Sie & ErKönnten wir, bitteschön, vielleicht irgendwann einmal über etwas anderes als das Wetter reden

Bewahren wir immer einen kühlen Kopf?

 

Niemals Uno

Mannigfaltig sind bekanntlich die Vergnügungen, die ein Aufenthalt am Meer bietet, so ab ca. 33 Grad allerdings will alles bloß noch eines: ins Wasser, und zwar möglichst oft möglichst lange. Nur Häschen bleibt standhaft im abgedunkelten Zimmer sitzen, wie in Anbetung des großen runden alten Ventilators, der ihm unermüdlich Luft zufächelt. Ansonsten bettelt er darum, mit zum Einkaufen zu dürfen, weil es im Supermarkt zwischen den Kühlregalen so angenehm ist. Man sieht dort übrigens auch andere Hitzeflüchter auffällig lange die gefrorenen Erbsen betrachten.

Der Rest der kleinen Feriengruppe liegt japsend im Pinienschatten, wartet auf den Abend, wenn man auch ohne Schnorchelausrüstung und Schwimmnudel Sachen machen kann (Essen gehen, Wein trinken) und bedeckt sein Gesicht mit mitgebrachter Lektüre, weil immer irgendwo ein Kind mit einem dicken Packen Unokarten lauert und nur ein vorgetäuschtes Nachmittagsschläfchen vor einer ausgedehnten Kartenpartie schützt.

Aber was machen die Kinder? Spielen plötzlich alle Schach, und zwar so leidenschaftlich, dass auf der Stelle ein zweites Brett angeschafft werden muss. Da sitzen sie, schärfen Logik, Taktik, Denkvermögen, während ihre Erzeuger nach Jahren der Hölle mit Zieh vier, Aussetzen, Retour endlich entspannt vor sich hindösen können, ohne Uno, nie wieder Uno.

Ute Baumhackl

 

Immer Wetter

Auch wenn das nicht alle bestätigen wollen, bin ich doch im Grunde ein zutiefst entspannter Mensch, doch seit einiger Zeit höre ich ein tiefes Donnergrollen in mir. Es ist ja nicht so, dass ich mit meinen Mitmenschen ständig über Kants kategorischen Imperativ oder über Einsteins Relativitätstheorie plaudern möchte; aber, bitteschön, könnten wir vielleicht irgendwann wiedereinmal über etwas anderes als über „das Wetter“ reden.

Ich als alter Brite bin dem meteorologischem Zwiegespräch ja prinzipiell durchaus zugetan. „Oh, It’s A Light Breeze“ - und draußen tobt der Orkan und bläst die Badehütterl in den Kanal! Oh, wie wunderbar verhaltensoriginell sind meine Insulaner. Sind sie nicht?


Aber der große Unterschied: Meine Briten nehmen „das Wetter“ gelassen – wir nehmen es persönlich. Sagt der Brite: „What A Sunny Day!“ Sagt der Österreicher: „Ach, wie furchtbar, die böse Sonne brät mir wieder eins über!“ Sagt der Engländer: „Rain Is Liquid Sunshine.“ Sagt der Österreicher: „Mir bleibt auch nichts erspart, nicht einmal die Sintflut.“ Sagt der Engländer: „The Forecast Is Fine.“ Sagt der Österreicher: „Und für morgen will mir die Meteo-Mafia doch glatt vorgaukeln, dass es wieder besser wird.“


Für heute, Sonntag, ist übrigens ein wohltemperierter, nicht allzu heißer Tag vorhergesagt. Sagt der Österreicher: „Typisch, nicht Fisch, nicht Fleisch, dieses Wetter.“

Bernd Melichar

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