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MorgenpostHochprofessionelles Risikomanagement in Spielberg als Modell für olympische Spiele und Weltmeisterschaften

Die Formel1 gastierte in Spielberg
Die Formel1 gastierte in Spielberg © AFP
 

Guten Morgen!

Das Verhältnis zu Dietrich Mateschitz, Konzernchef mit steirischen Wurzeln, war zuletzt etwas asymmetrisch unterkühlt. Er ließ uns den Temperatursturz über die Bande ausrichten. Ein Interview mit dem Motorsportkritiker und querstehenden Spielberg-Anrainer Karl Arbesser in einer der Regionalausgaben hatte ihn erzürnt. Dass man so jemandem im Vorfeld des ersten Geisterrennens der Formel 1-Geschichte Raum gibt, empfand Mateschitz als unpatriotischen, feindseligen Akt. Er erwartete für die Wiedergeburt der pandemiebedingt stillgelegten Königsklasse puristischen, solidarischen Zuspruch und ging einen Schulterschluss mit der „Krone“ ein. Ein mündlich zugesichertes Interview kam nicht mehr zustande.
 
Solche Spannungen gehören zum Geschäft. Eine charakterlich halbwegs gefestigte Zeitung muss sie aushalten, ohne revanchistisch zu reagieren. Zum Charakter gehört die Bereitschaft zum Diskurs und zur Vielstimmigkeit. Wir peitschen die Leute in keinen Jubel hinein. Widerspruch darf und soll sein. Auch dann, wenn wir eine Entscheidung nüchtern gutheißen. Die Genehmigung, zwei Rennen ohne Publikum und unter strengen Auflagen in der Steiermark stattfinden zu lassen, spannte in der Lockerungsphase eine neue Perspektive auf. Es sollten die ersten beiden globalen Sportereignisse nach dem Höhepunkt der Krise werden, etwas surreal in der Vorstellung, aber ein kühnes Wagnis, das Zukunftsglauben barg und jede Menge PR-Potenzial für die Region, nach der zum ersten Mal ein Grand Prix benannt wurde. Gleichzeitig sprachen wir auch die Risken inmitten der Pandemie und der Vorsichtsgebote an, wenn etwas schiefgehen sollte.
 
Es ging nichts schief. Die örtlichen Vorzüge, der nahe Flughafen, die Möglichkeit zur Monaden- und Inselbildung, zur Einhegung wie bei einem großen Weidezaun wurden perfekt genutzt. Sie bildeten den Rahmen für ein Risikomanagement, das man nur als hochprofessionell einstufen kann. Es soll für olympische Spiele und Weltmeisterschaften Modell stehen, das kleine Spielberg als weltweite Blaupause. Zum chicen, technoiden Maskottchen der neuen Vorsicht wurden die Robotertischchen, die mit den bescheidenen Trophäen auf die drei bestplatzierten Rennfahrer zufuhren. Die nahmen bei den Siegerhymnen die Kappen ab, aber nicht den modischen Gesichtsschutz. Auch das war vorbildlich: Piloten der Achtsamkeit. Der laute Zirkus habe sich in Zurückhaltung und Demut geübt, schreibt Sportkollege Gerhard Hofstädter in seinem Kommentar, „es hat der Formel 1 nicht geschadet“.
 
Man muss kein Produktfan sein, aber einmal mehr zeigte sich in diesen zwei Wochen der hohe, über das Land hinausreichende Qualitätsanspruch des Unternehmens Red Bull, personifiziert durch das Gespann Dietrich Mateschitz und Helmut Marko. Ein großes Spätwerk der Beiden. Respekt.
 
Eine entschleunigte Ferienwoche wünscht
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Hubert Patterer
​​​​​​​hubert.patterer@kleinezeitung.at
 

Kommentare (3)

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zweigerl
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Eine diplomatische Meisterleistung

Eine diplomatische Meisterleistung ist diese ausgewogene Reposte an den allerorten geschätzten Zampano - sie rettet der KleinenZtg den Ruf, keinerlei Machtkartellen hinterherzublöken, um Anzeigenund wasweißich zu generieren. (Die "KronenZtg" hat gestern in einer Kolumne den Dieter M. als dichterisch inspirierten Meisteressayisten gebauchpinselt!). Durchaus beklemmend zu hören, dass der große M eine zornige Ordre vom Stapel gelassen hat wegen des Interviews mit der Gegenseite. Das wird ihn wieder verärgern, aber vielleicht tröstlich gestimmt durch die Übertretung sogar der orthographischen Regeln, indem zuletzt dem Macherduo M&M durchaus verdient mit der orthographisch inkorrekten Großschreibung "die Beiden" gehuldigt wird.

fon2024
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Andaman

Zweigerl der Abesser ist ein Nestbeschmutzer und nur auf Geld aus.

zweigerl
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Kenne ich nicht

Ich kenne den Herrn Abesser nicht - aber grundsätzlich sollen auch Mateschitz-Kritiker sich artikulieren dürfen, ohne dass der sonst so souveräne Herr M. säuerlich darauf reagiert.