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Sommergespräch auf Puls 4Bundeskanzler Kurz in der Defensive, aber nie in Gefahr

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© APA/Helmut Fohringer
 

Guten Morgen!

Der Kunststoff Teflon ist zwar deutlich älter als Sebastian Kurz, aber so alt dann wieder auch nicht. In den Dreißigern entdeckte ein narrischer Chemiker, der so klingt wie ein eingeenglischter deutscher Schlagersänger (Roy Plunkett) am Boden seiner Gasflasche ein komisches weißes Pulver, das sich durch nichts auflösen ließ, durch keine noch so starke Säure, durch keine Lauge, durch nichts und niemanden. So wurde Teflon entdeckt, die äußere Beschichtung des österreichischen Bundeskanzlers, der gestern Abend zu Gast war bei Corinna Milborn auf Puls 4, er und die Pfanne mit der Teflon-Emulsion.
 
Wer es genauer wissen will: Die Außenpfanne, die Kurz eine Stunde lang aufblitzen ließ, besteht aus Ketten von an die 100.000 Kohlenstoff-Atomen, die mit je zwei Fluor-Atomen verbunden sind. Gegen dieses Teflon war wie gesagt kein Kraut und kein Lösemittel gewachsen, keine säurige Frage, Milborn mischte die eine oder andere mit freundlicher Genauigkeit ab, nichts verfing oder blieb haften, alles perlte ab, egal, ob es die vielen Gedächtnis- und Erinnerungslücken des Mittdreißigers im Untersuchungsausschuss waren, die wölfischen Integrationsdefizite in Wien, für die auch der Kanzler als langjähriger zuständiger Politiker Mitverantwortung trägt, die Mitverantwortung der Regierung beim Brandmal Ischgl oder die Pannen bei der Zustellung der Hilfspakete an die Wirtschaft, egal, die Pfanne hielt und blieb glänzend glatt.
 
Nicht einmal Königswasser, mit dem man Gold auflösen kann, kann dem Teflon etwas anhaben, eine Königswasserfrage war nicht dabei, vielleicht wäre eine Tannerlauge einen Versuch wert gewesen, aber vermutlich hätte nicht einmal sie was bewirkt. Es war heiß im Studio, in dem ein paar verlorene Stühle an die Idee von Publikum erinnerten, aber den Schmelzpunkt von 327 Grad, wo sich selbst Teflon zu zersetzen beginnt, diesen abstrakt relevanten Schmelzpunkt erreichte das Gespräch nie. Kurz war oft in der Defensive und nie in Gefahr.
 
Spannend war es zu beobachten, wie die Fragen nicht nur glänzend abperlten an der Oberfläche, sondern wie sie sich in der Sekunde perlend verformten und verwandelten. Die Verantwortungs- und Mitverantwortungsperlen transformierten sich zu lauter Opferperlen. Dieser chemische Prozess zog sich durch das gesamte Gespräch und begann eigentlich schon bei der ersten Frage, der Aufwärmfrage über den persönlichen Energiehaushalt nach den auszehrenden Monaten. Es gehe ganz gut, sagte der Kanzler und war im selben Atemzug schon im Vorjahr, dem Opferjahr, als er „vom Parlament abgewählt und von der Bevölkerung wiedergewählt“ worden sei.
 
