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LeitartikelPflicht und Kür in sachen Corona-Ampel und Kulturbetrieb

Die Bestimmungen der Corona-Ampel bedrohen ausgerechnet jene, welche die Sicherheitsauflagen unter hohem Aufwand genau befolgen: die Kulturveranstalter.

© Kleine Zeitung
 

Wer in den letzten Tagen in die Oper oder ins Theater gegangen ist, wer ein Konzert in einem der großen Häuser besucht hat, wähnte sich im Hochsicherheitstrakt: Ausweiskontrollen, Distanzregeln, gesperrte Sitzplätze, Maskenpflicht, personalisierte Karten mit Datenhinterlegung. Merkwürdige Prozeduren, an die man sich hoffentlich nicht gewöhnen muss, mit deren Hilfe aber gezeigt werden konnte, dass Veranstaltungen möglich sind. Im Sommer bei den Salzburger Festspielen und davor bei der styriarte in Graz, nun bei Bundestheatern und Landesbühnen.

Kommentare (1)

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zweigerl
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Virus schlägt Live-Kunstveranstaltungen

Ich überlege mal so nebenbei, ob JUgendliche bereit wären, im Sinne eines "schönen Handelns" zugunsten der Aufrechterhaltung des Kunst- und Kulturbetriebs auf ihre Partys zu verzichten. Brechts "Das Fressen kommt vor der Moral" gilt auch für die Kunst, die ja kein Lebensmittel ist. Auch das Leben in der Gesellschaft kommt vor bourgeoisen Theaterbesuchen. Dem Subsystem "Kulturveranstaltung" elementarere soziale Verhaltensweisen unterzuordnen, würde als ein "schönes Handeln" kaum die Akzeptanz der Mehrheit finden. Goebbels' Schließung der Theater im vorletzten Kriegsjahr ist ein martialisches Beispiel für die Verzichtbarkeit ästhetischer Events - und damals gab es noch nicht einmal dieses Substitut beliebig abrufbarer Videos im Internet. Wer die Kunst als solche liebt, und nicht in erster Linie das Drumherum eines mehr oder weniger aufdringlichen Kunstbetriebs, ist gefesselt von Shakespeare, Beethoven oder den Gemälden von Raffael auch via Youtube-Angeboten.