Knirschendes GebälkNeuanfang oder Endspiel?

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© Kleine Zeitung
 

Guten Morgen!

„System overload, game over“, sagte Nina Tomaselli, die stellvertretende Parteichefin der Grünen gestern im Parlament. Gerade noch hatten Werner Kogler und Sigrid Maurer zu kalmieren versucht, ihr Chef also und ihre Klubobfrau. Sie hatten versucht, einen Neustart zu signalisieren: trotz allem, was noch aufklärungsbedürftig bleibt nach dem Rückzug von Sebastian Kurz; trotz der plumpen Ungeschicklichkeiten des neuen Kanzlers; trotz der massiven Attacken der Opposition. Game over also, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen?
 
Was könnte das heißen? Dass die düpierte ÖVP, egal ob türkis oder schwarz, den schweren Schlag nicht wegsteckt? Dass nichts mehr geht von den ambitionierten Projekten aus dem Regierungsprogramm, von denen gestern alle unisono zu reden bemüht waren? Dass die Landeshauptleute ihr gesenktes Haupt erheben und ihr Heil doch lieber im gewohnten Alten suchen als im blinden Gehorsam gegenüber dem Gestrauchelten? „Lichtgestalten, egal in welcher Ausfärbung, sind in der Politik kein nachhaltiges Erfolgskonzept“, schreibt Veronika Dolna in ihrem heutigen Leitartikel.
 
Was bleibt zurück, wenn der Magnet nicht mehr zieht? Lassen sich die beiden Gruppen noch im Guten auseinanderdröseln, ohne dass aus einer Partei zwei oder mehrere entstehen? Und wie würde ein offener Kampf zwischen Schwarz und Türkis ausgehen? Zersplittert das konservative Lager in den kommenden Wochen wie 1994 in Italien die Democrazia Cristiana? Die ratlosen, verstörten Gesichter der erfolgsgewöhnten ÖVP-Parlamentarier schienen zu verraten, dass ihnen diese Gefahren langsam dämmern.
 
„Wie lange wird die schwarze ÖVP sich der türkisen unterwerfen“, wollte ich zu Beginn der ersten Regierung Kurz von einem prominenten Schwarzen wissen. „Solange er Erfolg hat“, lautete die plausible Antwort, damals, zu Beginn der steilen Aufwärtskurve. Erste Absetzbewegungen in der Krise zeigen – die Vorhersage könnte stimmen. Ein unruhiger Herbst steht bevor, fürchtet

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jg4186
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Wie lange wird die schwarze ÖVP sich der türkisen unterwerfen

Das wird noch dauern. Weil zu viele Schwarze nicht wahrhaben wollen, wie sehr sie sich haben täuschen lassen vom jungen, feschen, sprachlich begabten Studienabbrecher. Er hatte Erfolg, kam gut an - das hat gereicht.
Jetzt kommen die gestandenen Schwarzen, die noch echten Christ-Demokraten drauf, wessen Kind er ist, welche "Familie" da eingezogen ist in Bunderkanzleramt und Partei. Der Geist, der Stil, der aus den Chats spricht, ist abstoßend, die strafrechtliche Anschuldigungen sind schockierend.
An alle Schwarzen und Schwarz-Wähler: Sind wir so? Und wir tun so weiter. Oder: So so sind wir nicht, so wollen wir nicht sein.