Der Kanzler hielt die PTFE-beschichte Pfanne fortan eisern und irritationsfrei hoch und zog seine chemischen Register. Die Fehler und Versäumnisse in Ischgl: Wenn die große Welt so tue, als sei das kleine Tirol das neue Wuhan, dann könne und werde er als Kanzler nicht schweigen, noch dazu, wo Österreich im Krisenmanagement so viel besser gewesen sei als die meisten Länder der Welt, das müsse man sich von der Welt nicht gefallen lassen. Die innertürkischen Bürgerkriegsbilder in Favoriten: Das komme davon, wenn die anderen (vor ihm) zu viele ins Land lassen, vor allem das rote Wien, mit ihm nicht. Die im Ausschuss offenbarten Gedächtnislöcher bei den türkis-blauen Deals: Die Opposition habe ihn als Auskunftsperson hingestellt „wie einen Verbrecher“, während er „seit zehn Jahren rund um die Uhr für die Republik“ da sei und sich aufopfere, kein Wunder, dass die politische Kultur vor die Hunde gehe, auch die Medien sollten sich die Frage gönnen, warum sie so umgehen miteinander auf Social, und welches Bild das mache. Die späten Hilfsgelder: Na ja, wenn die das Zeug nicht ordentlich runterladen. Der türkis-blaue Postenschacher? Der Kanzler antwortete, indem er auch da die Perlen der Pfanne umperlte und aus dem Stand seinem grünen Regierungspartner die bisherigen grünen Personalbesetzungen vor den Latz knallte, vom Museumsdirektor über die Verfassungsrichterin, die „bei den Grünen Vorträge hielt“ bis zur ÖBB-Aufsichtsrätin, wo er auch erst intern nachfragen musste, ob das „mit uns abgestimmt gewesen“ sei. War es, habe er erfahren, und was er damit sagen wollte: Er steht drüber.
 
Das Teflon auf der Bratpfanne gibt es übrigens erst seit den Fünfzigern. Der „Spiegel“ schrieb damals voll Bewunderung über die häusliche Errungenschaft: „In diesen Pfannen können Speisen zwar noch verbrennen, aber nicht anbrennen. Nichts bleibt an dem Überzug haften, nicht einmal Spiegeleier. Die Pfannen lassen sich genauso leicht reinigen wie Porzellan.“
 
In etwa so war es gestern Abend auch auf Puls 4. Sebastian Kurz glänzte, beschichtet, unauflöslich und spiegeleierfrei gereinigt.
 
Einen unbeschichteten Tag wünscht

Kommentare (42)

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ilselampl
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Vieles richtig gemacht...........

Der Bundeskanzler Sebastian Kurz muss ziemlich viel richtig gemacht haben…………
Herr Chefredakteur sie verlieren die Contenance – wieviel Groll muss sich bei Ihnen schon aufgestaut haben, dass sie sogar die Definition einer Teflon-Bratpfanne bemühen müssen, damit sie überhaupt zu einem Artikel kommen.
Zu dumm - Vieles richtig gemacht ………….

HASENADI
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Frag mich ernsthaft,

wie lang die entrückte Glaubensgemeinschaft dem hl.Sebastian dessen mediale PR-Inszenierungen noch abnimmt, glücklich damit, wenn's Theater perfekt rüberkommt, ganz gleich, wie weit es von der Wahrheit/Wirklichkeit entfernt ist? Zumindest erspart es eigenes Denken, ich war ja selbst schon nahe dran, in die ansteckenden Huldigungschöre miteinzustimmen. Ein direkter Vergleich mit dem christlichen Religionsstifter nährte in mir dann doch eine gewisse Skepsis, weil nicht einmal dieser unfehlbar war - das Original war sich außerdem nicht zu schade, dies auch reumütig einzugestehen...Bevor sich der verklärte Blick auf das moderne Götzenbild weiter eintrübt - Wo ist die Grenze, die die türkisen Apostel nicht mehr mittragen würden: Erst wenn er von ihnen verlangte, ihm die Füße zu küssen? (Gib Rot, wenn es so ist!)

crawler
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Naja,

aus Sicht derjenigen die ihm an's Leder wollen, ist er immer in der Defensive. Wenn unbeweisbare unkonkrete Beschuldigungen an denen die Opposition hängt an ihm abperlen, heißt das Teflon. Aber trotz Schulabbrecher, trotz großer Ohren und was im sonst noch angekreidet wird, wer wäre der bessere Bundeskanzler? Ich sehe da überhaupt niemanden. Und genau das ist es was die Opposition antreibt ihm irgend etwas in die Schuhe schieben zu können. Und wenn es nur anonyme Anzeigen sind. Zack zack zack, immer weitermachen. Er wird's überstehen - mit Hilfe der Wähler.

X22
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Wer wäre der bessere Bundeskanzler?

