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Sie & ErMüssen wir uns auseindersetzen?

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Am Tisch

Mich wundert ja nicht, dass so viele Menschen so extrem dünnhäutig geworden sind. Manchmal kann man unter ihren Oberflächen schon fast den Zorn pulsieren sehen; ich glaube, das liegt auch daran, dass die Leute so wenig unter die Leute kommen. Deswegen bin ich auch so froh über den Mai und die ersten Schönwettertage, da kann man sich treffen.

Wir sind vier. Beste Freundinnen, zwei sind schon geimpft, zwei frisch getestet. Wir sitzen mit Abstand, aber doch zusammen, was schön ist, und die ganze Zeit an diesem Tisch geht es, hurra, fast gar nicht um die Pandemie, sondern um Familien, Gärten, Essen, Bücher, bis wir endlich in die Zielgerade einbiegen und wie früher – oder besser: wie immer – über unser Lieblingsthema, den Feminismus, zu streiten beginnen; darüber, ob sich mit Binnen-I und Gendersternchen etwas erreichen lässt.

Am längsten streiten wir darüber, ob es stimmt, dass die meisten Armutsgefährdeten in Österreich Alleinerzieherinnen sind, bis wir draufkommen, dass der Satz so nie gefallen ist: Die meisten Alleinerzieherinnen in Österreich sind armutsgefährdet, so muss es heißen, und auch darüber, zeigt sich, können wir trefflich streiten. Wie die Bürstenbinder! Was sag ich: wie die Bürstenbinderinnen natürlich. So gehört gestritten: ohne diesen Bitterton, der derzeit so viele Gespräche grundiert, und wenn wir alle wieder mehr unter die Leute kommen, vergeht der bald wieder.

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