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Keine Zeit für IdylleKrieg, Kleinkrieg und der Heilige Mamertus

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

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© Kleine Zeitung
 

Guten Morgen!

Wir hatten die besten Intentionen. „Das Meer rückt näher“, wollten wir unsere Zeitung heute überschreiben, freundlich und optimistisch. Ein Bild der kroatischen Küstenstadt Rovinj hatte Hermann Fröschl ausgewählt, im Vordergrund tiefblaues Wasser – der Traum aller Eingesperrten. Am Abend wendete sich das Blatt. Raketen auf Tel Aviv, Luftangriffe auf Gaza, Tote, Rauchschwaden, kollabierende Häuser, Sirenengeheul – keine Zeit für Idylle.

Wie sich die Bilder gleichen. 2014 hatte der vorerst letzte Gaza-Krieg getobt, 50 Tage lang. Die Auseinandersetzung der ungleichen Gegner hat unzählige Tote gefordert und nichts verändert. Nicht die Herrschaft der Terrororganisation Hamas in Gaza, nicht die Bedrohung der Nachbarn durch Raketenangriffe und nicht das Elend der Bevölkerung im engen Gazastreifen. Sinnloser kann Krieg nicht sein. Er kam trotzdem wieder: „Die Zeichen stehen auf Krieg“ steht heute über dem Foto der qualmenden Gaza Stadt.

Die heimischen Schrecknisse wirken daneben fast läppisch. Finanzminister Gernot Blümel entschuldigt sich. Nicht für erst nach zweimaliger Mahnung durch den Verfassungsgerichtshof gelieferte Akten. Nur für den Eindruck, der dadurch entstanden sei, entschuldigt sich der Minister. Daran, also am Eindruck, sind dann viele andere schuld, Medien, die Opposition, der Verfassungsgerichtshof, der Bundespräsident, allenfalls ein bisschen auch er. Über seine gute Intention, die Krankenstandsmeldungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor den indiskreten Augen der Abgeordneten zu schützen, lasse er nichts kommen, erklärte Blümel Michael Jungwirth.

„Wenn sich im Verhalten nichts ändert, also im Respekt gegenüber dem Verfassungsgerichtshof, dem Bundespräsidenten und dem Parlament, dann ist diese Entschuldigung nur eine rhetorische Floskel“, glaubt Doris Bures, befragt von Veronika Dolna. Die zweite Nationalratspräsidentin ärgert vor allem, dass die ÖVP dem Ausschuss die Kosten vorrechnet, die er verursacht, 45.000 Euro pro Tag. „Was kostet Demokratie? Wäre es nicht günstiger, uns die Demokratie zu ersparen? Wer solche eine polemische Rechnung anstellt, lässt Demokratie zum bloßen Kostenfaktor werden. Das ist gefährlich.“

Heute feiern wir den Namenstag des heiligen Mamertus (400 bis 477), des ersten der „Eisheiligen“. Es folgen Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia. Das Wetter hält sich schon wieder dran. Merkwürdig, findet

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