Kogler, Peter Kaiser, Markus Wallner, Thomas Stelzer, Helmut Brandstätter,.......

kritiker47
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X22, warum nicht Sie selbst,

bei der Intelligenz, die Sie schon allein mit der Aufzählung all dieser Namen aufblitzen lassen. Es ist nur leider so, dass chronische Abneigung Anderen gegenüber allein nicht dazu befähigt, seriöse Beurteilungen zustande zu bringen, oder doch ?

Lodengrün
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Nicht

ungehalten sein, aber von den Genannten ALLE.

Balrog206
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Loden

Ich glaub sogar du wärst besser , und wen du einmal nicht weiter weißt dann trällerst ein Liedchen inzwischen !

Lodengrün
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Bei Dir @Bali

spare ich mir die Antwort

lieschenmueller
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immer in der Defensive

Wenn er - die Zahl weiß ich nicht mehr* - und sein Nächster - die Zahl 86!! - an nicht Erinnerlichem hat, was gar nicht so lange her ist, wie sollte ich solchen Leute irgendeine Achtung zollen?

*Ich darf das, bin schon ein altes Mädchen

Lepus52
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Gratulation!

Ein ausgezeichnet guter Kommentar!

Lodengrün
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Er ist eine

programmierte Spruchmaschine. Tragisch das er das selbst nicht erkennt das das eigentlich Programm ist. Einmal wird er aufwachen. Habe dass bei genug Leuten erlebt die durch NLP, Landmark, Scientology Programm gegangen sind.

Lodengrün
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Die Frage stellt sich

Da sitzen wirklich Kapazunder von Journalisten ihm gegenüber und lassen, man entschuldige, sich den Schwachsinn von ihm „reindrücken“. Warum widersprechen sie nicht, machen klar was Sache ist?

fans61
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@lodengrün: Presseförderung, Coronaförderung, Presseförderung, Co

ronaförderung......

Lodengrün
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Ja @fan

es muss wohl so sein, anders kann ich mir das nicht erklären.

feringo
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+ oder - 🤔

Ob nun das wie eine glänzende Lotosblumenoberfläche wirkende Teflon ein wertvoller Vorteil oder gravierender Nachteil ist bleibt in der kunstvoll geschmückten Bildbeschreibung leider unbeantwortet. Einzige Folgerung: Es wirkt.

lieschenmueller
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Für ihn zweifelsohne ein Vorteil,

nur sollte es einem Kanzler nie einzig und allein um sich selbst gehen.

feringo
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@lieschenmueller : im Falle des Vorteils

Ich denke so:
Ein Kanzler mit Vorteil, wie Sie es nennen, wird auch Österreich bei Verhandlungen gut vertreten.

HASENADI
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Was der BK zuletzt

im UA eindrucksvoll bewiesen hat. Sowas von geistiger Brillanz und Erinnerungsvermögen...

lieschenmueller
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bei Verhandlungen

Wenn alles so kommt, wie er es eingeübt hat und ihm aufgetragen wurde, unter Umständen. Zumindest aus seiner Sicht.

feringo
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@lieschenmueller: Vorteil

... dann wäre es eh von Vorteil für Österreich!

lieschenmueller
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Einigen wir uns für gewisse Leute in Österreich

und nicht Otto-Normalverbraucher. NOCH meint es der aber auch in größerer Anzahl, miteinbezogen zu sein.

HASENADI
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Für den Herrn BK

Es ist ein Unterschied, ob man seine Macht verantwortlich gebraucht oder ob man Verantwortung für seine Macht gebraucht (Wolfgang J.Reus)

zyni
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So eine Interview-Partnerin

kann man sich nur wünschen.....

scionescio
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Wieder einmal der alte Patterer ...

... ob der selbstverliebte Herr Kurz wieder zum Telefonhörer greifen wird?

HASENADI
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Vielleicht hat der Herr Kurz...

schon einen Teflonhörer? ;)

Balrog206
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Vielleicht

Sollte kurz seinen Hatern mal dem Mittelfinger zeigen mit einem Glas Schampus in der andern Hand , damit es im Forum net so depressiv zu geht !

 
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