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MorgenpostDas Leben und die Demokratie sind zu kostbar für Gefährdungen.

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chef-Redaktion.

 

Geschätzte Leserinnen und Leser!

Wer in Lech am Arlberg aus der Rüfikopfbahn in die schroffe Felsflanke blickt, hält die schmale Rinne kaum für befahrbar. Steht man oben an der Kante der Abfahrt, blickt man zwischen Warnschildern ins Nichts eines bis zu 80 Prozent Gefälle gähnenden Abgrunds. Der „Lange Zug“ erfordert von einem Skifahrer Mut und Können – wenn der Schnee wie üblich mit einem am Seil hängenden Pistengerät präpariert ist, damit die scharfen Kanten beim kurzen Schwung greifen. Jedes Abrutschen wäre höchst gefährlich.

Bei den aktuellen Schneeverhältnissen in die abgesperrte Rinne einzufahren ist jedoch mehr als Selbstgefährdung. Es ist verderblich. Die Umstände des Lawinenunglücks, bei dem vier deutsche Variantenskifahrer am Samstag im Langen Zug den Tod fanden, lassen nur die Wucht ahnen, mit der eine Lawine in diesem Steiltrichter wirkt. Man ist betroffen und denkt mitfühlend an die Familienangehörigen der Opfer, die ihre Lieben beim Freizeitabenteuer verloren. Bei vermeintlich erhebendem Schneegenuss, bei vermeintlichem Gruppenerlebnis mit Freunden, bei vermeintlicher Sicherheit mit Airbags im Skirucksack. Das selbstgefährdende Verkennen bezahlt man mit dem Kostbarsten, dem Leben.

Tief betroffen machte am Wochenende der Tod eines 16-jährigen Mädchens in Wiener Neustadt, dessen Leichnam in einem Park gefunden worden war. Nach Fahndung wurde als verdächtigter Täter einer mutmaßlichen Beziehungsgewalttat ein 19-jähriger Asylwerber syrischer Herkunft festgenommen. Der Fall wird nach der erst jüngsten Gewalttat in Oberösterreich die Diskussion anheizen, wie solchen Gefährdungen vorgebeugt werden kann.

Das Wertvolle der Demokratie gefährdet die AfD. Auf ihrem Parteitag am Wochenende fand ein Antrag Mehrheit, das EU-Parlament ersatzlos abzuschaffen. Die AfD, die seit einigen Jahren jeden Einzug in das Parlament eines deutschen Bundeslandes bejubelt und als bedenklich große Parlamentsfraktion im Deutschen Bundestag sitzt, sollte es damit dauerhaft auf die politische Gefährder-Liste schaffen. Die parlamentarische Demokratie als Entscheidungsform freier Gesellschaften anzugreifen, ist eine brandgefährliche Bedrohung.

In dieser Woche jährt es sich zum 50. Mal, dass in Prag der Student Jan Palach für Freiheit und Demokratie durch Selbstverbrennung starb. Sein Protest gegen die russische Panzerniederschlagung des Prager Frühlings erschütterte die Welt. Der Student der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität übergoss sich am 16. Jänner 1969 auf dem Wenzelsplatz mit brennbarer Flüssigkeit und zündete sich mit einem Streichholz an, drei Tage später starb er im Spital. Der traurige Jahrestag gibt Anlass, an das Kostbare und die Werte zu denken, die wir durch nichts gefährdet sehen wollen: Das Leben, die Freiheit und die Demokratie.

Einen guten Start in die Woche wünscht Ihnen


Adolf Winkler

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