich gegen diesen blöden Namen protestiert. Aber ohne Vorderzähne hat man mich wohl schwer verstanden.

Bernd Melichar

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