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MorgenpostDen ganzen Tag über hielt Donald Trump die Öffentlichkeit mit seinem Nato-Schlingerkurs zum Narren.

Der "Morgenpost"-Kommentar aus der Chefredaktion.

 

Verehrte Vertraute, Versierte und Verwirrte!

Zur Abwechslung einmal etwas total Gestriges: Den ganzen Donnerstag über hielt US-Präsident Donald Trump die Weltöffentlichkeit mit seinem Nato-Schlingerkurs zum Narren. Die einander widersprechenden Meldungen trudelten in unserer Redaktion im Minutentakt ein: Zuerst Beschimpfung der Deutschen, dann die Drohung mit einem US-Alleingang. Da sah die deutsche Kanzlerin Angela Merkel eine „sehr ernste“ Diskussion.

Dann aber plötzlich wieder Tauwetter: Er, Trump, habe die Europäer eh sehr lieb, stehe unverbrüchlich zum Verteidigungsbündnis, außerdem stammten ja sogar seine Eltern aus Europa. Na bitte, das wäre doch schon ein Argument! Aber nein, kurz darauf wieder Kehrtwende: Den Russen werde er einen Verzicht auf Nato-Manöver in Osteuropa anbieten (und da hat sich der Onkel Donald wohl sehr über das sofortige Zittern der drei baltischen Neffen Lett, Lit und Est gefreut). Und zum Drüberstreuen noch mehrdeutige Äußerungen zum Krim-Krieg.

Treffendes Resümee: „Trump irrlichtert beim Nato-Gipfel – er hat verhandelt wie ein Mafiaboss“, schrieb um 16 Uhr der „Spiegel“. Das Problem ist nur, dass dieses Hü-Hott die Welt verunsichert und das Vertrauen in die Konsistenz von Politik nachhaltig zertrümmert. Ganz nebenbei stehen auch wir Medien belämmert da, weil Sie, verehrte Leser, sich im Tagesverlauf deutlich weniger gut auskannten als noch am frühen Morgen. Auch unser Kredit wurde von Trump verspielt, was ihn gewiss im Zweifel freut. Sieht er doch seine eigenen Twitter-Botschaften als einzig vertrauenswürdige Nachrichtenquelle. Sozusagen Opfer des eigenen Schmähs.

Beizukommen wäre der Misere mit einer paradoxen Intervention: Alle Trump-Sager stets gut abtropfen lassen, nach ein paar Stunden auf Spuren von Substanz prüfen und erst das Substrat publizieren. Der Autor dieser Zeilen zöge diese Behandlungsmethode vor. Sollten auch Sie dies für die bessere journalistische Dienstleistung halten, zögern Sie bitte nicht, uns das mitzuteilen. Andernfalls beliefern wir Sie gerne auch weiterhin mit Washingtoner Slalomkünsten à la minute.

Einen erfrischenden, aber wohl wieder nicht Trump-Frei-Tag wünscht
Ernst Sittinger

ernst.sittinger@kleinezeitung.at

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